Teil 39

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Sicht Max
Meine Füße tragen mich von allein. Ich weiß nicht, warum ich ihm nachlaufe. Vielleicht, weil ich Antworten will. Vielleicht, weil ich hoffe, dass er endlich aufhört, sich wie ein Arschloch zu benehmen. Oder vielleicht, weil ich tief in meinem Inneren immer noch einen Funken Hoffnung habe, dass da etwas Echtes ist. Etwas, das er einfach nicht zugeben will.

Bradley ist nur ein paar Schritte vor mir, seine Freunde immer noch feixend um ihn herum. „Bradley!" rufe ich, und er bleibt stehen. Die anderen verstummen, drehen sich neugierig zu mir um. Ich bleibe direkt vor ihm stehen, mein Herz rast, aber ich lasse mir nichts anmerken.

„Weißt du, wer hier wirklich vor seinen Problemen wegläuft? Du!" Meine Stimme ist fest, auch wenn meine Hände zittern.

Bradley lacht spöttisch, sein typisches Grinsen aufgesetzt. „Oh, wirklich? Und was sollen das für Probleme sein, Max?" Seine Stimme trieft vor Arroganz, und ich könnte ihm ins Gesicht schlagen – wenn ich nicht genau wüsste, dass das alles nur eine Maske ist.

Ich mache einen Schritt auf ihn zu. Sein Grinsen bleibt, aber ich sehe es – diesen kurzen Moment der Unsicherheit in seinen Augen. Er schluckt, unmerklich für jeden anderen, aber ich kenne ihn. Ich kenne ihn gut genug, um es zu sehen.

„Der Kuss", sage ich leise, aber bestimmt. „Und der Fakt, dass du mich magst. Und deswegen hast du eine Heidenangst, Bradley."

Für einen Moment ist es, als würde die Welt stillstehen. Bradleys Freunde starren mich mit weit aufgerissenen Augen an, und dann – natürlich – fangen sie an zu lachen. Laut, spöttisch, unverhohlen.

„Alter, das ist ja zu gut!" ruft einer von ihnen. „Bradley, unser großer Uppercrust III, steht auf Max? Den Loser?"

Ich sehe, wie sich Bradleys Gesicht verändert. Seine Augen werden kalt, und sein Kiefer spannt sich an. Dann, bevor ich reagieren kann, ist er plötzlich direkt vor mir.

„Als ob ich je jemanden wie dich mögen geschweige denn küssen könnte", zischt er, seine Stimme schneidend wie ein Messer. Er packt mein T-Shirt, seine Hände zittern leicht, aber er hält mich fest. Bevor ich überhaupt realisiere, was passiert, drückt er mich gegen die kalte Hausmauer.

„Hör mir gut zu", flüstert er, seine Stimme jetzt gefährlich leise. „Wehe, du verbreitest noch weiter solche Lügen. Ich, ein Uppercrust III, könnte nie einen dummen Loser wie dich mögen!"

Seine Worte treffen mich härter, als ich es erwartet habe. Ich spüre, wie sich Tränen in meinen Augen sammeln, aber ich werde verdammt noch mal nicht hier und jetzt vor ihm weinen. Nicht vor Bradley. Nicht vor seinen Freunden.

Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter, zwinge mich, ruhig zu bleiben. Mit aller Kraft drücke ich seine Hände weg und trete einen Schritt zurück. „Na schön", sage ich leise, aber meine Stimme klingt fast gleichgültig. „Bis dann."

Endlich mein Uber den ich bestellt hatte hält direkt neben uns, wie ein rettender Engel. Ohne einen weiteren Blick auf Bradley oder seine Freunde steige ich ein und schlage die Tür zu. Doch kaum ist die Tür geschlossen, brechen die Tränen aus mir heraus. Ich hasse mich dafür, dass er diese Macht über mich hat.

Ich sehe durch das Fenster, wie Bradleys Freunde mir etwas hinterher rufen. „Loser" oder etwas Ähnliches.
Aber Bradley, er steht nur da, erstarrt, und starrt mir nach. Seine Augen sind auf das Auto gerichtet, und ich weiß, dass er die Tränen gesehen hat.

Sicht Bradley
Meine Hände zittern, als ich da stehe, aber ich lasse es mir nicht anmerken. Meine Freunde lachen immer noch, als hätten sie die Show ihres Lebens gesehen. Doch ich kann sie kaum hören. Alles, was ich sehen kann, ist Max' Gesicht – die Tränen, die er so verzweifelt versucht hat zu verstecken.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt