In Memoriam

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Es waren ein paar ruhige Monate in Riverdale. Der Frühling ging in den Sommer über und es hatte den Anschein, als kehre das normale Leben wieder zurück. Der Schrecken der Farm war zwar noch nicht vergessen, doch er verblasste langsam. Griffins and Gargoyles wurde schon jetzt Stoff von düsteren Legenden. Das große Gesprächsthema der Stadt war der vierte Juli. Nach einer kleinen Debatte beschloss man eine Parade zum Unabhängigkeitstag auf der Hauptstraße zu organisieren. Zum ersten Mal seit drei Jahren hier in Riverdale. Aber es würde kein Feuerwerk über dem Sweetwater River geben. Das hatten die Blossoms immer gesponsert. Doch ohne ihre Unterstützung konnte sich die Stadt es nicht leisten. Wie ich schon sagte, herrschte in letzter Zeit eine gewisse Stille. Still genug, damit ich in Ruhe trauern konnte. "Hey, Schätzchen. Wie geht es dir?", fragte mein Dad mich, als er die Küche betrat. In seinem Schlafanzug öffnete er die Tür zum Kühlschrank und holte sich etwas Milch heraus.
"Mir geht's gut, allerdings wird es dir nicht so gehen, wenn du die Milch da trinkst. Die ist schlecht.", erwiderte ich und biss in meinen Toast.
"Wirklich?" Mein Dad roch kurz an der offenen Milchpackung, ehe er angewidert das Gesicht verzog.
"Das wäre übrigens nicht passiert, wenn Mum noch hier wäre. Sie wäre dann nämlich einkaufen gegangen. Was du diese Woche vergessen hast.", entgegnete ich ihm. Ich beobachtete wie mein Vater die Milch in die Spüle kippte.
"Ich dachte, wir hatten darüber gesprochen. Es ist das beste. Außerdem kannst du sie jederzeit besuchen. Sie lebt nur am anderen Ende der Stadt in einem Hotel. Nicht auf Haiti."
"Dafür, dass du sie erst überhaupt nicht rauswerfen wolltest, weil du Angst hattest, was alle sagen würden, hast du eine radikale Entscheidung getroffen.", spottete ich, während ich nach meinem Glas griff.
"Ich hab sie nicht rausgeworfen, weil ich sie nicht auf die Straße setzen wollte. Jetzt haben wir allerdings eine gemeinsame Entscheidung getroffen.", erklärte mein Vater. "Ich dachte, nach allem wärst du froh darüber. Du hast mich doch ständig gedrängt sie rauszuwerfen."
"Ja, das war bevor Mum sich benommen hat wie ein normaler Mensch und mir sogar ein Kleid für den Schulball genäht hat.", erwiderte ich. Sie und ich hatten uns noch nie so gut verstanden wie in den letzten Monaten. Doch von einem Tag auf den anderen entschieden meine Eltern, dass sie es doch nicht mehr miteinander aushielten. Das ganze wurde sogar noch schlimmer, sobald sie herausfanden, was in der Nacht von Calvins Tod wirklich alles passiert war. Mein Vater konnte nicht glauben, zu was sein Bruder tatsächlich in der Lage war und konnte schon gar nicht mit ansehen, wie ich um ihn trauerte. Als er dann auch noch erfuhr, dass ich Calvin im Gefängnis besucht hatte, gab er Mum dafür die Schuld. Das ganze führte dazu, dass Mum mir beim gemeinsamen Abendessen erzählte, dass sie ins Hotel zog. "Sierra, da ist noch etwas, worüber wir sprechen sollten.", begann mein Vater ernst.
"Ja, ich werde nachher einkaufen gehen.", entgegnete ich augenrollend.
"Nein, darum geht es nicht." Fragend blickte ich ihn an. "Ich habe die Scheidung eingereicht."

Natürlich wusste ich schon längst von den Scheidungspapieren und es hätte mich nicht überraschen sollen. Trotzdem konnte ich nicht fassen, dass mein Dad das wirklich durchzog. Nachdem sich Mum geändert hatte, dachte ich, er würde ihr noch eine Chance geben. Doch ich irrte mich gewaltig. Die ganze Zeit über hatte er nichts unterschrieben. Monatelang hat er die Scheidungspapiere vor sich hingammeln lassen und nun hatte er eine Entscheidung getroffen. Trotz allem, half ich meinen Freunden dabei den Umzugswagen für die Parade fertig zu machen. Ich bastelte gerade ein paar Schleifen, als Cheryl Blossom in ihrem roten Wagen vor dem Pop's stehen blieb und auf ihren hohen Schuhen hinaus stolzierte. Irritiert hielt ich in meiner Bewegung inne und blickte sie fragend an. So sauer wie sie wirkte, konnte es ja nichts gutes sein. "Na sieh mal einer an, stoppt die Presse. Riverdales Wurstblatt hat endlich mal korrekt berichtet. Nicht nur, dass sich eine scheußliche minderwertige Parade ihren Weg durch die Stadt schlängeln wird, ihr vier seid auch noch die Urheber dieser Schandtat."
"Was ist dein Problem, Cheryl?", fragte Veronica ahnungslos.
"Mein Problem, Veronica, ist dass der vierte Juli ein Tag der Tragödie für Riverdale ist. Und kein Feiertag. Oder habt ihr vergessen, was mit meinem Bruder Jason geschehen ist?"
"Cheryl, Riverdale hat keine Parade veranstaltet aus Respekt vor deinem Bruder seit... Naja seit Jahren nicht. Ich finde, es wird Zeit.", begann Betty und unterstützte Veronica.
"Ich meine, du musst ja nicht kommen.", fügte Jughead hinzu, woraufhin ich schmunzeln musste. Mir wär es auch lieber Cheryl würde einmal nicht irgendwo auftauchen.
"Ich werde da sein, du unerträglicher Schlumpf. An vordester Front. Ein Protestschild in der einen Hand und ein Drucklufthorn auf der anderen, um legliches Lachen zum Verstummen zu bringen, verstanden?" Mit diesen Worten stieg Cheryl in ihr Cabrio und fuhr davon.
"Na toll.", murmelte Veronica genervt.
"Cheryl hat recht.", warf ich dann ein. "Ich meine, was feiern wir eigentlich? Dass Leute gestorben sind? Dass andere wie vom Erdboden verschluckt sind?" Seufzend erhob ich mich vom Boden des Wagens und sprang herunter.
"Sierra, komm schon.", hörte ich Archie rufen, doch ich hatte keine Lust auf Feiern. Ohne ein Wort ging ich die Straße runter. Den blöden Wagen konnten sie alleine bauen.

RiverdaleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt