Teil 59

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Max' Sicht (Ich-Perspektive)

Ich hatte genau drei Sekunden Ruhe.

Drei.
Sekunden.

Drei Sekunden, in denen ich neben Bradley lag, seinen Arm noch um meine Taille, das Licht ganz weich, mein Herz noch warm vom vorhin geflüsterten „Wir sind zusammen."

Und dann –

BÄM.
Die Tür fliegt auf.

„MAAAAAXY! Wach auf, Baby, es gibt Kaaaaff–"
TJ.
Mit einem Tablett in der Hand. Dahinter Bobby, wie immer leicht zerzaust, Sonnenbrille im Haar, ein Donut im Mund.

Dann:
Stille.
Komplette, starre, grausame Stille.

Ich sitze aufrecht. SOFORT.
Mein Herz springt in meine Kehle.

Bradley liegt noch halb aufgedeckt, Oberkörper nackt, Haare zerwühlt, diese verdammte Ruhe in den Augen.
Er blinzelt. Streckt sich.
Und dann –
grinst.

Ich reiße mir die Decke hoch bis ans Kinn.
„Oh mein Gott–"

TJ steht da wie versteinert. Sein Blick springt zwischen mir und Bradley hin und her.
Sein Mund steht offen, die Tasse Kaffee kippt langsam zur Seite.
„Uhhhhh..."

Bobby?
Bobby starrt Bradley an, als wäre er ein Alien, das gerade aus meinem Bett gekrochen ist.
Dann – ganz langsam –
verzieht sich seine Miene.
Er blinzelt.
Blinzelt nochmal.

Und explodiert.

„WHAT THE HELL?!"
Er wirft seinen Donut quer durchs Zimmer, stampft nach vorn, die Sonnenbrille rutscht ihm dabei fast von der Nase.
„Was. Will. Dieser. Verdammt. Glattgebügelte. Schnösel. In. Deinem. Bett?!"

Ich will im Erdboden versinken.
Oder einfach wegteleportieren.
Oder beides.

„Bobby, ich kann das erklären, okay, ich—"

„DU? ER kann besser was erklären!"

Bradley, mittlerweile ganz ruhig aufgestanden, zieht sich seelenentspannt sein T-Shirt über.
Er sieht aus wie nach 'nem Spa-Aufenthalt.
Locker. Genüsslich.
Und dann dieser Blick –
direkt zu mir.
Er hebt eine Braue.

„Bist du immer so hektisch nach dem Aufwachen oder nur, wenn Freunde reinplatzen, während wir noch—"

„NIEMALS BEENDE NICHT DIESEN SATZ!", schreie ich.
TJ wirft sich rückwärts auf den Teppich und hält sich die Ohren zu.

Bobby stampft weiter, packt Bradley am Kragen.
Ich springe halb dazwischen.

„Was will der verdammte Schnösel hier?!", zischt er.

Bradley?
Der steht da. Völlig ruhig.
Ein leichtes Grinsen auf den Lippen.

„Ich glaub, das ist ziemlich offensichtlich, oder?", sagt er mit einem Zwinkern.

Ich stöhne.
„Bradley, bitte!"

„Was?! Ich bin doch nur ehrlich!", sagt er und zuckt die Schultern, als wäre es das Normalste der Welt, gerade beim Sohn von Goofy im Bett gefunden zu werden – vor zwei völlig überforderten besten Freunden.

Bradley's Sicht (Ich-Perspektive)
Also gut.
Das ist jetzt also der Moment.

Ich stehe halbnackt in Max' Zimmer, der halbe Tag liegt noch vor uns, und seine beiden besten Freunde glotzen mich an, als wär ich gerade mit einem Drachen aus dem Fenster eingeflogen.

Bobby hat mich immer gehasst.
Aber ich schwöre, sein Blick jetzt ist eine Mischung aus „ich fress dich" und „ich ruf sofort Goofy".

TJ steht immer noch wie eingefroren mit seinem verschütteten Kaffee und sagt nur:
„Uhhhhh..."

Ich?
Ich beobachte das alles mit einer Art innerlicher Belustigung.
Ehrlich – das hier ist zu chaotisch, um sich drüber aufzuregen.

Max hingegen...
Oh Junge.

Er steht da, zerzaust, das Haar wild, nur halb angezogen –
und sieht aus, als würde er gleich explodieren.

„Also... also... das ist nicht so wie ihr denkt, okay?! Also, doch, also... irgendwie schon, aber... nicht schlimm! Also..."
Er stolpert über seine Worte, während er sich gleichzeitig versucht, sein Shirt über den Kopf zu ziehen, was ihm natürlich nicht gelingt, weil er die Unterseite nicht findet.

Ich beobachte das mit einem leichten Grinsen.
Er kämpft mehr mit dem T-Shirt als mit Bobby.
Wirklich bezaubernd.

„Es hat geregnet, ja?!", sagt Max plötzlich, hektisch.
„Also, gestern. Und – und Bradley hatte keinen Schirm. Also hat er bei uns geschlafen. Hier. In meinem Zimmer. Aber... also... nicht weil... also doch weil, aber... ich wollt nicht, dass er bei euch schläft, also—"

„DU HAST IHN IN DEIN BETT GELASSEN?!"
Bobby klingt, als würde er gleich platzen.

„Ja, aber nicht weil— also... Es war einfach... spät und... er war nass, also... vom Regen!! Nicht... nicht— UGH!!"
Max' Stimme überschlägt sich, während er sich die Hose überzieht und dabei fast rückwärts in seinen Schreibtisch fällt.

Ich schüttle leicht den Kopf.
Ich könnte das hier noch zehn Minuten anschauen, einfach nur aus Neugier, wie viele Knoten er sich noch in seine Sätze bauen kann.

Aber ehrlich?

Ich hab keinen Bock.

Ich will einfach mit ihm raus.
Einen Kaffee. Ein Lächeln. Vielleicht noch einen Kuss.
Und vor allem:
Nicht Bobby.

Also gehe ich auf Max zu, packe seine Hand.
Er redet noch. Irgendwas mit „nicht so wie ihr denkt" und „nur wegen des Regens", und ich hör's ehrlich gesagt gar nicht mehr richtig.

Ich unterbreche ihn.
Klar. Ruhig. Bestimmt.

„Wir gehen jetzt in ein Café. Tschüss."

Er blinzelt.
„Was?! Aber– ich... Bobby–"

„Café. Jetzt."
Ich drücke sanft seine Hand.
„Du brauchst Koffein. Ich brauch Ruhe."

Und bevor Bobby losspringen kann – was er wirklich vorhat, er spannt schon die Schultern wie ein kampfbereiter Koala –
ziehe ich Max einfach mit mir.
Ein Griff, eine Drehung, raus aus der Tür.

„HE–! DU—! SCHNÖÖÖSEL!!"
Bobbys Stimme hallt hinter uns her.

Ich winke über meine Schulter.
„Ich nehm ihn nur mit für Kaffee, keine Sorge!"

Max schaut mich an. Völlig überrumpelt.
Aber er sagt nichts.
Er lächelt nur.
Ganz leicht.

Und ich weiß:
Genau so wollte ich's.
Ihn. Mich. Die Welt draußen.
Ohne Chaos.

Nur wir zwei.
Und vielleicht ein Cappuccino.

________
Oh oh erwischt von den Freunden 😂.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt