Teil 68

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Max' Sicht

Ich liege auf dem Boden.
Für ein paar Sekunden höre ich gar nichts außer meinem eigenen Herzschlag.
Nur die Musik in der Ferne, dumpf, wie unter Wasser.

Dann das Lachen.
Laut. Hässlich.

Tank.
Natürlich Tank.

Ich blinzle, versuche mich aufzurappeln, aber meine Hände tun weh. Kleine Schürfwunden, egal. Bobby und TJ liegen halb auf mir, und TJ stößt ein genervtes „Alter, sorry!" aus, während Bobby schon wieder kichert.

Ich höre, wie die anderen noch immer lachen.
Ich sehe, wie Bradley – Bradley! – einfach dasteht.
Wie er mich kurz ansieht, als würde er was sagen wollen. Und dann, wie Tank ihm die Hand auf die Schulter legt.
Wie er zögert.
Und dann –
einfach mit ihm geht.

Ein Ziehen in meiner Brust, das fast körperlich wehtut.

Ich beiße mir auf die Lippe, richte mich langsam auf, klopfe mir den Dreck von der Hose.
Bobby ruft irgendwas wie: „Ey, was war'n das bitte für 'ne Show?", aber ich höre kaum hin.

Ich starre nur auf die Tür, durch die Bradley gerade verschwunden ist.

Das war's also.
Er hat sich wieder für die entschieden.

Ich spüre, wie mir das Blut in den Kopf steigt, wie mein Kiefer sich anspannt.
Das Gefühl, als würde jemand von innen gegen meine Brust schlagen.

Wie konnte er das machen?
Nach allem?

Wir hatten zusammen gelacht.
Geübt.
Pläne gemacht.
Er wollte mit mir auf diese Party.
Und jetzt steht er da in einem Gruppenkostüm, als wär's nie anders gewesen?

Ich atme tief ein.
Noch einmal.
Dann schüttele ich den Kopf.

„Weißt du was?" murmele ich, mehr zu mir selbst. „Scheiß drauf."

Ich richte mich ganz auf, zwinge mich zu einem Grinsen, auch wenn's weh tut.

„Ich lass mir den Abend nicht von so einem arroganten Schnösel versauen," sage ich lauter, diesmal so, dass Bobby und TJ es hören.

Bobby hebt fragend die Augenbrauen, aber TJ nickt nur, so nach dem Motto: Na endlich, der alte Max ist wieder da.

Ich schnapp mir mein Skateboard, puste mir eine Haarsträhne aus der Stirn und gehe Richtung Tür.
Und als ich die Hand auf die Klinke lege, denke ich nur:

Wenn er glaubt, ich bleib hier liegen – hat er sich geschnitten.

Ich gehe rein.
Geradeaus, durch die Menge, die Musik lauter, die Lichter flackern.
Und in meinem Bauch tobt noch immer dieses Feuer aus Wut, Enttäuschung und...
etwas anderem, das ich lieber nicht benenne.

—————
Max' Sicht – zwischen Bass und Herzklopfen

Die Musik in der Party ist laut.
Zu laut.
Der Bass vibriert im Boden, das Licht flackert in grellen Farben, und überall drängen sich kostümierte Gestalten – Skelette, Vampire, Hexen.

Ich zwinge mich, zu lächeln.
So, wie ich's immer tue, wenn alles brennt, aber keiner es sehen soll.

Bobby hat schon längst wieder seinen Spaß. Er tanzt irgendwo mitten in der Menge, TJ hat eine Schüssel Chips in der Hand und flirtet halbherzig mit einem Mädchen im Katzenkostüm. Und ich?
Ich lehne an der Wand, ein Plastikbecher in der Hand, und tue so, als wäre ich genauso entspannt.

Aber innerlich ist's ein Chaos.
Ich krieg Bradley nicht aus dem Kopf.
Immer wieder seh ich die Szene draußen vor mir – sein Blick, das Lachen von Tank, das Gefühl, am Boden zu liegen, während alle um mich herum grinsen.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt