Kapitel 30

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Nach diesen Worten begannen die SternenClan-Katzen zu verblassen. „Wartet! Was meint ihr damit? Und wer seid ihr eigentlich?“ Flammenstern hatte noch so viele Fragen, aber die Lichtung war bereits leer. Allein saß sie auf der saftigen grünen Wiese. Eigentlich müsste sie jetzt doch aufwachen, dachte sie.

Fragen wirbelten in ihrem Kopf herum und sie fand keine Antworten. Warum war sie Anführerin geworden? Welchen Clan sollte sie führen? Was hatten die fünf fremden Katzen gemeint? …

„Du musst dich entscheiden, wie dein Clan heißen soll“ flüsterte ihr der golden gestreifte Kater zu, der zuvor Tüpfeljunges hochgehoben hatte. Flammenstern hatte gar nicht mitbekommen, dass er die Lichtung betreten hatte, geschweige denn so nah an sie herangekommen war. Sie zuckte zusammen und ihr Nackenfell stellte sich auf. Wie hatte das getüpfelte Junge den großen Krieger noch genannt? Löwenherz, oder Löwenmut? „Welcher Clan denn?“ stellte sie die erstbeste Frage, die ihr in den Sinn kam. Die bernsteinfarbenen Augen des Katers funkelten amüsiert. „Der Clan, der aus den Katzen besteht, die sich dir anschließen werden natürlich!“ Flammenstern viel auf, dass der Krieger unglaublich dichtes Nackenfell hatte. Daher also der Name.

„Und du solltest gleich nachdem sie sich deinem Clan angeschlossen haben, angemessene Namen geben“ fuhr er fort. Löwenmut, oder Löwenherz, sie war sich immer noch nicht sicher, schien noch etwas sagen zu wollen, aber er zögerte. Da lösten sich die Lichtung und auch der Kater in Luft auf und die Kätzin fiel ins Nichts.

Um sie herum war es dunkler als in der finstersten Nacht. Der Stein leuchtete nicht mehr. Ihr ganzer Körper war vollkommen durchgefroren und ihre Nase, die die ganze Zeit über den kalten Mondstein berührt hatte. Langsam stand Flammenstern auf und streckte ihre steifen Glieder. Sie musste lange auf dem felsigen Boden gelegen haben. Löwenherz, oder wie auch immer er hieß, hatte ihr nur noch mehr Fragen offen gelassen, auf die sie keine Antwort wusste.

Am Rand der Höhle blitzten unerwartet zwei bernsteinfarbene Augen auf. Rabenpfote hatte auf sie gewartet. Der schwarze Kater streckte sich und gähnte ausgiebig. „Hat der SternenClan dir geholfen, Flammenblüte?“ Mit erstickter Stimme verbesserte sie ihn: „Flammenstern. Ich heiße jetzt Flammenstern.“ Die Augen des Einzelläufers weiteten sich schockiert und die flammenfarbene Kätzin stürmte an ihm vorbei zum Ausgang. Sie musste sich über so vieles klar werden, bevor sie seine Fragen beantworten konnte und wollte ihn das nicht wissen lassen. Sie war jetzt die Anführerin eines Clans. Der Clan existierte zwar noch nicht, aber sie war die Anführerin.

Du musst dich entscheiden, wie dein Clan heißen soll.

Löwenherz´ Stimme wollte ihr nicht aus dem Kopf gehen. Ihr fiel während sie durch den schmalen Gang rannte wieder ein, dass sie schon einmal von diesem Namen gehört hatte. Auf ihrer Schülerzeremonie. Er war Graustreifs Mentor gewesen und war als Zweiter Anführer des DonnerClans zu der Schülerzeit ihres Vaters gestorben.

Sie sollte sich also einen Namen überlegen. Das erstbeste, was ihr einfiel, wäre FlammenClan, nach ihr selbst. Aber sie wollte nicht, dass ein Clan nach ihr benannt wurde. Sie hatte sich solch eine Ehre nicht verdient. FeuerClan! Das war es! Sie würde ihren Clan nach ihrem Vater benennen!

Sie erreichte den Ausgang der Hochfelsen. Die Morgendämmerung hatte bereits eingesetzt. Sie war also wirklich lange dort drinnen gewesen. Verträumt blickte sie in die Ferne und setzte sich. „Flammenstern? Warte!“ Rabenpfote kam luftschnappend hinter ihr ins Freie. „Wieso heißt du jetzt Flammenstern?“ Der Kater setzte sich neben sie und betrachtete sie mit schief gelegtem Kopf. „Ich bin jetzt die Anführerin des FeuerClans. Der SternenClan will, dass ich einen neuen Clan gründe und anführe.“ Er nickte aufmerksam, als wäre das was sie ihm berichtete das normalste der Welt. Plötzlich kam der Kriegerin eine Idee. „Willst du dich dem FeuerClan anschließen, Rabenpfote?“ Ohne lange zu zögern schnurrte er: „Ja, das würde ich gerne tun. Gilt dieses Angebot auch für Laura, Blaujunges, Gelbjunges, Rotjunges, Kampfjunges und Streifenjunges?“ Und noch eine weitere Idee kam Flammenstern in diesem Moment. Löwenherz hatte bestimmt Rabenpfote und seine Familie gemeint, als er davon sprach, Katzen ihre Namen zu geben. „Selbstverständlich!“ schnurrte sie. „Dann lass uns diese Neuigkeit feiern! Bringen wir ihnen Frischbeute mit!“ miaute der schwarze Kater erfreut und sprang auf.

Flammenstern und Rabenpfote kamen mit mehreren Beutestücken beladen an der Scheune an. Die Sonne stand nun schon etwas höher am Himmel. Unterwegs war ihr auch noch aufgefallen, dass sie vor Mondhoch einen zweiten Anführer ernennen musste, wenn sie eine richtige Anführerin sein sollte. Sie würde diese ganzen Ernennungen auf einmal machen, wenn sie wusste, welche Katzen sie ernennen musste.

„Rabenpfote! Flammenblüte! Da seid ihr ja wieder!“ Laura und Herbst sprangen auf, als sie die beiden kommen sahen. Die Kätzinnen hatten sich zusammen mit Millie, Charly und den Jungen vor der Scheune gesonnt. Laura begrüßte sowohl ihren Gefährten, als auch die flammenfarbene Kätzin Nase an Nase und Herbst schnurrte: „Wir dachten schon, ihr wärt in irgendein Loch gefallen.“ Die beiden Jungen erwartenden Kätzinnen, schienen sich angefreundet zu haben, denn sie liefen dicht bei einander und tuschelten. Glutjunges und Ahornjunges kamen ebenfalls angesprungen und begrüßten ihre Mutter stürmisch. „Graustreif, Regenpelz und Staubwolke haben uns Jagd und Kampftechniken gezeigt!“ Glutjunges sprang in die Luft und fing ein vertrocknetes Blatt, das vom Wind aufgeweht worden war. „Ich war die beste im Kämpfen! Sogar besser als Kampfjunges!“ Sofort wollte Ahornjunges ihre neuen Fähigkeiten zeigen, stolperte aber und fiel auf die Nase. „Nicht so wild!“, schnurrte Flammenstern.

Rabenpfote neben ihr miaute: „Du solltest ein Clantreffen einberufen, Flammenstern.“ Die umstehenden Katzen starrten verblüfft zu der flammenfarbenen Kriegerin. Charly krächzte: „Hab ichs doch gewusst“, stand auf und ging in die Scheune. Die orangene Kätzin folgte ihm. Rabenpfote hatte Recht. Sie wollte nicht jeder Katze dieselben Fragen beantworten müssen.

Ihre Beute ließ sie auf den Flecken Stroh fallen, auf dem schon eine Drossel lag. Sie sprang auf einen Heuballen und jaulte: „Alle mal herkommen“, weil sie es für passender fand, als dass sie den gewohnten Ausruf der Anführer gejaulte hätte. Sie war schließlich noch nicht die Anführerin dieser Katzen. Sie mussten sich erst dafür entscheiden. Die Katzen, die ihr von draußen in die Scheune gefolgt waren setzten sich und Graustreif, Staubwolke und Regenpelz kamen gerade von der Jagd zurück. Auch sie hatten einiges gefangen. Heute würden alle satt werden.

Die drei Krieger ließen ihre Frischbeute ebenfalls auf den Haufen fallen und setzten sich mit verwunderten und irritierten Blicken zu ihren Freuden. Flammenstern wusste nicht wirklich, was sie jetzt sagen sollte, oder wie sie weitermachen wollte und verfiel in verlegenes Schweigen. Graustreif brach die Stille. „Flammenblüte, was machst du denn da oben? Kannst du nicht hier unten mit uns reden?“ Er schnurrte amüsiert, doch als Gelbjunges ihn darauf hinwies, dass sie jetzt Flammenstern hieß, verstummte er.

„Der SternenClan hat mir die neun Leben einer Anführerin gegeben. Für mich kam das genau so unerwartete wie für euch…“ Staubwolke unterbrach sie: „Und wen willst du denn anführen? Ist etwas mit Feuerstern und Brombeerkralle passiert?“ Daraufhin brachen wilde Diskussionen unter den Katzen aus. „Nein, ihnen geht es gut“ miaute die flammenfarbene Anführerin bestimmt. „Ich soll einen neuen Clan gründen. Den FeuerClan. Unser Territorium wartet irgendwo auf uns. So heißt es in der Prophezeiung. Ihr werdet zu den Wolken gehen und Feuer sein.“ Diese Erkenntnis war ihr erst während des Sprechens gekommen. Verblüffte Ruhe war unter den Katzen eingekehrt. Nicht einmal die Jungen wagten es zu sprechen. „Also, jetzt habe ich nur eine Frage an euch. Wer schließt sich dem FeuerClan an?“

Warrior Cats - Die Tochter des FeuersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt