In jedem Märchen steckt dieselbe Warnung. Gute Kinder sollten niemals allein in den Wald gehen. Wer weiß, was du triffst, wenn du vom Weg abkommst. Einen hungrigen Wolf. Einen gutaussehenden Teufel. Oder vielleicht etwas schlimmeres. “Es war voll wie in Carrie. Midge war eingesaut mit Moose's Blut. Sie schrie wie 'ne Verrückte. Es war total abgefahren.“, erzählte Kevin uns in der Schule.
“Kev, was hast du da gemacht? Du hättest auch angeschossen werden können.“, bemerkte Archie.
“Ich war nur ein bisschen joggen, wie ich das halt öfter so mache. Und plötzlich höre ich Schüsse.“ Verwirrt sah ich Kevin an. Dass er joggte, war mir neu. Archie setzte sich zu uns dazu. “Sind wir uns wenigstens einig, dass da ein Killer frei rumläuft?“, fragte er.
“Er schießt miserabel.“, stellte Jughead fest.
“Jugehad, er hat Miss Grundy ermordet.“
“Archie, wir wissen nicht, ob die drei Verbrechen zusammenhängen.“, entgegnete Betty.
“Leute, konzentrieren wir uns auf das, was wichtig ist, ja?“, begann Veronica, “Midge und Moose sind am Leben. Archies Dad hat überlebt und die neue Staffel der Bachelorette startet heute. Ihr kommt zu mir rüber.“
“Irgendein Killer terrorisiert unsere Stadt. Willst du wirklich, dass wir uns so 'ne Reality Dating Show ansehen?“, fragte ich entgeistert.
“Was ich wirklich will ist, dass ihr meinen Dad kennenlernt. Offiziell. Damals in New York saß mein Dad immer in seinem Arbeitszimmer und hat böse Dinge gemacht, wie sich rausgestellt hat. Ich hab verschlossene Türen satt. Ich muss das Leben meines Dads kennenlernen und er meins.“ Betty nickte.
“Okay, alles klar. Wir kommen. Ich freu mich.“, lächelte sie. Wenig begeistert verzog ich das Gesicht.
“Hey, Andrews. Wir wollen ins Krankenhaus fahren und Moose besuchen. Kommst du mit?“, fragte Reggie, der den Aufenthaltsraum betrat.
“Ja, klar. Wir sehen uns heute Abend, Ronnie.“, sagte Archie und verschwand.
“Okay, ich muss auch los. Ich sollte meinen Vertrauenslehrer an der Southside High vor 'ner Stunde treffen.“, warf Jughead ein und stand ebenfalls auf. Betty lief ihm nach. Doch ich folgte Kevin. “Hey, jetzt sind wir unter uns. Nächtliches joggen?“, hakte ich misstrauisch nach.
“Ja, ich muss in Form kommen für's Wrestling.“, antwortete Kevin mir, doch ich glaubte ihm kein Wort. Ich zog eine Augenbraue in die Höhe, also gab er seufzend nach. “Okay. Ich war ein bisschen am Cruisen im Fox Forest, aber ich will ins Wrestling Team und ich hab meinem Dad gesagt, ich geh nur joggen.“
“Und er hat dir geglaubt?“, fragte ich ihn.
“Ja, weil er mir glauben will.“
“Okay, alles klar. Du bist über Joaquin hinweg, aber Cruising? Komm schon, Kevin. Du weißt, dass ich das hasse. Wieso nutzt du nicht einfach Grind'em wie jeder andere Schwule auf der Welt?“, fragte ich ihn. Vor seinem Spind blieben wir stehen.
“Weil online niemand sagt, wer er wirklich ist. Im wahren Leben kriegt man wenigstens das, was man sieht. Ohne Überraschungen.“, erklärte Kevin und verstaute seine Bücher im Spind.
“Moose und Midge wurden keine 300 Meter vom Fox Forest entfernt angeschossen. Und der Täter ist immer noch da draußen. Versprich mir, dass du nicht mehr da hingehst bis sie ihn kriegen, ja?“, sagte ich besorgt. Kevin nickte.
“Okay, von mir aus. Ich werd nicht mehr da hingehen. Indianerehrenwort.“, sprach Kevin, schloss den Spind und ging vor. Lächelnd folgte ich ihm.
Widerwillig nahm ich auf dem Sessel bei den Lodges Platz und sah mich um. Das Appartement war riesig, größer als mein Zuhause. “Warum setzt du dich nicht neben mich, loverboy?“, fragte Veronica an Archie gewandt. Dieser saß nachdenklich auf einem Sessel vor dem Kamin. “Archie?“ Archie richtete sich auf und sah sie entschuldigend an.
“Tut mir leid. Die Sache mit Moose macht mich fertig.“, sagte er und fuhr sich mit den Händen über's Gesicht. “Ich hab das Gefühl, es wäre allen egal. Mein Dad sagt, überlass es Sheriff Keller und ich denk, na klar. Er war ja auch so gut darin Jasons Mörder zu fangen. Oh, warte, tut mir leid, das waren ja wir.“
“Würdest du bitte etwas leiser sprechen?“, fragte Veronica mit gedämpfter Stimme.
“Nein, unterbrich ihn nicht. Wenn Archie einen auf Travis Bickle macht, dann hab ich ihn am liebsten.“, scherzte Jughead, was mich zum Schmunzeln brachte.
“Habt ihr denn nicht das Gefühl, dass wir das Ziel sind? Dass er uns im Visier hat? Ich will nicht, dass noch jemand verletzt wird.“, entgegnete Archie.
“Also, früher, als wir noch richtig wohlhabend waren, da haben sich die Leute zusammengetan und einen privaten Sicherheitsdienst engagiert. Als zusätzlichen Schutz.“, erzählte Veronica uns.
“Ich hab das kleine Haus geliebt.“, kam es plötzlich von Mr Lodge. Er und seine Frau kamen zu uns und sahen uns an. Archie stand sofort auf.
“Daddy.“, sagte Veronica fröhlich.
“Wir sind unterwegs zum Club.“, teilte Mrs Lodge ihrer Tochter mit.
“Ja, aber ich wollte erst deine Freunde kennenlernen.“, fügte Mr Lodge hinzu. Jughead, Betty und ich standen ebenfalls auf. “Sehr schön, danke.“, sagte Veronica lächelnd. “Das ist Betty Cooper.“ Betty schüttelte lächelnd die Hand von Veronicas Vater.
“Und Jughead Jones.“ Auch Jughead schüttelte kurz seine Hand. “Hi“, sagte er, “Sie kennen meinen Dad?“
“Ja, er ist ein guter Mann. Er ist ein Familienmensch, ich hoffe, er kehrt früher oder später zurück.“
“Ja, so wie alle.“, sagte Jughead und lächelte leicht.
“Das ist Sierra Adams.“, machte Veronica weiter. Lächelnd nahm ich Mr Lodges Hand, doch als er mir in die Augen blickte, hatte ich ein komisches Gefühl. “Freut mich.“, stammelte ich. Mr Lodge nickte und lächelte leicht. “Ja, mich auch.“
“Und Daddy, das ist...“
“Archie Andrews.“, beendete Mr Lodge den Satz seiner Tochter, “Der Eroberer des Herzens meiner Tochter.“
“Daddy“, sagte Veronica mahnend, aber trotzdem irgendwie mit einem Lächeln im Gesicht. Archie lächelte sanft.
“Nett Sie kennenlernen, Sir.“, sagte Archie und streckte seine Hand aus.
“Oh, bitte. Nenn mich Hiram.“, sagte Mr Lodge lächelnd und schüttelte die Hand des Rotschopfs. “Hört mal, ich hab ein bisschen von eurem Gespräch mitbekommen. Ich verstehe euren Frust über Sheriff Keller. Und als jemand, der schon mal mit dem Gesetz im Konflikt war, kann ich nur sagen, dass die Polizei nicht immer die Lösung ist. Manchmal müssen wir Dinge selbst in die Hand nehmen. Das bedeutet, wir müssen uns selber schützen.“ Etwas verwundert blickte ich den Mann im Anzug an. Möglicherweise hatte er sich geändert, aber vielleicht war doch noch etwas von dem alten Hiram Lodge in ihm. “Wir müssen gehen.“, sagte Mrs Lodge. Ihr Mann nickte. “Oh, ja, natürlich. Hey, war nett euch alle kennenzulernen.“ Mrs Lodge zog ihren Mann mit sich mit nach draußen. “Ach und Archie.“, sagte ihr Mann noch, bevor er endgültig ging. “Komm doch diese Woche mal zum Abendessen vorbei. Ich bin neugierig, was dir einfällt, um Riverdale zu retten.“ Archie lächelte. Ich war mir sicher, dass ihm etwas einfallen würde.
Kevin blickte konzentriert in sein Heft. Ich betrat den Aufenthaltsraum und setzte mich zu ihm, denn er war nicht bei Veronica erschienen, was mich wunderte. Er hatte mich einfach alleine mit den Pärchen gelassen. “Hey, was war gestern Abend los? Du wolltest doch zu Veronica kommen. Ich hab dich vermisst.“, sagte ich und legte die Füße auf den Tisch.
“Es kam was dazwischen.“, antwortete Kevin mir freundlich.
“Etwas im Wald?“, hakte ich nach.
“Sierra, bitte. Ich brauche deine Erlaubnis nicht, okay? Ich kann daten wen ich will und wo ich will.“
“Daten ist eine Sache, aber das...“, begann ich.
“Geht dich nichts an.“, beendete Kevin meinen Satz, “Gut, wir reden dann nachher.“ Er schnappte sich seine Sachen und ließ mich verdutzt zurück.
“Also, der zugeknöpfte Kevin Keller ist Sex-gierig. Was soll's?“, meinte Cheryl und setzte sich grinsend mir gegenüber.
“Was soll's? Naja, er bringt sich in Gefahr. Wieso hört er nicht auf damit?“
“Ach, Sierra. Du weißt wenig über die menschliche Psyche. Kevin war ein einsamer, lingischer, fetter Bursche mit Akne. Jetzt ist er ein heißer Feger.“, meinte Cheryl. Genervt sah ich sie an. “Und?“, fragte ich.
“In seinem Kopf ist er noch der hässliche Pugsley. Kevin sucht Bestätigung. Eine Verbindung. Auch wenn er sie im Wald suchen muss. Auch wenn ein Killer hier rumläuft. Und auch wenn es dir nicht gefällt.“ Grinsend stand Cheryl auf und stolzierte davon. Langsam bekam ich Kopfschmerzen durch dieser Frau.
“Was glaubst du, wo er ist?“, fragte ich Cheryl, als wir mitten in der Nacht durch den Wald liefen.
“Keine Ahnung, irgendwo hier.“, antwortete sie mir. Sie leuchtete mit der Taschenlampe nach vorne und dann entdeckten wir Kevin in Jogginghose und T-Shirt. “Oh mein Gott. Was macht ihr zwei denn hier?“, fragte er etwas genervt.
“Cheryl hat mich angerufen und mir gesagt, dass du gerade joggen gehst, Richtung Fox Forest.“, erklärte ich ihm.
“Richtig.“, sagte Cheryl mit verschränkten Armen.
“Du hast gesagt, du tust das nicht mehr.“, sagte ich.
“Um Himmels Willen, Sierra, was willst du von mir?“, fragte Kevin verwirrt.
“Ich will einfach, dass du dich selbst mehr respektierst.“, entgegnete ich.
“Mich selbst respektieren?“
“Ja.“
“Hey, wir sind seit Ewigkeiten Freunde, aber du hast immer noch nicht die geringste Ahnung.“
“Gut, dann sag es mir, Kevin, bitte.“, zickte ich ihn an. Ich wollte ihn verstehen.
“Du tust so, als hätten wir dieselben Möglichkeiten, aber das haben wir nicht. Du lebst in deiner Welt von Milchshakes und Revolutionen.“
“Es sei denn, sie ist die düstere Sierra.“, warf Cheryl ein.
“Du kannst alles machen, weißt du? Du datest zwar gerade keinen, aber du könntest überall einen Typen treffen. Deine Sexualität erforschen, aber ich nicht und warum nicht? Das ist alles, was ich habe, Sierra. Mich. Diesen Wald hier. Also bitte, komm nicht her und sag mir, es ist ekelhaft. Wenn du nicht akzeptierst, was ich hier tue, was auch immer es ist, dann sind wir nicht wirklich Freunde.“ Kevin drehte sich um und verschwand im Wald. Etwas verwundert und gleichzeitig bedrückt sah ich ihm hinterher.
Die Kinder, die in den Märchen in den Wald gehen, kommen nie als dieselben zurück. Sie haben sich immer auf irgendeine grundlegende Art verändert. Manchmal zum Besseren, aber öfter zum Schlechteren. Das ist der weit verbreitete Irrglaube über Märchen. Sie haben nur sehr selten ein Happy End.
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Riverdale
FanfictionRiverdale scheint auf den ersten Blick ein ruhiges, friedliches Städtchen zu sein, doch der Schein trügt. Seit dem tragischen Tod von Jason Blossom ist nichts mehr wie es mal war. Ein Mörder weilt unter den Menschen in Riverdale. Außerdem mischt die...
