Verschlossen und verriegelt

192 5 0
                                        

Merkwürdig, wenn man so tut, als wäre man tot, hat man nach einer Weile wirklich das Gefühl, als wäre man tot. Also, wirklich mausetot. Zum einen war Jughead unter der Erde. Wie in einer Gruft. Okay, er versteckte sich in Diltons Weltuntergangsbunker und nicht in einem Sarg, aber trotzdem. Zwei Wochen ohne Sonnenlicht. Er verlor jedes Gefühl für Zeit. So in etwa muss sich die Vorhölle anfühlen. Aber es gab noch andere Gemeinsamkeiten mit dem Totsein: Nicht nur einer, sondern zwei Nachrufe wurden über ihn geschrieben. Ein eher oberflächlicher im Riverdale Register und ein zweiter, eher satirischer Nachruf in der Blue and Gold. Der gefiel ihm. Und eine Trauerfeier. Naja, eine Totenwache. Jughead hatte sie auf seinem Laptop verfolgt. Ein Livestream von einer Kamera, die Betty im Wohnzimmer versteckt hatte. Betty und Jughead vermuteten, dass die Stonies auftauchen würden. Tja, und genauso war's auch. Wir wollten sie studieren, sehen, ob sie irgendwas Verdächtiges machen würden. Nicht, dass wir irgendeinen Zweifel an ihrer Schuld hatten. Die Preppies hatten Jughead kaltblütig ermordet und wollten es Betty anhängen. Wir konnten es nur nicht beweisen. Noch nicht. Das Schwerste daran, so zu tun, als wenn man tot war, alle glauben zu lassen, er wäre im Jenseits. Unsere Familien, unsere Freunde. Die Lügen, die wir verbreiten mussten. Die Dinge, die wir tun mussten, um die Illusion zu verkaufen. So zu tun, als hätte Jugheads einsame Freundin Trost jn den starken Armen seines besten Freundes gefunden. Was sich als die größte Irreführung von allen herausstellte. Einigen Leuten mussten wir allerdings die Wahrheit sagen. Außer in einem Fall. Jugheads kleine Schwester Jellybean wusste nichts von alldem. Auch FP hatten wir sehr schnell eingeweiht. Archie wich vom Plan ab und erzählte es seiner Mum. Und dann war da noch Veronicas Schwester, Hermosa, die überall herumschnüffelte. In den folgenden Monaten würden die Leute uns fragen, war es denn wirklich nötig so weit zu gehen? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber eins weiß ich genau. Wenn Jughead sich erholen wollte, ohne einen weiteren Mordversuch der Preppies, und wenn es ihm gelingen sollte seinen eigenen Mord aufzudecken, dann brauchte er eine Illusion, die ihm Zeit verschaffte. Während sich also über ihm die Welt ohne Jughead weiterdrehte, suchte er nach jedem kleinsten Beweis. Er ging jedes Deteil seiner Zeit an der Stonewall Prep durch und suchte nach versteckten Mustern, Hinweisen und Spuren. Aber dieses Rätsel war anders, als alle anderen, die wir vorher gelöst hatten. Die Frage war nicht, wer es getan hatte, sondern warum. Das war viel psychologischer. Er musste in die Köpfe seiner Verdächtigen kriechen. Seine Intuition musste die ungleichen Handlungsstränge zusammenführen: Die vermissten Stonewall Vier. Die Unfalltode von DuPonts Mitschülern. Jugheads versuchter Mord. Wie war das alles miteinander verbunden? Eine Schlüsselinformation kam von Hermosa. Und zwar, dass Donna... Ein Klopfen unterbach meine Gedanken. Sofort fuhr mein Kopf herum und ein Lächeln umspielte meine Lippen. "Es ist Zeit den Stonies in den Arsch zu treten.", sagte Betty lächelnd.

"Bist du dabei?", fragte Jughead hinter ihr.

"Aber sowas von.", sprach ich und schnappte mir meine Jacke, um den beiden zu folgen.

~

Jughead riss die Tür auf und trat, dicht gefolgt von Betty und mir, hinein, um das Treffen der Preppies zu unterbrechen. "Hey, Leute.", begrüßte Jughead die Gruppe, als wäre er nicht eben noch tot gewesen. "Was'n los? Habt ihr mich vermisst?"
In die bleichen Gesichter der Prepies und deren dämlichen Lehrer zu sehen, amüsiert mich nur zu gut.
"Das soll doch wohl ein Witz sein!", rief Bret entgeistert und erhob sich von seinem Stuhl.
"Mr Jones. Ich verstehe nicht, wir dachten alle-"

"Dass ich tot wäre?", fiel Jughead dem Lehrer ins Wort. "Tja, einen Augenblick dachte ich das auch. Wie lautet das oft genutzte Mark-Twain-Zitat? Die Gerüchte über meinen Tod sind stark übertrieben."

"Ich will wissen, was hier vor sich geht.", rief Joan dazwischen.

"Das nennt sich, seine wohlverdiente Strafe erhalten.", half ich ihr und lächelte sie triumphierend an.

RiverdaleGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt