Teil 71

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Max' Sicht

Ich stehe einfach nur da. Starr. Beweg mich keinen Millimeter.
Mein Herz hämmert so laut, dass ich kaum atmen kann, und in meinem Kopf ist alles ein einziges Durcheinander.
Aber zwischen all den Gedanken, all den zerbrochenen Sätzen, bleibt nur eins ganz klar:

Ich will ihn.

Nicht irgendwann, nicht heimlich, nicht unter einem verdammten Laken.
Ich will ihn jetzt.
Ich will bei ihm sein. Ich will sein Lachen hören, jeden Morgen. Ich will seine Hand auf meiner spüren, seine Nähe, seinen Blick, der alles in mir auf den Kopf stellt.
Ich will ihn. Nur ihn.

Mir egal, was die Leute denken.
Mir egal, wer uns sieht.
Ich will ihn. Punkt.

Und bevor ich's überhaupt richtig checke, rennen meine Beine schon los.
Über den Rasen, zurück zum Haus, durch die offene Tür – direkt in die Menge hinein.
Die Musik wummert, Lichter flackern, alles verschwimmt. Ich dränge mich durch die Leute, suchend, atemlos.
Und dann – ausgerechnet in dem Moment, wo ich ihn sehe – geht die Musik aus.

Jemand vorne will anscheinend eine Ansprache halten.
Das Licht flackert kurz, dann richtet sich ein Scheinwerfer genau auf mich.
Ich bleibe stehen. Direkt im Mittelpunkt. Alle Augen auf mich.

Verdammt.

Bradley steht ein paar Meter entfernt.
Er sieht mich an – total überrascht, verwirrt, fast so, als würde er gerade träumen.
Und mein Herz schlägt so schnell, dass ich denke, ich kipp gleich um.
Aber ich weiß: Wenn ich's jetzt nicht sage, dann nie.

Ich schlucke, atme tief durch, und rufe laut, klar und ohne Zögern:
„Bleib sofort stehen!"

Alle verstummen. Wirklich alle.
Nur das Knistern der Lautsprecher ist zu hören.

Ich atme nochmal tief ein, meine Hände zittern, doch meine Stimme klingt fester, als ich's erwartet hätte.
„Du hast recht, Bradley," sage ich, „ich hatte Angst."
Ein leises Murmeln geht durch die Menge, aber ich rede einfach weiter.
„Ich habe immer noch Angst. Aber der Wunsch, mit dir zusammen zu sein, ist viel größer."

Sein Blick wird weich, aber er sagt nichts.
Also gehe ich weiter.

„Und du bist mir nicht peinlich – ganz im Gegenteil. Ich wusste nur nicht, wie ich damit umgehen soll."
Ich spüre, wie mir die Hitze ins Gesicht steigt, aber ich zieh's durch.
„Aber das ist mir jetzt egal. Weil ich dich nicht verlieren kann."
Ich halte kurz inne. Meine Stimme bricht fast.
„Weil ich dich liebe."

Ein Raunen geht durch die Menge.
Aber ich schau nur ihn an.
„Ja, genau – dich, du arroganten Schnösel, Bradley Uppercrust, der Dritte!"
Ein paar Leute lachen leise, aber meine Stimme zittert vor Ehrlichkeit.
„Ich liebe dich, und es ist mir egal, was alle anderen davon denken. Oder was sie von mir denken. Denn ich will dich."

Ein Moment absolute Stille.
Ich höre nur meinen eigenen Herzschlag.

Dann bewegt er sich.
Bradley läuft los – schnell, mit großen Schritten, direkt auf mich zu.
Und bevor ich überhaupt reagieren kann, packt er mich am Kragen, zieht mich zu sich und küsst mich.

Es ist kein vorsichtiger Kuss. Kein zögerlicher.
Es ist roh, echt, voller Gefühl und Erleichterung.
Ich vergesse alles – das Licht, die Leute, den Lärm. Es gibt nur ihn.

Er löst sich kurz von mir, grinst atemlos und sagt leise:
„Du bist so ein Verrückter."
Dann flüstert er, kaum hörbar:
„Ich liebe dich auch."

Und bevor ich überhaupt lächeln kann, küsst er mich wieder.

Da bricht der Jubel los.
Die ganze Menge tobt, pfeift, klatscht, ruft unsere Namen.
Aber das geht alles unter – alles verschwimmt, weil ich nur ihn sehe.

Sein Lächeln.
Seine Hand in meiner.
Und zum ersten Mal fühlt sich alles richtig an.

Bradley's Sicht – „Du bist so ein Verrückter"

Ich gehe einfach.
Schritt für Schritt, weg vom Garten, weg von Max, weg von allem.
Ich spüre den kalten Wind auf meiner Haut, aber in mir ist alles nur heiß – brodelnd, chaotisch, schmerzhaft.

Verdammt. Ich hätte es nicht sagen sollen.
Ich hätte nicht sagen sollen, dass es ein Fehler war, mich in ihn zu verlieben.
Aber was hätte ich sonst tun sollen?
Er stand einfach da, hat nichts gesagt, kein Wort, und ich... ich konnte nicht mehr.

Ich laufe durch den Korridor, vorbei an tanzenden Leuten, an Musik, an Stimmen, die sich alle gleich anhören.
Ich will einfach nur raus.
Doch irgendwas in mir hält mich auf halbem Weg an.
Wie ein Griff um mein Herz.
Ein Gedanke, der so laut ist, dass er alles andere übertönt:

Er wird mir. Ich will ihn zurück.

Ich kann ihn nicht gehen lassen. Nicht so. Nicht wieder.

Ich drehe mich um, gehe zurück, diesmal schnellen Schrittes.
Die Menge wird dichter, die Musik immer lauter.
Ich stoße mich an Leuten vorbei, suche sein Gesicht.
Und dann, plötzlich, geht die Musik aus.

Alle drehen sich zur Bühne. Oder... zu ihm.
Max steht mitten im Raum.
Das Licht trifft ihn direkt. Weiß, hell, fast zu grell.
Er steht da mit hochrotem Kopf, atmet schwer – aber seine Augen sind fest auf mich gerichtet.

Ich bleibe stehen. Mein Herz stolpert.
Er sieht aus, als würde er gleich zusammenklappen, aber dann ruft er:

„Bleib sofort stehen!"

Und alles wird still.
Ich weiß nicht, ob ich atme. Ich glaube, ich tu's nicht.

Dann fängt er an zu reden.
Seine Stimme zittert ein bisschen, aber sie trägt weit.
„Du hast recht, Bradley. Ich hatte Angst. Ich habe immer noch Angst. Aber der Wunsch, mit dir zusammen zu sein, ist viel größer."

Ich spüre, wie mir der Boden unter den Füßen schwankt.
Er sagt wirklich das?
Hier? Vor allen Leuten?

Er redet weiter.
„Und du bist mir nicht peinlich – ganz im Gegenteil. Ich wusste nur nicht, wie ich damit umgehen soll. Aber das ist mir jetzt egal. Weil ich dich nicht verlieren kann. Weil ich dich liebe."

Es wird totenstill.
Nur dieser Satz hängt noch in der Luft – Ich liebe dich.
Er klingt nach, wieder und wieder, in meinem Kopf, in meiner Brust, in jeder Zelle.

Und dann kommt noch dieser eine Satz – dieser typisch Max-Satz, der alles durchbricht:
„Ja genau, dich, du arroganten Schnösel, Bradley Uppercrust, der Dritte!"

Ich muss grinsen. Ich kann nicht anders.
Mein Herz tut weh, aber ich will lachen. Ich will schreien. Ich will ihn einfach nur –

Und dann bewege ich mich.
Ich renne los.
Ich sehe nichts außer ihn. Keine Gesichter, keine Lichter, keine Leute.
Nur ihn.

Ich bleibe erst vor ihm stehen, schaue ihn an – diese Augen, dieses nervöse Zittern seiner Lippen – und dann packe ich ihn am Kragen und ziehe ihn zu mir.
Kein Zögern, kein Nachdenken.
Ich küsse ihn.

Er schmeckt nach Mut, nach Angst, nach allem, was wir beide sind.
Und in diesem Moment weiß ich, dass alles andere egal ist.

Ich löse mich kurz, atme gegen seine Lippen.
„Du bist so ein Verrückter", flüstere ich.
Dann, leise, ehrlich:
„Ich liebe dich auch."

Ich küsse ihn wieder.
Diesmal langsamer, tiefer.
Und plötzlich bricht Jubel aus – wie eine Welle, die über uns hinwegrollt.
Aber ich höre nichts davon.

Ich halte ihn nur fest.
Und während überall Gelächter und Applaus um uns herum tobt, spüre ich, wie Max zittert – nicht vor Angst, sondern vor Erleichterung.
Und ich weiß:
Das ist echt.
Das ist unser Moment.

Ich lehne meine Stirn gegen seine und grinse.
„Du hast keine Ahnung, wie lange ich auf das hier gewartet hab."

Er lächelt nur, seine Wangen sind gerötet.
„Doch, hab ich", flüstert er. „Ich auch."

Und dann küssen wir uns wieder, mitten im Chaos, mitten in der Menge –
und für den ersten Moment seit Langem ist alles genau so, wie es sein soll.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt