Bizzarodale

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Riverdale ist wie Bizzaro Town. Wo Mord, Mysterien und Drogen nicht die Ausnahme sind, sondern ganz normal. Manchmal vergisst man, dass die Menschen trotzdem ihr Leben weiter leben. Und so gewöhnliche Dinge tun wie heiraten. So wie Mr Keller und Mrs McCoy. "Achtung, Schüler, hier kommen die täglichen Ankündigungen.", nahm ich die Stimme von Cheryl Blossom über die Lautsprecher in der Schule wahr. Gelangweilt schaute ich von meinem Geschichtsbuch auf und lauschte, was die Rothaarige zu sagen hatte. "Als Riverdales erste offenlesbische Schülerpräsidentin verkünde ich hiermit die Gründung eines neuen Clubs für lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Schüler mit der Mission genau diese zu finden und zu unterstützen. In diesem Sinne kommen wir gleich zu unserem Gerücht der Woche. Ein gewisser schnuckliger, Amerika typischer RROTC Kadett hat furchtbare Angst davor sich zu outen. Zeigen wir ihm, dass die Riverdale High offen für alles ist, damit sein Broadway verliebter Freund und er endlich öffentlich knutschen können wie alle anderen sexverrückten Pärchen. Übrigens, zu Mittag gibt es heute Shepperds Pie. Danke." Geschockt öffnete ich den Mund. Cheryl hatte gerade jemanden öffentlich geoutet. Und das war etwas, was ich nicht in Ordnung fand.

Früher hatte ich es gehasst, dass meine Mutter mich gezwungen hatte Klavierunterricht zu nehmem. Umso mehr überraschte ich mich selbst, als ich im Musikraum saß und auf dem Klavier rumklimperte. Nachdem ich bei Calvin gewesen war, fühlte ich mich, als ob ich etwas Falsches getan hatte. Vielleicht war es ein Fehler gewesen ihn zu besuchen. Aber er war mein Leben lang mein Held gewesen. Aber meine Welt hatte sich verändert. Schon lange. Doch noch viel schlimmer war die Tatsache, dass ich Scheidungspapiere auf der Küchentheke gefunden hatte. Obwohl ich es verstehen konnte, wünschte ich mir, dass meine Eltern sich nicht trennten. "Sierra, hey.", begrüßte Archie mich, als er den Raum betrat. Ich nahm meine Hände vom Klavier und sah zu ihm. "Archie, hey", sagte ich leise.
"Stör ich gerade?" Archie schloss die Tür hinter sich und kam auf mich zu.
"Ich hab nur ein bisschen nachgedacht.", antwortete ich und sah zu, wie Archie sich neben mich setzte.
"Ich war bei meinem... Ich hab Calvin besucht.", begann ich dann leise. Überrascht schaute der Rotschopf mich an. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. "Ich arbeite doch an diesem Fall. Und da bin ich zu ihm, weil ich dachte, er kennt sich doch so gut mit Morden aus. Tatsächlich hat er mir weiter geholfen, aber... Ich hab ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Dad. Naja und dann hab ich Scheidungspapiere gefunden. Ich glaube, meine Eltern trennen sich. Im Moment scheint alles irgendwie schief zu laufen. ", erzählte ich und blinzelte die Tränen weg, die sich in meinen Augen gebildet hatten. "Er und Mum streiten sich dauernd wegen dieser ganzen Geschichte, dass mein Onkel mein biologischer Vater ist, weißt du? Und manchmal hab ich mir gewünscht, dass Mum einfach auszieht, aber... Eigentlich will ich das gar nicht. Ich dachte immer, die Lage würde sich legen und mein Dad würde meiner Mum verzeihen."
"Das tut mir so verdammt leid, Sierra. Wissen es die anderen mittlerweile? Dass dein Dad, naja... ", fragte Archie mich vorsichtig, doch ich schüttelte den Kopf. "Nein, ich kam nicht dazu, es ihnen zu sagen. Ich weiß nicht, ich schätze, ich hatte Angst davor. Was sie sagen werden. Was sie von mir denken werden."
"Sie werden dich nicht verurteilen, Sierra. Wir sind deine Freunde, wir kennen dich.", meinte Archie, um mich aufzumuntern. Das ist das, was er immer tat, wenn es mir schlecht ging. Er versuchte mir zu zeigen, dass nicht alles nur dunkel und düster war. Dass es Hoffnung gab. "Archie, du warst nicht hier." Ich schaute ihm in die Augen, während ich sprach. "Nachdem du mit Jughead gegangen bist, waren alle irgendwie weg. Betty war bei den Schwestern der stillen Gnade und Veronica hat sich völlig aus meinem Leben verzogen. Kevin hatte seine Gruppe. Und ich? Ich war allein. Das war ich schon immer und ich bin es immer noch." Mir war nie klar gewesen, wie einsam ich tatsächlich war. Und nun wo meine Eltern nicht miteinander redeten und wo meine Freunde mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen hatten, war ich noch einsamer.
"Hey, du bist nicht allein.", redete Archie auf mich ein und griff nach meiner Hand.
"Doch, bin ich. Ich hab nicht mal eine Begleitung für die Hochzeit von Mr Keller und Mrs McCoy.", erwiderte ich und lachte leicht, weil es sich so jämmerlich anhörte und ich mich noch nie so allein gefühlt hatte.
"Geh mit mir.", meinte Archie plötzlich.
"Was, du willst mein Date sein?", fragte ich ungläubig.
"Ich war auch allein. In den letzten Monaten. War alles nicht ganz einfach. Ich fühl mich, als wär ich vom Mars, das ist scheiße." Archie lachte leise, was mich ebenfalls zum Lachen brachte. "Vielleicht können wir uns ja gegenseitig helfen uns nicht ganz so allein zu fühlen."
"Okay", willigte ich dann ein. Archie lächelte mich sanft an, was ich erwiderte.
"Hab dich ewig nicht am Klavier gesehen.", meinte Archie lachend.
"Ja, ich hab es als Kind echt gehasst.", entgegnete ich und musste ebenfalls leise lachen, während ich mir mit dem Ärmel über die Augen wischte. "Aber nicht, weil ich das Klavierspielen nicht mochte, sondern weil Mum mich gezwungen hatte."
"Ja, du wolltest unbedingt beweisen, dass du nicht alles magst, was sie mag. Du bist ständig geflüchtet.", lachte er.
"Ja." Ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. "Eigentlich mochte ich es zu spielen."
"Wirklich?", fragte Archie überrascht. Ich nickte. "Ja." Tief atmete ich durch, wischte mir die Tränen weg und begann auf dem Klavier zu spielen. Archie neben mir lächelte und beobachtete wie meine Finger über die Tasten glitten. Zum ersten Mal seit längerer Zeit fühlte ich mich nicht einsam.

Kevin war verschwunden, doch niemand wusste, wo er war. Am Ende fand man ihn und Moose im Wald beim Gargoyle König. Es stellte sich heraus, dass es der Vater von Moose war. Allerdings nur um seinem Sohn Angst einzujagen und ihn zu bekehren. Er war nicht wirklich der Gargolye König und demnach nicht für die Toten verantwortlich. Damals hatte er versucht Mr Keller zu küssen und begegnete zum ersten Mal dem Gargoyle König persönlich, der ihm zeigen sollte, dass Homosexualität falsch sei. Er behauptete, dass die Schwestern ihn geheilt hätten. Moose hatte seinem Vater erzählt, dass er mit Kevin ausging. Moose' Vater wollte zerstören, was er nie haben konnte. Ich machte allein die Schwestern dafür verantwortlich. Später erfuhr ich von Kevin, dass es keine Hochzeitsfeier geben würde. "Am Ende haben Mr Keller und Mrs McCoy doch die Hochzeit bekommen, die sie wollten. Nur sie und ihre Kinder im Rathaus. Sie meinten, es wär nicht richtig eine Party zu feiern nach der Geschichte.", erzählte ich Archie im Musikraum. Ich fand ihn dort, als er Gitarre spielte.
"Und wie geht's weiter?", fragte Archie mich.
"Tja, nach allem was Kevin und Moose durchgemacht haben, ist die Tatsache, dass ich Calvin besucht habe und meine Eltern sich trennen nicht so ein großes Ding. Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht. Wir werden ja sehen, was kommt.", sagte ich schulterzuckend.
"Ja, das ist auch meine Devise. Ist bloß schade, dass... Naja, eigentlich wollte ich ja mit dir zusammen Musik machen, Sierra.", meinte Archie und lachte leise. Lächelnd sah ich ihn an.
"Dann lass uns doch Musik machen." Archie sah mich fragend an. Ich setzte mich an das Klavier und begann zu spielen. Lächelnd setzte Archie sich zu mir und begann auf seiner Gitarre zu spielen. Als er anfing zu singen, musste ich automatisch lächeln. Unbewusst fing ich selbst an mitzusingen, was ich sonst nie tun würde. Doch mit Archie fühlte sich alles einfach leichter an. Als wir zu Ende gespielt hatten, blickte ich den Rothaarigen an, der mir plötzlich ziemlich nah war. Ich hielt die Luft an, als er mir näher kam. "Archie...", sagte ich leise. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals.
"Kann ich dich küssen?", hauchte Archie. Doch bevor ich überhaupt antworten konnte, lagen seine Lippen schon auf meinen.

RiverdaleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt