Regungslos stand Flammenstern zwischen den Ginsterzweigen. Sie stachen ihr unangenehm ins Fell, aber sie nahm es kaum wahr. Polarlicht zitterte am ganzen Körper. Dicht an ihren Gefährten geschmiegt lag sie da und murmelte etwas unverständliches vor sich hin. Mit bebenden Pfoten und gesenktem Kopf trottete die Anführerin zu Laubschweif, der fassungslas neben Rennpelz stand und immer wieder den Kopf schüttelte. „Hol bitte die Anderen“, murmelte sie mit bemüht beherrschter Stimme. Der hellbraunte Kater nickte abwesend und lief, oder wohl eher rannte, davon in Richtung des Baus.
Der Regen wurde langsam immer schwächer, trotzdem waren die Pelze der Katzen tropfnass. In jedem anderen Moment hätten die Clankatzen sich angewiedert geschüttelt, doch nun kam ihnen dies nur recht. Warum sollte ihr Fell warm sein, wenn es das von Klingenpelz nie wieder sein würde?
Flammenstern konnte es immer noch nicht ganz fassen. Der silbern getigerte Kater war Tod. Von einem Ast erschlagen. Sie hatte diesen Katzen Rettung versprochen. Und was hatte sie ihnen gebracht? Schon am ersten Tag war einer von ihnen gestorben. Alles war ihre Schuld. Sie mochte vielleicht nichts dafür können, dass der Ast gerade in dem Moment abgebrochen und hinuntergefallen war, aber Klingenpelz hätte sich wohl kaum an diesem Ort befunden, wenn er sich nicht dem FeuerClan angeschlossen hätte. Er wäre ein toller Krieger geworden. Er hatte die nötigen Eigenschaften. War loyal. Freundlich. In diesem Augenblick fiel der flammenfarbenen Kätzin auch auf, dass sie kaum mehr über ihn sagen konnte. Sie kannte ihn ja erst seid dem letzten Tag. Es war so schrecklich. Er hatte sein halbes Leben noch vor sich. Er wird nie die Schülerzeremonie und Kriegerzeremonie seiner Jungen sehen. Wird nie mit stolz ihr Training beobachten. Niemals wird er in den Ältestenbau umziehen und den Jungen seiner Jungen Geschichten erzählen. Das einzige, was Flammenstern nicht in Schuldgefühlen ertrinken lies, war die Sicherheit, dass der Kater nun im SternenClan war.
Auf einmal berührte etwas ihre Schulter und Flammenstern schreckte von ihren Gedanken auf. Regenpelz hatte sie angestupst und blickte ihr nun traurig und ernst in die Augen. „Du wirst dir jetzt nicht die Schuld dafür geben“, brummte er eindringlich. Verlegen seufzend murrte sie: „Woher weißt du das? Außerdem habe ich jeden Grund mich selbst dafür verantwortlich zu machen! Ohne mich, läge er nun in dem Bau, in dem die Waldkatzen bis heute Nacht gelebt hatten!“ Der dunkelgraue Kater schüttelte den Kopf und leckte ihr tröstend über die Ohren. „Du bist meine Gefährtin. Ich kenne dich und weiß, dass du dir die Schuld gibst. Außerdem war es Klingenpelz‘ freie Entscheidung sich dem FeuerClan anzuschließen! Dich trifft keine Schuld!“ Abwehrend hob sie den Kopf. „Das verstehst du nicht.“ Ihr Gefährte seufzte resigniert, wante sich von ihr ab und blickte auf Klingenpelz‘ Leichnahm hinüber. „Glaubst du, ich hätte nie das Gefühl gehabt an dem Tod einer Katze Schuld zu sein?“ Mit diesen Worten trottete er davon. Flammenstern schaute ihm verwundert hinterher. An wessen Tod sollte er bitteschön Schuld sein? Regenpelz war eine der wohl aufrichtigsten und warmherzigsten Katzen, die sie kannte. Sie wäre nie auf die Idee gekommen, dass er einen Grund hätte Schuldgefühle zu empfinden. Er würde doch nie irgendeiner Katze etwas antun, oder etwa doch?
Während Flammenstern ihrem Gefährten hinterhergestarrt hatte, hatten sich die restlichen Katzen des FeuerClans um Klingenpelz‘ toten Körper versammelt und auch Geißel und Memory waren wieder aufgetaucht. Es hatte aufgehört zu Regnen, aber noch immer war der Himmel fast so dunkel wie in der Nacht. Auch der Sturm hatte etwas abgenommen und an seine Stelle war ein unangenehm kalter Wind getreten, der die Anführerin schaudern lies. Rabensturm, Staubwolke, Forellenpelz und Düstersturm schauten sie erwartungsvoll aber auch niedergeschlagen an. Möglichst gefasst richtete sie sich auf und räusperte sich, woraufhin alle aufsahen. „Wir…ähm…wir sollten von hier verschwinden. Rabensturm, Rennpelz, tragt ihr ihn bitte hinter uns her?“ Die beiden Krieger nickten stumm. Mit gequälten Gesichtsausdrücken liefen sie zu dem toten Kater und packten ihn am Fell. Polarlicht, die imme noch an der Seite ihres Gefährten kauerte stand langsam und unsicher auf. Mit versteinerter Miene folgte sie den beiden Katern, ihre drei Jungen liefen neben ihr. Flammenstern beeilte sich an die Spitze der Gruppe zu gelangen, da ihre Clangefährten noch nicht wussten, wohin sie sollten. Auf der Lichtung überholte sie Rabensturm und lief dann vor ihm her.
Mit den Augen suchte sie nach dem Fluss, den sie im ersten Moment nicht entdecken konnte, da viele Rinnsale auf dem Boden flossen, über die sie immer wieder hinwegsprang, auch wenn ihr Fell schon vollkommen durchweicht und von Dreck verklebt war. Als sie den Fluss entdeckte, lief sie an ihm gegen die Strömung entlang um wieder den Weg dorthin zu finden, von wo sie vor zwei Tagen hergekommen war. Schon nach kurzer Zeit lichtete sich der Wald und sie fand zurück auf die grüne Wiese. Die hohen Grashalme und Blumen neigten sich im Wind und Regentropfen wurden von ihnen hinuntergeschüttelt, als Flammenstern durch sie hindruchlief. Sei steuerte direkt auf ein paar Brombeersträucher zu, die dicht beieinander standen und sich in der Mitte der Wiese befanden. Die Äste waren schon von grünen Blättern bewachsen und würden Schutz vor Wind und den Hunden bieten. Als sie die Büsche erreicht hatte blieb sie stehen und blickte sich nach ihren Clangefährten um. Rennpelz und Rabensturm, die den Leichnahm trugen, waren zurückgefallen und traten gerade erst aus dem Wald, als sie schon die Sträucher erreichte. Mehrere Katzen waren schon fast bei ihr, andere hatten den Wald noch nicht einmal verlassen. Flammensterns Junge und die vier Schüler erreichten sie als erste. Alle acht wirkten unsicher und schauten sich mehrmals nach dem toten Kater um. „Was…was ist denn mit ihm passiert?“, wollte Wasserjunges wissen und trat unruhig von einer Pfote auf die andere. „Ich weiß es nicht. Das muss ich erst noch herausfinden.“
Nachdem die meisten Katzen zu ihnen gestoßen waren, betrat Flammenstern die Brombeersträucher durch eine Lücke, die zwischen zwei der Büsche entstanden war. Die Zweige spritzten Wassertropfen durch die Luft, als sie sie berührte. In der Mitte der Sträucher war eine kleine Lichung, der Rest war von Ästen überdacht und so von Regen geschützt. Die Katzen des FeuerClans folgten ihr zögernd ins Innere und versammelten sich am geschützten Rand der Lichtung. Rabensturm und Rennpelz legten Klingenpelz‘ erschlafften Körper in der Mitte der Lichtung ab. Sofort kauerten sich Polarlicht, Fels, Stein und Kiesel wieder neben den silbern getigerten Kater. Alle vier blickten mit abwesenden, versteinerten Blicken ins Nichts. Wieder wurde die junge Anführerin von Schuldgefühlen übermannt. Er könnte noch leben. Er könnte gerade irgendeinen Scherz machen oder auf der Jagd mit seiner Gefährtin sein. Aber nein. Das war nicht der Fall, denn er war Tod. Und alles nur, weil sie hier hergekommen war.
Da ein Großteil der Katzen nun verunsichert und ohne etwas zu tun herumstand, entschloss sich die flammenfarbene Kätzin, kurz zu ihrem Clan zu sprechen. Sie konnte keinen Ort entdecken, der im geringsten erhöht war, deshalb stellte sie sich einfach nur aufrecht hin und jaulte: „Ich habe etwas zu sagen!“ Die Augen der Katzen richteten sich auf sie und die meisten von ihnen schienen erleichtert, dass sie sie aus ihrer Verlegenheit befreite. „Heute hat sich einer unserer Clangefährten dem SternenClan angeschlossen. Alle Katzen, die sich von ihm verabschieden wollen, werden deshalb heute Nacht für ihn die traditionelle Totenwache halten. Natürlich ist es okay, wenn jemand, der ihn nicht gut gekannt hat, sich dieser Wache nicht anschließen möchte. Außerdem wird dies natürlich nicht von Ältesten, Jungen, Schülern und Königinnen verlangt.“ Mit diesen Worten trottete Flammenstern mit hängendem Kopf zu Klingenpelz und leckte ihm über die Flanke. „Ich kannte dich kaum, aber ich wünschte, wir hätten uns besser kennengelernt. Du bist zu früh gestorben. Es tut mir so leid, dass du wegen mir erst zu diesem Zeitpunkt an diesem Ort warst“, flüsterte sie traurig und meinte jedes wort genau so, wie sie es sagte. Die anderen Katzen des Clans taten es ihr nach und so lagen sie die ganze Nacht, bis am nächsten Tag die Sonne aufging nebeneinander. In stummer Übereinstimmung ihrer Trauer.
So mal sehen, wer aufgepasst hat ;) Wie heißen Staubwolkes Junge? (Wer mir alle sagen kann bekommt die Widmung)
Und noch etwas: Ich wollte fragen, ob Flammensterns Trauer auch gut rüberkommt, oder ob ich noch etwas daran arbeiten sollte. Ehrliche Antworten wären erwünscht ;)
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Warrior Cats - Die Tochter des Feuers
Fanfiction"Der See wird sterben. Zu dritt werdet ihr zu den Wolken gehen und Feuer sein. Nur so kannst du die Clans retten." Eine Prophezeiung kann das Leben einer Katze für immer verändern. Das hatte Flammenblüte schon als Junges von ihrem Vater Feuerstern g...
