Teil 67

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Max' Sicht

Ich spüre, wie es in mir hochkocht.
Nicht langsam. Nicht vorsichtig.
Sondern wie ein Schlag, der alles in mir zum Beben bringt.

Noch ehe ich richtig nachdenken kann, laufe ich los.
Nein – ich renne.

Ich höre Bobby und TJ irgendwas hinter mir rufen, aber ihre Stimmen verschwimmen im Lärm der Musik, im Rauschen meines Bluts. Ich sehe nur noch Bradley.

Er steht da, lacht, mit ihnen.
Tank. Diese ganze verdammte Skategruppe.
Und sie alle tragen die gleichen schwarzen Kapuzenjacken, weiße Skelettmuster über Brust und Armen – Gruppenkostüm.

Ich bleibe kurz stehen, weil es mir fast den Boden unter den Füßen wegzieht.
Aber dann gehe ich weiter. Schneller. Direkt auf ihn zu.

„Bradley!"
Er dreht sich überrascht um, gerade noch rechtzeitig, bevor ich ihn leicht an der Schulter packe und beiseite drücke.

„Was soll das, hä?!" Meine Stimme zittert, aber ich bin zu wütend, um mich darum zu kümmern. „Ich dachte, wir wollten uns gemeinsam verkleiden! Warum bist du nicht gekommen? Warum hast du mir nichts gesagt?!"

Er blinzelt, sichtlich überrumpelt. „Max, ich—"

„Nein!" Ich ziehe mein Handy raus, halte es ihm entgegen. „Ich hab dir geschrieben! Ich hab dich angerufen, Bradley! Mehrmals! Und du hast dein verdammtes Handy ja dabei!"
Ich deute auf seine Hosentasche, wo ganz deutlich das leuchtende Display durch den Stoff schimmert.

Er schaut mich an, und für einen Moment sehe ich in seinen Augen dieses schwache Aufflackern von Schuld. Aber es macht mich nur noch wütender.

„Und jetzt?", fahre ich fort, meine Stimme wird lauter. „Jetzt hast du einfach mit denen da ein Gruppenkostüm? Skelette, echt jetzt?!" Ich deute auf Tank und die anderen, die sich sichtlich amüsieren. „War das dein Plan? Erst mit mir abhängen und dann—"

Ich komme nicht weiter, weil plötzlich zwei Körper mit voller Wucht in mich krachen.

Bobby und TJ.

„Whoa, Max, warte—!"
„Ey, pass auf!"

Wir stolpern alle nach hinten, rutschen auf dem Asphalt aus, und ehe ich mich versehe, liege ich am Boden. Bobby halb auf mir, TJ lacht nervös, weil er es peinlich findet, und ich will einfach nur im Boden versinken.

Und dann höre ich sie lachen.
Tank. Seine Jungs. Laut. Spöttisch.

„Oh Mann, das sind ja echt dieselben Trottel wie letztes Jahr!"
„Süß, die kleinen Geister sind wieder unterwegs!"

Ich sehe zu Bradley hoch.
Er sieht mich an – und in seinem Blick liegt etwas, das ich nicht ganz lesen kann.
Besorgnis. Vielleicht ein bisschen Reue.

Er will sich gerade zu mir herunterbeugen, um mir aufzuhelfen.
Aber Tank legt ihm eine Hand auf die Schulter.

„Komm, Bro", sagt er mit einem überheblichen Grinsen. „Lass gut sein. Wir wollen doch nicht bei den Losern bleiben, oder?"

Bradley zögert. Nur eine Sekunde.
Aber er lässt sich wegziehen.

Ich sitze da, mit staubiger Hose, brennenden Wangen und einem Herz, das sich anfühlt, als hätte jemand eine Faust drumgelegt.

Er geht wirklich.
Einfach so.

Ich starre ihm hinterher, unfähig, irgendwas zu sagen.
Nur dieses eine, leise, zerbrechliche Gefühl bleibt:
Dass wir uns gerade  verloren habe. Dabei sind wir noch nicht mal lange zusammen.

Bradleys Sicht

Ich höre zuerst nur Schritte. Schnelle, entschlossene.
Und dann, bevor ich überhaupt begreife, was passiert, steht Max schon vor mir.

„Bradley!"

Ich reiße den Kopf hoch, völlig überrascht. Er steht da, mit gerunzelter Stirn, der Atem schwer, und ehe ich was sagen kann, schubst er mich leicht beiseite.

„Was soll das, hä?! Ich dachte, wir wollten uns gemeinsam verkleiden! Warum bist du nicht gekommen? Warum hast du mir nichts gesagt?!"

Seine Stimme schneidet durch die Musik.
Mir bleibt der Mund offen stehen, ich versuche etwas zu sagen, aber die Worte kleben mir im Hals.

„Max, ich—"

„Nein!" Er zieht sein Handy raus, hält es mir direkt vors Gesicht. „Ich hab dir geschrieben! Ich hab dich angerufen, Bradley! Mehrmals! Und du hast dein verdammtes Handy ja dabei!"

Ich folge seinem Blick.
Tatsächlich – das Display leuchtet durch den Stoff meiner Hosentasche.
Ich habe die Nachrichten gesehen. Alle.
Ich habe sie nur... nicht geöffnet.

„Und jetzt?" Er deutet auf mich, auf Tank und die anderen. „Jetzt hast du einfach mit denen da ein Gruppenkostüm? Skelette, echt jetzt?! War das dein Plan? Erst mit mir abhängen und dann—"

Er bricht ab, weil plötzlich Bobby und TJ angerannt kommen, in ihn reinprallen, und sie alle auf den Boden stürzen.

Für einen Moment ist alles still.
Dann höre ich Tanken lachen. Laut.

„Oh Mann, das sind ja echt dieselben Trottel wie letztes Jahr!"
„Süß, die kleinen Geister sind wieder unterwegs!"

Ich sehe Max an.
Wie er da sitzt, mit aufgeschürften Händen, die Augen voller Wut – und irgendwas, das weh tut, wenn man es zu lange ansieht.

Ich will hingehen.
Ihm aufhelfen.
Ich mache schon einen Schritt –

Doch Tank legt mir die Hand auf die Schulter.
„Komm, Bro", sagt er mit diesem überheblichen Grinsen, das ich eigentlich hasse. „Lass gut sein. Wir wollen doch nicht bei den Losern bleiben, oder?"

Ich bleibe kurz stehen.
Nur eine Sekunde.

Dann nicke ich.
Ganz leicht. Fast unmerklich.
Und lasse mich wegziehen.

Ich spüre Max' Blick im Rücken, und er brennt.
Aber ich drehe mich nicht um.
Ich kann's einfach nicht.

Die Musik dröhnt, überall Lachen, Stimmen, Licht.
Aber ich stehe einfach nur da, mit einem Becher in der Hand, der längst leer ist.
Ich höre Tank reden, aber seine Worte verschwimmen.
Stattdessen taucht das Bild von Max vor meinem inneren Auge auf – seine Stimme, seine Wut, dieser verletzte Blick.

Und dann zieht mich die Erinnerung zurück.
Letzte Nacht.

Rückblick

Wir saßen in meinem Zimmer.
Tank, Russ, Kyle – alle verstreut auf dem Boden, Chips, Dosen, die übliche Chaosstimmung.

Ich kann ihnen nicht mal sagen was mich wütend macht ohne das man direkt merkt das Max und ich zusammen sind. Und das ist für ihn anscheinend ja das schlimmste was passieren.

Die drei merken das mit mir etwas nicht stimmt. Keiner traut sich mich darauf anzusprechen. Alles Feiglinge nur bei Max ist es anders er hat mich immer direkt konfrontiert vielleicht hätte ich das auch tun sollen.

Aber es macht mich zu wütend.
Ich bin sauer.
So richtig.
Nicht auf ihn – oder vielleicht doch.
Vor allem was ist mit Halloween...

Pah Ich kann auch ohne ihn Spaß haben.

Da sagt Tank doch etwas: „eigentlich sind wir hier um dich zu fragen ob du schon ein Kostüm hast? Wir hatten nämlich Skelette als Gruppen Kostüm geplant. Na wie wär's ? Bock mit zu machen?

Viel zu schnell reagiere ich und sag direkt ja und werfe die Tüte mit dem Geister Kostüm in eine Ecke in meinem Zimmer.

Er grinste zufrieden.
„Perfekt, Bro. Wir kommen dann morgen vorbei und gehen zusammen zur Party."

Ich nicke nur
Und da war's beschlossen.

Zurück in der Gegenwart

Ich stehe da, höre die Musik, sehe die Lichter.
Und zum ersten Mal fühlt sich alles falsch an.
Tank und die anderen feiern, stoßen an, lachen –
aber ich sehe nur Max vor mir.
Wie er da auf dem Boden saß.
Wie ich ihn einfach stehen ließ.

Und dieses Bild krieg ich nicht mehr aus dem Kopf.

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Danke fürs lesen 💖

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt