Teil 53

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Bradleys Sicht
Ich starre auf das beschlagene Spiegelglas vor mir. Mein Atem hat schon fast ein Muster ins Glas gezeichnet, wie nervig ordentlich.

Ich streich mir mit der Hand durch die Haare – wieder mal. Ich kann nicht aufhören. Mein Herz klopft so laut, dass ich es in den Ohren höre. Und meine Brust fühlt sich an, als hätte jemand sie mit etwas Schwerem gefüllt – nicht schmerzhaft, aber voll. Übervoll.

Max' Lippen.
Der Kuss.
Sein Blick kurz davor – verletzt, suchend.
Seine Stimme. „Ich liebe dich."
Meine Stimme. „Weil ich dich liebe."

Ich beiße mir auf die Unterlippe.
War das zu viel? Zu direkt?
Vielleicht hätte ich... vielleicht war es zu früh. Vielleicht war es das Falsche.
Aber verdammt – es war auch das Richtige.

Ich schüttle leicht den Kopf und flüstere in mein Spiegelbild:
„Du drehst völlig durch, Bradley."
Ich grinse, obwohl mir nicht nach Grinsen ist.
„Mach jetzt keinen Scheiß, okay? Du hast's überlebt. Du lebst noch. Max lebt auch noch. Und er hat dich geküsst, verdammt."

Ich atme noch einmal tief ein.
Dann ziehe ich das Shirt an, das Max mir kurz reingereicht hat.
Es riecht nach ihm. Irgendwie süßlich und warm. Ich schlucke.

Okay. Los jetzt.

Max' Sicht
Ich hab das Licht in meinem Zimmer gedimmt. Eigentlich hab ich keine Ahnung, warum – aber alles Helle wirkt gerade zu... ehrlich.

Ich sitze auf dem Bett, meine Finger kneten den Stoff des zweiten Kissens. Ich will was sagen, wenn er gleich reinkommt. Vielleicht sowas wie: „Tut mir leid, dass ich vorhin so..."
Nein. Zu schwach.
„Ich wollte nicht wegrennen."
Ugh. Noch schlimmer.

Die Tür öffnet sich mit einem leisen Klicken.

Ich sehe zuerst seine Haare, dann das Shirt – mein Shirt – dann sein Gesicht.
Er sieht mich an. Nur für einen Moment.

Dann grinst er. Schief, leicht.
„Wow", sagt er leise, „ganz schön aus der Puste, was?"
Ich blinzle.
„Weggerannt, als wär ich ein Serienkiller oder so. Bist du immer so schnell, wenn's ernst wird?"

Ich will was erwidern, aber meine Kehle ist trocken. Ich schaffe nur ein leises: „Ich..."

„Keine Sorge", sagt er und zuckt mit den Schultern, „ich beiß nicht. Außer du fragst nett."

Ich lache leise, nervös.
Er setzt sich aufs Bett, seine Hand streift meine – ganz kurz, wie aus Versehen.

Dann, ganz ruhig: „Wollen wir einfach... schlafen? Also. Im selben Bett. Ich versprech auch, ich schnarche nicht. Meistens."

Ich sehe ihn nur aus dem Augenwinkel an, will nicht zeigen, wie aufgeregt ich bin, obwohl mein ganzer Körper vibriert.
„Wehe, du schnarchst", murmele ich, und meine Stimme klingt tiefer, als ich dachte.
„Dann kicke ich dich ohne zu zögern aus meinem Bett. Du kannst auf dem Boden schlafen." Ich sehe ihn jetzt an. „Und in Bobbys oder TJs Bett lasse ich dich ganz sicher nicht schlafen."

Bradley grinst. Dieses blöde, freche Grinsen, das viel zu viel mit mir macht.
„Oh ja? Das will ich sehen, wie du mich aus deinem Bett rausbekommst."
Er lehnt sich etwas zurück, als wollte er sagen: Trau dich doch.

„Okay", sage ich.
„Wird schon schiefgehen."

Ich werfe mich auf ihn, boxe ihn spielerisch gegen die Seite, ziehe ihn mit meinem Arm von der Matratze, aber nicht richtig fest. Er lässt es ein paar Sekunden lang zu – lacht sogar –, dann, im nächsten Moment, packt er mich an der Hüfte, dreht sich blitzschnell, und plötzlich lieg ich halb unter ihm.

„Brad—", will ich sagen, aber dann fängt er an mich zu kitzeln.
Ich winde mich unter ihm, lache unkontrolliert. „Bradley! Hör auf! Ich— ich hasse das—!"
Er lacht mit, sein Gesicht über meinem, warm und offen.
Seine Finger finden jede verdammte Stelle, an der ich empfindlich bin, und ich kriege kaum noch Luft vor Lachen.

Und dann...
Dann bleibt er plötzlich still.

Unsere Körper heben und senken sich synchron.
Unsere Gesichter – keine Handbreit voneinander entfernt.
Sein Atem streift meine Haut.
Ich starre ihn an. Oder er mich. Ich weiß nicht.
Ich merke nur, wie mein Herz so laut schlägt, dass ich kaum noch was höre.

Bradleys Blick wird weich. Fast verletzlich. Und dann flüstert er:
„Du bist so wunderschön."

Ich stocke.
Sehe weg. Kann es nicht halten.
Ich weiß nicht, wohin mit meinem Blick, mit mir.

Aber er lässt mich nicht ausweichen.

Seine Hand hebt sich, berührt sanft mein Kinn – aber auch mit Nachdruck.
Er zwingt mich, ihn wieder anzusehen.
Seine Finger sind warm. Ich atme scharf ein.

Dann küsst er mich.
Langsam.
Tief.
Ohne zu fragen.
Ohne zu zögern.

Und diesmal... will ich nie, dass es aufhört.


Hey an alle die noch weiter lesen: ich bin wirklich dankbar und tut mir leid für die lange Pause zwischen den Teilen.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt