Kapitel 2

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„Wann ich in die Kinderstube umziehe?", fragte Flammenblüte verwundert. Langsam begann sie die Worte der schildpattfarbenen Königin zu verstehen. Normalerweise war sie nicht so schwer von Begriff, was heute mit ihr los war, wusste sie selbst nicht so recht. Dann, ganz plötzlich ergab alles einen Sinn. Sie erwartete Junge! Deshalb konnte sie kaum noch schnell rennen und fühlte sich immer so müde und ausgelaugt. Sie hatte sich vor ein paar Tagen schon ehrliche Sorgen um ihre Gesundheit gemacht. Sie war also nicht krank, nein, das Gegenteil! Junge! Flammenblütes Pelz prickelte vor Aufregung. Sie würde es Regenpelz und Feuerstern sagen müssen und auch dem Rest ihrer Familie. Die wären bestimmt sauer, wenn sie es ihnen nicht erzählen würde und sie es selbst bemerken würden.

„Du hast es nicht gewusst?" schnurrte Ampferschweif amüsiert. „Nein, ich habe es kein bisschen gewusst." Flammenblüte war mit ihren Gedanken schon bei den kommenden Monden. Wie viele es wohl werden würden? Würden sie ihr ähnlich sehen? Wie würde sie sie nennen...

Ampferschweifs zögerliches Miauen unterbrach ihre Gedanken „Ich will ja nicht unfreundlich klingen, aber wer ist der Vater? Ich hoffe ja auf Regenpelz, aber ich weiß ja nicht ob es nicht doch noch Schlammfell ist... oder gar ein anderer? Es kommt dir jetzt vielleicht unhöflich vor, aber bei dir bin ich mir da nicht so sicher." Flammenblüte entschied sich, die letzte Bemerkung einfach zu überhören. Ampferschweif meinte mit „jemand anderes" Dornenkralle, mit dem sie gut befreundet war und den einige zeitweise doch wirklich für ihren Gefährten gehalten hatten! Natürlich war es Regenpelz, der Kater, den sie über alles liebte. Schlammfell, der Bruder von Ampferschweif und Regenpelz, war ihre erste Liebe gewesen, bis er vor zwei Monden während des Dachsangriffes ermordet wurde. Noch immer wurde ihr das Herz schwer, wenn sie an denn hellgrauen Kater dachte. 

„Dein Bruder Regenpelz ist der Vater. Ich dachte eigentlich, dass du ganz genau weist, dass Dornenkralle nur ein richtig guter Freund von mir ist!" Nun war es wohl an der Schildpattkatze ihren Kommentar zu überhören. „Regenpelz' Junge! Wenn Glanzfell und Schlammfell das nur erleben könnten", Ampferschweifs Blick wurde trüb, als sie an ihre verstorbenen Familienmitglieder dachte. „Nicht so laut", zischte Flammenblüte, „du bist bisher die einzige, die davon weiß und ich würde es den anderen gerne persönlich sagen." Noch immer in Gedanken murmelte die Kätzin: „Oh natürlich. Von mir wird es keine Katze erfahren."

 „Mama, Mama! Haselpfote will mir zeigen, wie man sich an eine Maus anschleicht! Darf ich? Bitte, bitte!" Ein kleines graues Knäul Fell kam aus der Kinderstube gehüpft. Als es stehen blieb erkannte Flammenblüte die blauen Augen von Rußjunges, welches der ehemaligen Heilerin des DonnerClans, Rußpelz, sehr ähnlich sah, was wohl daran lag, dass sie verwandt waren. „Geh ruhig, aber bleib in der Nähe, damit ich dich sehen kann." Noch während Ampferschweif sprach huschte das graue Kätzchen über die Lichtung zu der jungen Schülerin Haselpfote. „Ich muss zu meinen Jungen. Bis später", seufzte Amperschweif, als kurz darauf Mohnjunges kam und erklärte, dass sie Hunger habe. Die Augen der Schildpattfarbenen blitzten entschuldigend, bevor sie in die Kinderstube ging, um nach Honigjunges und Mohnjunges zu sehen.

Flammenblüte entschied sich nach kurzem Grübeln dazu, erst einmal jagen zu gehen, um ihren Teil zum Frischbeutehaufen beizutragen und gleichzeitig etwas über die Jungen nachzudenken, welche in ihrem Bauch heranwuschsen. Sie verließ den Felsenkessel in Richtung See, weil sie hoffte dort ungestört zu sein. Außerdem konnte man in der Nähe der alten Eiche gut Eichhörnchen jagen. Da es später Blattfall war würde sie auch nicht von Zweibeinern gestört werden, die im Sommer mit Wassermonstern über den See fuhren und Fische fingen. Auf ihrem Weg erlegte sie, wenn auch etwas ungeschickter als sonst, eine Drossel und eine Wühlmaus, die nichts ahnend an ein paar Hagebutten geknabbert hatte. Sie bedeckte die Tiere mit Erde um sie später auf ihrem Rückweg mitzunehmen. 

Die Kätzin setzte sich bald darauf ans Ufer und blickte über den See hinweg. Sie konnte von der kleinen Anhöhe, auf der sie sich befand, aus alle Territorien sehen. Dem des DonnerClans lag das FlussClan-Territorium  am anderen Ende des Sees gegenüber und dazwischen lagen die Heimat von Wind- und SchattenClan. Seit Brombeerkralle vor einem Mond seinen Halbbruder Habichtfrost getötet hatte, nachdem dieser ihren Vater Feuerstern hatte umbringen wollen, war vorübergehend Ruhe eingekehrt. Kein Kampf war zwischen den Clans ausgebrochen und es hatte auch keine Grenzkonflikte gegeben, was schon fast an ein Wunder grenzte. „Der See wird sterben. Zu dritt werdet ihr zu den Wolken gehen und Feuer sein. Nur so kannst du die Clans retten." Plötzlich - die Nachricht ihrer Trächtigkeit hatte sie kurzzeitig abgelenkt - erinnerte sich Flammenblüte an die Prophezeiung der blauen SternenClankätzin und sie schauderte. So ruhig würde es wohl nicht mehr lange bleiben. Traurig hob sie ihren Kopf gen Himmel und fragte sich, ob sie auch noch reisen müsste, jetzt wo sie Junge erwartete. Wahrscheinlich schon. Schließlich wusste der SternenClan doch immer über solche Dinge Bescheid, oder?

Ihr Gedankengang wurde jäh unterbrochen, als es im Gebüsch hinter ihr raschelte. Sie sprang auf und drehte sich kampfbereit in Richtung des Gebüschs, als sie von allen Seiten angefallen wurde. Die flammenfarbene Kätzin schlug wild um sich, bis sie den Geruch der Katzen erkannte. Eichhornschweif, Staubwolke und Regenpelz! Das hätte sie sich auch gleich denken können. Sofort zog sie die Krallen ein, erst jetzt war ihr klar, dass ihre Clangefährten dies die ganze Zeit über getan hatten. Spielerisch warf sie ihren Bruder von sich herunter und blickte die drei dann aber finster an. „Ihr habt mir vielleicht einen Schrecken eingejagt! So wie ihr über mich hergefallen seit, hätte man denken können, der ganze SchattenClan würde mich angreifen!", keuchte sie. Eichhornschweif, der ein Stück Fell an der Schulter fehlte, wie Flammenblüte schuldbewusst bemerkte, antwortete: „Und aus deiner Reaktion lässt sich schließen, dass du taub bist! Das Laub hat laut geraschelt, als wir den Hang hinuntergerannt sind."

„Wir waren auf Morgenpatroullie und sind danach gleich noch jagen gegangen. Wir hätten dich ja mitgenommen, aber du hast geschlafen wie ein Murmeltier", erklärte Regenpelz schnurrend, während Eichhornschweif ihre Schwester mit einem seltsamen Blick bedachte, als wüsste diese etwas, das Flammenblüte nicht wusste. Schlagartig wurde ihr klar, dass Eichhornschweif wahrscheinlich von den Jungen wusste, oder es ahnte. Sie entschloss sich es ihr gleich zu erzählen, nachdem sie es ihrem Gefährten offenbart hatte. Davor wollte sie sich aber lieber noch nichts anmerken lassen und miaute: „Ich habe gerade darüber nachgedacht, wie ich euch am schnellsten finden könnte. Das Jagen war allein etwas langweilig, also wollte ich euch suchen." Ihre Schwester lies das als Ausrede gelten. „Jetzt wo du uns gefunden hast, kannst du uns ja helfen, die Beute zum Felsenkessel zu tragen. Wir haben so viel gefangen, dass wir es zu dritt nicht schaffen", prahlte Staubwolke. Gemeinsam sammelten sie die Beute ein  und machten sich auf den Heimweg. Drossel, Wühlmaus und zwei Eichhörnchen wogen schwer in ihrem Maul und so lies sie sich zusammen mit Regenpelz zurückfallen. Jetzt oder nie, dachte sie. „Regenpelz, könnten wir schnell anhalten? Ich muss mit dir Reden", miaute die junge Kriegerin und ließ die Beute zu Boden gleiten. „Alles in Ordnung?", antwortete er etwas verunsichert. Er legte ebenfalls seine Beute ab und sie machten es sich im Farn gemütlich. Flammenblüte entschloss sich nicht lange um die warme Maus zu reden und verkündete ohne Umschweife:

„Ich erwarte Junge, Regenpelz!" Innerhalb von Herzschlägen wandelte sich sein Gesichtsausdruck von verständnislos, zu ungläubig, bevor er zu strahlen begann. „Das sind ja großartige Neuigkeiten!" Mit einem tiefen Schnurren leckte er ihr über die Wange. Seine blau gesprenkelten Augen leuchteten vor Freude, auch wenn er etwas verunsichert wirkte. Er berührte ihre Nase mit der seinen, schmiegte sich an sie und begann davon zu schwärmen, wie toll ihre Jungen sein würden: „...sie werden die schönsten Jungen im ganzen Wald sein, weil du ihre Mutter bist! Bestimmt werden sie wunderbare Jäger sein." Sein Schnurren flaute nicht ab, während er, aufgeregt wie er war, unzählige weitere Gründe dafür fand, weshalb ihre Jungen toll sein mussten. Flammenblüte fiel es schwer, aber sie unterbrach sein Schwärmen nach einiger Zeit. „Wir müssen ins Lager, Regenpelz. Meine Wurfgefährten werden sich schon wundern wo wir abgeblieben sind. Außerdem muss ich es ihnen und meinen Eltern sagen."

„Du hast recht. Lass uns ins Lager gehen". Die beiden trotteten freudig in den Felsenkessel, wobei Regenpelz' strahlende Augen wohl Bände sprachen, denn Ampferschweif winkte ihm sofort mit der Schwanzspitze zu. Er entschuldigte sich und ging zu seiner Schwester, während Flammenblüte nach ihrem Vater Ausschau hielt.

Warrior Cats - Die Tochter des FeuersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt