Kapitel 33 -Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt wurden

1K 59 15
                                        

Kapitel 33- Unkraut nennt man Pflanzen, deren Vorzüge noch nicht erkannt wurden

(Zitat von Ralph Waldo Emerson)

Faith's POV: So sehr ich mich auch anstrengte,ich konnte Justin gegenüber nicht normal sein. Es war vollkommen lächerlich,ja,vielleicht auch kindisch,aber ich konnte die Tatsache,dass er mich geküsst hatte,nicht einfach verdrängen und ich war diesbezüglich nicht traurig oder törig - nein- ich war wütend,dass er mir die Wunschvorstellung meines ersten Kusses kaputtgemacht hatte.Der Fakt,dass er es sich wagte mich einfach zu küssen,sei dahingestellt,aber mein inneres Ich hatte genaue Vorstellungen über den ersten Kuss,die meiner Meinung nach,mit der ersten,großen Liebe zusammenhing,die bei mir aber in diesem Fall gar nicht gegeben war. Die Folge war also,dass ich ihn mied. Kaum waren Ryan und die Anderen nach Hause gegangen und der Garten wieder ordentlich hergerichtet,sprachen wir kein Wort mehr miteinander. Es war nicht so,als dass Justin überhaupt versucht hatte mit mir zu reden. Wohlmöglich war ihm mein neuerdings abweisendes Verhalten noch gar nicht aufgefallen. Besonders verletzte mich jedoch,dass er mir nicht von seinem Gespräch mit Ryan erzählt hatte,welches ich verbotenerweise einfach belauscht hatte. Nicht,dass er dazu verpflichtet gewesen wäre,aber sonst erzählte er mir doch auch alles. Ich schlussfolgerte daraus,dass der Kuss alles zwischen uns zerstört hatte und unsere Freundschaft auf eine neue,schlechtere Ebene geführt hatte. Und ja,genau das störte mich. Leugnen konnte ich nicht,dass Justin mich auf eine Weise anzog,die ich mir selber nicht ganz erklären konnte. Ich wollte ihn und das nicht irgendwie, ich wollte ihn nah bei mir haben. Ich wollte mehr von dem,was gestern Abend hätte laufen können und ich wusste,dass ich so gar nicht denken dürfte,wenn er doch nur mein bester,beziehungsweise einziger, Freund war. Aber konnte ich überhaupt von Liebe sprechen? Ich meine,bis vor Kurzem hatte ich keine Ahnung wie man eine anständige Freundschaft führte,konnte ich dann jetzt überhaupt den Unterschied zwischen Freundschaft und Liebe erkennen? Was war,wenn ich mir das alles nur einbildete und dieses Herzflattern,welches ich seit längerer Zeit neben all unseren Problemen verspürte,falsch deutete? Ich war durcheinander. Sehr sogar und ich wusste,dass ich meinen Kopf schnellstmöglich freibekommen musste,ehe ich meine Freundschaft aufs Spiel setzte. Ich war einfach nicht Kira, ich war nicht Sie. Aus seinen Erzählungen heraus  war sie eine coole,harte Persönlichkeit und so war ich definitiv nicht. Wieso wollte ich überhaupt sein wie sie? Weil ich ihn wollte. Das musste ich mir nur eingestehen.

Tief in meinen Gedanken versunken,bemerkte ich nicht,wie Justin in sein Zimmer kam. Ein leises,mürrisches "Hey.",ließ mich ihn bemerken. Scheu reckte ich meinen Kopf in seine Richtung und er stand einfach in der Mitte des Raumes und sah mich an. Sein Blick war starr und seine Stirn lag in Falten. Die Maske seiner selbst war ihm vollkommen entglitten und seine Wangen weisten einen Hauch von Farbe auf. Die Haare hatte er heute nicht gestylet,sie hingen von allen Seiten ab. Justin sah bedrückt aus und zerknirscht löste ich meinen Blick von ihm. Ungeduldig saß ich auf seinem Bett und sammelte meine Gedanken. Er musste es gemerkt haben,er musste gespürt haben,dass ich ihm aus dem Weg gegangen war. Ein oder zwei Mal hatten wir heute geredet,aber sonst hatte jeder sich mit sich selbst beschäftigt. Justin war die ganze Zeit auf seinem Speicher gewesen,unter dem Vorwand,er habe seiner Mutter versprochen dort aufzuräumen. Aber ein Blick in seine Augen genügte,um festzustellen,dass auch er nur einfach von hier weg wollte. "Mom lässt fragen,ob du ihr beim Kochen helfen möchtest.",überrascht sah ich aus dem Fenster. Die Abendsonne drohte unterzugehen. Den ganzen Tag war ich mit meinen Gedanken beschäftigt gewesen,sodass ich gar nicht mitbekommen hatte,dass seine Mutter von wo auch immer wieder zurückgekehrt war und der Tag sich dem Ende zuneigte. Stirnrunzelnd nickte ich und stand auf:"Gern.",hauchte ich und durch das wenige Sprechen war ich doch tatsächlich heiser geworden. "Gut,dann räume ich das Gepäck zusammen,damit wir morgen nicht mehr so viel zusammensuchen müssen,wenn es ab Heim geht." Ich ließ seine Aussage unbeantwortet.

VictimsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt