Teil 48

43 3 0
                                        

Sicht Max
Ich atme tief durch, als ich mich vor ihm hinknie, das Desinfektionsmittel in der einen, Wattepads in der anderen Hand. Meine Finger zittern leicht, aber ich zwinge mich zur Ruhe. Es ist nur... Verbinden. Nicht fühlen.

Bradleys Gesicht ist im Halbschatten. Die Schürfwunden an seiner Stirn, der Schnitt an der Wange – nichts Dramatisches, aber es sieht schlimmer aus, als es wahrscheinlich ist. Trotzdem... es tut weh, ihn so zu sehen.

Ich tupfe vorsichtig auf die erste Wunde. Er zuckt leicht, macht aber keinen Mucks. Tapfer, wie immer. Oder einfach stur. Vielleicht beides.

Seine Haut ist warm unter meinen Fingerspitzen. Ich streife ihn nur, kaum spürbar – aber in mir? In mir fühlt es sich an, als würde ich mit bloßen Händen in ein offenes Feuer greifen.

Dann spricht er wieder, leise, fast schüchtern.

„Was... hat dein Dad gesagt?"

Ich halte inne. Nur für eine Sekunde. Es ist wie ein Klicken im Kopf, als wäre eine Sicherung durchgebrannt. Die Hitze in meiner Brust schlägt um – nicht in Sehnsucht, nicht in Nervosität, sondern in Wut.

Ich springe auf. Zu schnell. Der Stuhl rutscht dabei knarzend zurück.

„Er wurde gefeuert, okay?!", schnauze ich. Mein Ton ist schärfer, als ich beabsichtigt hatte, aber ich kann mich nicht stoppen. Ich gehe zwei Schritte weg, drehe mich dann wieder zu ihm um. „Was guckst du denn jetzt so?! Hm?!"

Er sagt nichts. Starrt mich einfach nur an.

„Willst du mich nicht wieder den größten Loser nennen?!" fahre ich ihn an, meine Stimme bricht fast dabei. „Willst du mir nicht sagen, dass ich's nicht wert bin?! Oder... oder was auch immer dir sonst so einfällt, wenn du den Mund aufmachst?!"

Sein Blick bleibt auf mir liegen, intensiv, wie festgenagelt. Und verdammt, ich werde nervös. Dieser Ausdruck in seinen Augen – nicht überlegen, nicht hämisch... sondern geschockt. Und voller... Schuld?

Sicht Bradley

Ich kann nichts sagen.

Ich will. Wirklich. Die Worte brennen mir auf der Zunge – aber mein Hals ist wie zugeschnürt. Ich sehe nur Max. Wie er da steht, aufgebracht, verletzt. Und ich weiß... ich weiß, dass ich schuld bin.

Nicht nur an den Worten, die ich gesagt habe.

Sondern auch an dem, was passiert ist.

Sein Dad... wurde wirklich gefeuert.

Und ich weiß jetzt, ohne den geringsten Zweifel – es war meiner.

Mein Vater hat's getan. Direkt. Ohne Warnung. Einfach so. Ich hatte es geahnt. Und trotzdem...

Ich schlucke. Versuche, meinen Blick von Max zu lösen, aber es geht nicht.

Weil ich es war.

Weil ich das kaputtgemacht hab.

Nicht nur seine Hoffnung auf irgendwas zwischen uns. Sondern auch noch das Letzte, was ihm irgendwie Halt gibt. Seine Familie. Seine Sicherheit. Und in dem Moment, in dem ich sehe, wie sehr ihn das trifft – wie sehr mein Blick ihn verwirrt, wie er sich fast unwohl fühlt unter meinem stummen Starren – weiß ich:

Ich hab's komplett vermasselt.

„Max..." flüstere ich endlich. Meine Stimme ist rau.

Aber er hebt sofort die Hand. Abwehrend. Nein. Er will nichts hören.

Und ich verstehe ihn. Ehrlich. Ich kann ihn nicht mal verurteilen.

Trotzdem will ich es erklären. Muss es.

Aber wo verdammt nochmal soll ich anfangen?

Ich hab mich jetzt noch mal ins Zeug gelegt und mehrere Kapitel geschrieben. Hoffentlich gefällt es euch :).

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt