Einige Blattwechsel später…
So schnell seine Pfoten ihn trugen rannte der dunkelgraue Kater in Richtung des Baumgesiebts. Eine kleine, graue Kätzin mit roten Punkten folgte ihm dicht auf den Fersen und schien überraschenderweise gut mit ihm mitzuhalten. Der Wald, der sie umgab, bestand größtenteils aus mit saftigem grünem Laub behangenen Laubbäumen, auch wenn nicht selten Fichten zwischen ihnen aufragten. Das dichte Unterholz störte weder den Kater noch seine Tochter nicht weiter und sie duckten oder sprangen über die meisten Hindernisse ohne große Mühe hinweg. Der Sternenstaub, der in ihrem Pelzen hing funkelte im Mondlicht wie die Sterne am klaren Himmelszelt.
Gerade als die beiden sich unter einem Brombeerstrauch hindurchzwängten, begann die junge Kätzin mit nachdenklich funkelnden Augen zu sprechen: „Regenpelz, wo laufen wir eigentlich hin? Es ist mitten in der Nacht! Ich würde jetzt viel lieber schlafen!“ Der helle, fast quiekende Klang ihrer Stimme passte überhaupt nicht zu ihrem selbstbewussten Auftreten und verriet ihr wahres Alter.
Der dunkelgraue Kater verlangsamte sein Tempo nicht, während er über seine Antwort nachdachte. Er lief immer weiter auf sieben Bäume zu, die alle anderen überragend als Silhouetten am Horizont erkennbar waren. „Eigentlich sollte es eine Überraschung sein, Tüpfeljunges. Ich werde dir nichts sagen, außer, dass dies wohl eine der bedeutsamsten Nächte in der Geschichte der Clans ist!“, miaute er und ein tiefes Schnurren stieg aus seiner Kehle auf.
Tüpfeljunges musterte ihn mit gerunzelter Stirn, verfiel aber in tiefes Schweigen, während sie ihren Gedanken nachhing. Die beiden Katzen kamen den großen Eichen nach und nach immer näher. Bald waren aufgeregte Stimmen zu hören, die Ohren der getüpfelten Kätzin zuckten neugierig.
Kurz bevor sie die Senke, um die die sieben Eichen wuchsen, erreichten, miaute Regenpelz: „In dieser Nacht wirst du aufpassen müssen, dass du nicht zertreten wirst. Flammenstern würde mich umbringen, wenn ich zulassen würde, dass du den SternenClan verlässt, noch bevor sie sich uns angeschlossen hat.“ Seine Augen funkelten amüsiert, doch es lag auch eine bleierne Schwere in seiner Stimme.
Seine Tochter warf ihm einen strengen Blick zu. „Nur weil ich als Junges gestorben bin, bedeutet das noch lange nicht, dass ich zertreten werde, sobald ich mich unter Clangefährten mische.“ Gleich darauf aber schwang ihre Laune um und sie fragte aufgeregt: „Werden eigentlich sehr viele Katzen da sein?“
Regenpelz schnurrte in sich hinein, seine Schnurrhaare zuckten belustigt. „Kann man so sagen“, miaute er wage, machte aber keinerlei Anstalten weiter darüber zu reden. Vater und Tochter erreichten das Baumgesiebt und bahnten sich ihren Weg durch einige Ginstersträucher hindurch. Die Senke war von schimmernden Pelzen erfüllt und es strömten noch immer mehr Katzen hinzu. Wildes durcheinanderreden schwoll zu einem undurchdringbaren Summen von Stimmen an, Grüße wurden ausgetauscht und es wurde über den Grund der Versammlung spekuliert.
Als Regenpelz und Tüpfeljunges die Senke betraten, erschallten von mehreren Katzen fröhliches Miauen als Begrüßung, doch beide konnten kaum ausmachen, von woher es kam. Die beiden bemerkten schnell, dass sie nur frühere Feuer- und WolkenClan-Katzen entdecken konnten, also weder DonnerClan noch FlussClan, SchattenClan oder WindClan anwesend war. Und trotzdem wirkte die Senke schon fast überfüllt!
Plötzlich entdeckten sie, dass sich auf der steil abfallenden, felsigen Seite des Baumgesiebt sechs Katzen auf einem Vorsprung versammelten und sich angespannt unterhielten. Regenpelz hielt zielstrebig auf diese sechs zu. Es dauerte lange, bis er das Dickicht aus Körpern durchquert hatte und zwischendurch verlor er Tüpfeljunges aus den Augen, was ihm jedoch keine größeren Sorgen bereitete. Seine Tochter war sehr wohl dazu in der Lage selbst auf sich aufzupassen.
Nachdem er endlich bei der Felswand angekommen war, blickte er prüfend zu den sechs Katzen auf, die ihn noch nicht bemerkt hatten. Wie sollten sie auch, bei der Menge an Katzen? Mit zwei recht uneleganten Sprüngen sprang er zu den sechs Katzen hinauf auf den Felsvorsprung, auf dem sie sich befanden. Dabei hätte er beinahe eine schwarze Kätzin, Schatten war ihr Name, hinabgeschupst. „Was zum…?“, miaute diese im ersten Moment, bis sie Regenpelz erkannte. „Ach, Flammensterns Gefährte lässt sich also auch blicken. Langsam wird es wirklich Zeit, dass sie sich uns anschließt, damit wir nicht immer dich an ihrer Stelle ertragen müssen“, verkündete Schatten spitz und wandte sich von ihm ab.
Eine weiße Kätzin mit leuchtend grünen Augen, wandte sich zu ihm und begrüßte ihn mit einem freundlichen nicken. „Schön dich in dieser bedeutungsvollen Nacht bei uns zu haben, Regenpelz!“, schnurrte sie und lauschte dann weiter der Diskussion zwischen Donner und Fluss, die irgendetwas mit Territoriumsgrenzen zu tun haben musste, da dieses Wort immer wieder fiel.
Gerade als der dunkelgraue Kater darüber nachdachte sich an dem Gespräch zu beteiligen, verstummten urplötzlich alle Katzen in der Senke und auch die sechs Gründerkatzen neben ihm schwiegen augenblicklich. Verwirrt blinzelnd ließ Regenpelz seinen Blick über das Baumgesiebt schweifen. Was hatte er verpasst? Irgendetwas Wichtiges musste im Gange sein, wieso also konnte er nichts entdecken? Die SternenClan-Krieger in der Senke starrten alle auf ein und denselben Punkt, den er jedoch nicht entdecken konnte. War es etwa schon soweit?
„Da!“, raunte Donner plötzlich und deutete mit seinem Schweif auf die andere Seite der Lichtung, wo Regenpelz schimmernde Gestalten entdecken konnte, die zwischen einigen Brombeersträuchern hindurchschlichen. Fünf Katzen liefen voraus und unzählige andere folgten ihnen. Die Clans waren gekommen!
Wie auf Befehl bildeten die FeuerClan- und WolkenClan-Ahnen einen Gang, durch den die fünf Katzen, die an der Spitze liefen, hindurchschreiten konnten. Regenpelz brauchte einen Moment, bis er sie endlich erkannte. Es waren Riesenstern, Schwarzstern, Leopardenstern, Steinsager und … Feuerstern. Der graue Kater blieb das Maul fassungslos offen stehen. Feuerstern war Tod? Aber… wie? Warum… was sollte er nur Flammenstern erzählen? Sie freute sich doch seit so vielen Blattwechseln auf den Tag, an dem sie ihrem Vater endlich gegenübertreten konnte!
Regenpelz stand wie erstarrt da, während er immer mehr Katzen erkannte, von denen er nie erwartet hätte, sie wiederzusehen. Seine Eltern Weißpelz und Glanzfell. Sein Bruder Schlammfell. Und… Ampferschweif. Seine Schwester. Er hatte fest damit gerechnet, dass sie noch leben würde. Der dunkelgraue SternenClan-Krieger musste seinen Blick abwenden. Wie konnte es nur sein, dass er nicht gewusst hatte, dass seine Schwester ebenfalls im SternenClan weilte? Und Feuerstern. So etwas musste doch normalerweise bis zu ihm vordringen!
Die fünf Katzen an der Spitze waren nun zum Stehen gekommen und blickten erwartungsvoll zu ihnen auf. Feuersterns Augen blitzten für einen Moment verwirrt, als er Regenpelz entdeckte, er sagte aber nichts. Weiter hinten strömten noch immer Katzen in die Senke und jene, die keinen Platz mehr fanden, verteilten sich zwischen und auf den umliegenden Bäumen.
Bis auf wenige erstaunte Ausrufe unter den Katzen blieb alles still. Keine der Katzen konnte so ganz realisieren, was nun gerade geschah, außer vielleicht Donner, Wind, Fluss, Schatten, Wolke und Halber Mond. Regenpelz stand, auch wenn er gewusst hatte was geschehen würde, einfach nur überrumpelt neben ihnen. Starker Wind zog an seinem Pelz und es schien fast, als wollte er ihn von dem Felsvorsprung hinunterwerfen. Hätten nicht auch die anderen sechs Katzen neben ihm ihre Felle gegen den Wind aufgeplustert, hätte er es wahrscheinlich sogar geglaubt. Was sollte er schließlich auch hier oben? Es war Flammensterns Platz und nicht seiner!
Während er noch nachdachte, begannen die Katzen neben ihm nacheinander wie auf ein Stichwort zu miauen. „Katzen des WindClans!“, jaulte Wind verträumt und wurde gleich darauf von Fluss abgelöst: „Des FlussClans!“ Auch Donner tat es ihnen gleich und verkündete feierlich: „Des DonnerClans!“ – „Des WolkenClans!“, ergänzte Wolke augenblicklich. Der dunkelgraue Kater verfolgte das Ganze nur verwirrt. Was sollte das denn nun? „Des SchattenClans!“, verkündete die schwarze Kätzin noch immer etwas mürrisch. Auch Halber Mond trug ihren Teil bei und jaulte: „Des Stammes des eilenden Wassers!“ Nun war Regenpelz an der Reihe, auch wenn er nichts davon gewusst hatte. Da das ganze etwas unerwartet kam, stotterte er: „Und… des FeuerClans!“
„Willkommen zuhause!“, verkündeten alle sechs zeitgleich. Regenpelz setzte etwas zu spät in ihr Jaulen ein, was ihm einen missbilligenden Blick von Schatten einbrachte. Doch das machte ihm in diesem Augenblick nichts aus, denn alle Katzen des SternenClans und des Stammes der ewigen Jagd, jubelten ihnen gleichzeitig zu. Denn sie waren nun endlich alle da. Und schon am nächsten Tag würden auch die Clans bei den neuen Territorien ankommen.
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Warrior Cats - Die Tochter des Feuers
Fanfiction"Der See wird sterben. Zu dritt werdet ihr zu den Wolken gehen und Feuer sein. Nur so kannst du die Clans retten." Eine Prophezeiung kann das Leben einer Katze für immer verändern. Das hatte Flammenblüte schon als Junges von ihrem Vater Feuerstern g...
