Teil 69

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Bradleys Sicht

Ich halte es nicht mehr aus.
Ich seh's ihm an.

Selbst mit diesem dummen Laken überm Kopf, mit der Sonnenbrille, die längst schief sitzt, sieht man, dass es ihm nicht gut geht.
Sein Lachen ist nur Fassade, seine Bewegungen fahrig. Er wirkt, als würde er in der Menge einfach verschwinden wollen.

Und dann tut er's.
Er stößt Bobby von sich und drängt sich durch die tanzende Masse Richtung Ausgang.

Ohne nachzudenken, renn ich hinterher.
„Max!" rufe ich, laut, fast zu laut, aber die Musik verschluckt meine Stimme.
Ich schieb mich durch die Leute, pack ihn am Arm, als ich ihn endlich erreiche.

„Max, können wir reden? Ich will mit dir reden."

Er dreht sich halb zu mir, der Blick gehetzt.
„Ich hab dir nichts zu sagen."

„Was?"
Ich stolpere über das Wort.

„Ich kann gerade einfach nicht, okay?! Es nervt mich alles. Alles ist zu viel."
Seine Stimme bricht fast. Er reißt sich los, dreht sich um – und läuft.

Ich bleibe stehen.
Nur für einen Moment.

Ich war derjenige, der wütend war.
Ich war der, der verletzt war.
Und trotzdem tut's jetzt weh, ihn so zu sehen.

Also laufe ich ihm nach.
Weg von der Musik, raus aus der stickigen Luft.

Aber als ich endlich durch die Menge breche, bleibe ich abrupt stehen.
Mein Atem stockt.

Da steht er.
Nur ein paar Meter vor mir.

Und sie.

Roxanne.

Sie lacht, zieht spielerisch an seinem Laken, hebt es leicht an –
und bevor ich überhaupt realisiere, was passiert, beugt sie sich vor.

Ihr Mund trifft seinen.
Ein Kuss.
Schnell. Aber echt.

Ich kann mich nicht bewegen.
Kein Geräusch dringt mehr zu mir durch.
Kein Bass, kein Lachen, keine Stimmen.

Nur dieser Anblick.
Und das dumpfe Dröhnen in meiner Brust.

Max zieht sich erschrocken zurück, sein Blick huscht umher –
und dann trifft er meinen.

Für einen Moment ist alles still.
Die Welt steht still.

Und ich weiß nicht, ob ich wütend bin, verletzt oder einfach nur leer.
Aber irgendwas in mir zerbricht in diesem Moment.

Langsam gehe ich einen Schritt zurück.
Dann noch einen.
Und ohne etwas zu sagen, drehe ich mich um.

Max' Sicht

Ich halt's nicht mehr aus.
Die Musik, die Lichter, das Lachen – alles dreht sich, zu laut, zu grell, zu viel.
Ich spüre nur, wie sich dieser Druck in mir aufstaut.

Ich brauch Luft.

Also dräng ich mich durch die Menge, ignoriere die Stimmen hinter mir.
Irgendjemand ruft meinen Namen – Bradley? – aber ich geh einfach weiter.
Ich will jetzt einfach weg.

Plötzlich spür ich, wie jemand meinen Arm packt.
Fest.
Ich dreh mich um – und da steht er.

„Max, können wir reden? Ich will mit dir reden."
Seine Stimme klingt anders als sonst – dringlich, fast verzweifelt.

Aber ich kann gerade nicht.
Ich kann nichts mehr.

„Ich hab dir nichts zu sagen."
Er sieht mich an, als hätte ich ihn geschlagen.

„Ich kann einfach nicht, okay?! Es nervt mich alles, ich..."
Ich reiß mich los, dreh mich um und lauf einfach weiter.

Mein Herz rast. Ich weiß gar nicht, wohin ich will – nur weg von allem.
Ich schiebe mich durch den Hintereingang, raus in die kühlere Luft.

Und dann –
„Max?"

Ich drehe mich erschrocken um.
Roxanne.

Sie steht plötzlich da, lächelt, als wär's das Normalste der Welt.
„Ich hab dich vermisst", sagt sie leise und kichert, während sie das Laken ein Stück anhebt.

„Was... Roxanne, was machst du hier?"
Ich weiche halb zurück, aber sie tritt näher.

„Na komm schon, es ist Halloween. Ich wusste, du bist's."
Sie legt die Hand an mein Gesicht, und ehe ich's begreife, beugt sie sich vor –

„Roxanne—"
Ich fasse an ihre Schultern, halte sie zurück.
„Ich kann das nicht."

Aber da seh ich's – über ihre Schulter hinweg.

Bradley.

Er steht ein paar Meter entfernt, halb in der Tür, das Licht der Party fällt auf sein Gesicht.
Er starrt mich an, als hätte er gerade alles verloren.
Und ich weiß sofort –
er hat's falsch verstanden.

„Nein..."
Das Wort bleibt mir im Hals stecken. Ich will rufen, will's erklären,
aber er dreht sich schon um.

Und in diesem Moment fühlt es sich an, als würde alles in mir in sich zusammenfallen.

Maxley Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt