Meditation

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Wörteranzahl: 1800
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Als Yoongi die Tür zu ihrer Wohnung aufschloss, hörte er ungewöhnlich tragende, melancholische Musik aus dem Zimmer seines Mitbewohners schallen. Mit der Abwesenheit jeglicher anderer Geräusche entfachte diese klagende Geige und das tragisch-emotional begleitende Klavier direkt ein Seufzen in den Tiefen seines Herzens, welches er mit flachem Atem hinaustrug.

Die Musik war nicht laut von sich aus, doch Jimin musste die Lautstärke höher gestellt haben, als für ihn typisch war. Die Tür war nur angelehnt. Yoongi verzichtete auf möglichst alle störenden Geräusche, die jenen tönenden Klang aus seiner Reinheit reißen könnten. Als er seine Schuhe loswurde, schlich er zur Tür und spähte durch den handbreiten Spalt. Auf Augenhöhe fand er nichts als die aufkommende Farblosigkeit des schwindenden Tageslichts.
Doch irgendwo außerhalb seines Blickfeldes musste eine Lampe leuchten, welche die Umgebung schwach mit Wärme benetzte. Das war Jimins Schreibtischlampe, erkannte Yoongi. Doch wo war Jimin?

Dass er ihn nicht gleich sah, lag daran, dass Jimin ganz reglos dalag; im Gleichklang mit seiner unbewegten Umgebung. Er hatte sich auf dem Teppich ausgestreckt und sein Blick wäre an der Zimmerdecke direkt auf den Rauchmelder gefallen, hätte er die Augen geöffnet. Yoongi lächelte und wusste nicht genau warum. Er hatte nicht das Gefühl, Jimin zu stören, wollte ihn aber nicht aus dem Moment reißen. Eigentlich hatte er eine erfreuliche Neuigkeit für den Jüngeren, doch das konnte warten. Vorsichtig trat er ein und durch die sanften Geräusche seiner Bewegung tat sich etwas in Jimins Mimik, sodass Yoongi wusste, dass er es mitbekam. Gerade als das Lied mit einem schrill zitternden aber doch nicht zu hohem und sanft versuchendem Ton zum Ende kam, öffnete Jimin die Augen und beobachtete den Älteren, der das Bett umrundet hatte und sich neben ihn auf den Teppich kniete.

Da er sich lange nicht geregt hatte, dauerte es kurz, bis er seine Hand hob und den Finger an die Lippen legte. Yoongi verstand und sagte kein Wort. Auch, weil er in diesem Moment keine Worte hatte. Alles war in diesem Moment schauen und hören. Jimins Blick war keineswegs überrascht. Er hatte damit rechnen müssen, dass Yoongi jederzeit nach Hause kam. Und er hatte die Tür nicht geschlossen. Seine Augen hielten Yoongi weiter gefangen, als er etwas zur Seite rückte. Ein neues Musikstück begann und Yoongi legte sich neben Jimin. Ihr Blickhalten zerfiel und sie schlossen die Augen. Jetzt war es nur noch das Lauschen der Musik. Und spüren...

Nach einem langen Tag auf den Beinen war der Teppich weich und seine Schultern lagen schwer, sein Hinterkopf wiegte sich auf dem weichen Stoff. Er legte, wie ihn der Anblick Jimins zuvor begrüßt hatte, die Hände auf seinen unteren Bauch und begann, ruhig zu atmen. Und dann konzentrierte er sich ganz auf die Musik. Ihm schien, dass war es, was Jimin tat und wie ungewöhnlich es auch sein mochte, es hatte einen unglaublichen Effekt. Es war nicht gerade eine Meditation. Denn - und das fiel ihm nicht zum ersten Mal auf - so ganz konnte er sich doch nicht in den Moment fallen lassen. Denn Jimin lag neben ihm und das konnte er nicht ohne einen Gedanken abtun. Jimin, Jimin, Jimin...
Wenn Jimin mit ihm im selben Raum war, war immer ein Teil von Yoongi damit beschäftigt, sich auf ihn zu konzentrieren. Seine Präsenz verschwand nie, auch mit geschlossenen Augen nicht. Wenn er ein Buch las und Jimin trat in das Zimmer, selbst wenn er sich ruhig verhielt und nur sein Handy anstarrte und kaum etwas von ihm zu hören war, Yoongi kam kaum eine Zeile voran. Und jetzt, wo sie so aufgeladen mit Konzentration auf die Musik und sich selbst und nichts anderes achteten, nebeneinander liegend, da konnte Yoongi nicht anders, als diese Nähe intensiv wahrzunehmen. Und sie zu genießen.

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⏰ Letzte Aktualisierung: May 24 ⏰

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Yoonmin OneshotsGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt