Drei Wochen nach Bens Tod saß ich im Pop's und beobachtete Veronica dabei, wie sie die Rechnungen durch ging. "Ich stecke in Schwierigkeiten. Ich bin am ertrinken in Rechnungen. Das Pop's verschlingt Unmengen Geld, Sierra.", teilt sie mir verzweifelt mit. Aufmunternd sah ich meine Freundin an. "Und wie weit ist die Flüsterkneipe, V?", fragte ich und trank einen Schluck von meinem Milchshake. "Wenigstens fast fertig?" Veronica schaute mich schweigend an. "Was ist? Was ist los?", drängte ich. Veronica nahm sich ihre Lesebrille von der Nase und legte sie auf den Tisch. Das schien nichts gutes zu bedeuten. "Die Flüsterkneipe ist fertig. Und das schon seit einer ganzen Weile.", erzählte sie mir. Entgeistert schaute ich Veronica an.
"Was? Wieso eröffnest du sie dann nicht?"
"Ich warte noch auf Archie.", gestand Veronica. "Ich wollte... Ich wollte, dass er dabei ist. Und mit mir zusammen am Eröffnungabend tanzt. Das wünsche ich mir sehr."
Verständnisvoll nickte ich. Ich vermisste Archie auch ständig. Besonders wenn ich im Pop's war oder wenn ich seinen Vater im Supermarkt traf. Dass er unschuldig im Gefängnis saß, brach mir das Herz.
"Das ist genau das, was Archie nicht wollte. Dass du ein Leben in der Warteschleife führst. Du musst dich auf dich konzentrieren. Du brauchst Abwechslung. Ich sag dir das als Freundin. Eröffne die verdammte Flüsterkneipe.", sagte ich schließlich und lächelte Veronica an. Archie wollte, dass wir unser Leben weiter lebten. Und das sollten wir auch tun. Ganz egal, wo er jetzt war.
"Veronica sagt, es wird einen strengen Dresscode in ihrer Flüsterkneipe geben, Jughead.", teilte ich ihm auf dem Schulflur mit und musterte seine Klamotten. Boots und ein einfaches T-Shirt konnte er dort wohl eher nicht tragen. "Den Namen find ich echt albern.", meinte er belustigt. "Und äh, seh ich nicht gut aus?" Lachend schüttelte ich den Kopf. "Von mir aus könntest du so bleiben. Aber Veronica zwingt uns, also..." Genervt schnaubte Jughead und griff in seine Verpackung mit Erdnüssen. "Hey, Ethel ist wieder da.", sagte er und blieb stehen. Mein Blick blieb an dem rothaarigen Mädchen hängen, die sich mit jemandem unterhielt. "Ja, sie spricht mit der komischen neuen von der Farm.", bemerkte Betty skeptisch. "Oh mein Gott. Vielleicht steht das Spiel ja in Verbindung mit der Farm.", vermutete die Blondine schockiert. "Ben, Dilton und Ethel haben das Spiel diesen Sommer angefangen, als die Farm und die Evernevers nach Riverdale gezogen sind." Betty zeigte auf das Mädchen, das sich mit Ethel unterhielt. "Evelyn's Dad, Edgar, ist ihr Anführer. Meine Mum hört nicht auf über ihn zu reden. Er ist so eine Art..."
"König?", unterbrach ich sie fragend. "Wie viel weißt du über diese Farm?"
"Ich weiß eigentlich gar nichts."
"Fangen wir mit Evelyn an oder Ethel?", warf Jughead ein ohne den Blick von Ethel und Evelyn zu nehmen.
"Ethel.", entschied Betty. "Evelyn macht mir Angst."
"Okay, bei unserem letzten Gespräch mit Ethel hatte sie einen Anfall.", merkte ich an.
"Diesmal sind wir vorsichtiger."
Als wir einen Klassenraum betraten, saß Ethel an einem Tisch und packte gerade ihr Essen aus. Es war mir schleierhaft, wieso sie ausgerechnet in einem Biologieraum frühstückte, wenn es doch eine Cafeteria in der Schule gab. Oder Tische und Bänke draußen. "Ethel, hi.", begrüßte Jughead die Rothaarige vorsichtig. Schließlich wollten wir keinen weiteren Anfall bei ihr auslösen.
"Isst du ganz allein?", fragte ich und sah mich im Raum um. "Was dagegen, wenn wir..."
"Die Ärzte haben mir Medikamente verschrieben. Gegen die Anfälle. Ich hatte mehrere Anfälle am Tag. Das... Das Zeug ist stark.", erklärte Ethel. Dann war es gar nicht das erste Mal gewesen, überlegte ich.
"Ethel, wenn wir dazu beigetragen haben, dann tuts uns leid. Wir wollten dir nur helfen.", entschuldigte Jughead sich für uns drei. Ethal sah uns provokant an.
"Wie ihr meinem Freund Ben helfen wolltet, als er aus dem Fenster gesprungen ist?", fragte sie. Seufzend setzte Betty sich dem Mädchen gegenüber. "Ethel, als du zusammengebrochen bist, hattest du da irgendwelche Visionen?", fragte sie. Ethel schüttelte den Kopf.
"Also, ich erinner mich nicht.", meinte sie dann ehrlich.
"Okay. Und wie lange bist du schon mit dieser Evelyn Evernever befreundet?", fragte die Blondine weiter nach.
"Evelyn ist die beste. Sie hat mich im Krankenhaus besucht und hilft mir die Medikamentedosis herabzusetzen.", entgegnete Ethel ihr mit einem Lächeln im Gesicht. Nachdenklich runzelte ich die Stirn. War sie für den Anfall verantwortlich?
"War das ihre Idee oder die ihres Dads? Warte, hast du Mr Evernever mal kennengelernt?", fragte Betty.
"Wenns dich interessiert, sieh dir doch mal Evelyns Schülerselbsthilfegruppe an. Sie hat die Erlaubnis für die Gründung einer Schülergruppe der Farm hier auf der Riverdale High.", teilte Ethel uns mit. Als es zum Unterricht klingelte, packte sie ihr Frühstück wieder in ihren Rucksack, um zu gehen.
"Ethel", sagte Jughead und hielt sie auf. "Bevor Ben... Er hat gemeint, er ist im Königreich mit Dilton vereint. Weißt du, was das heißt?", hakte er nach. Ethel sah ihn einige Sekunden an und senkte dann den Blick. Wollte sie uns gerade wirklich nichts sagen? "Zwei Menschen sind gestorben während dieses Spiels.", merkte Jughead an. Seufzend sah Ethel ihn an.
"G&G.", meinte sie.
"Und wir haben nicht die geringste Ahnung, warum. Ne verrückte Frage, hast du ein Regelbuch oder 'ne Spielanleitung?", fragte er weiter.
"Du meinst, das Manuskript."
"Ja, genau. Hast du eins für mich?" Neugierig musterte er sie.
"So einfach ist das leider nicht, Sierra."
"Bitte. Prinzessin, Ethelin."
"Nenn mich nicht so.", sagte Ethel streng. Offenbar hatte Jughead einen wunden Punkt getroffen. "Du bist der Schrift des Königs nicht würdig. Du hast es dir noch nicht verdient."
"Ja, aber ich will es sein. Ich will Ihrer würdig sein. Zeigst du mir die Schrift?" Er ließ nicht locker bis sie es ihm gegeben hatte. Ethel zögerte.
"Wir treffen uns morgen in Diltons Bunker. Aber nur du allein. Sorry, ihr beiden. Aber ihr werdet nie würdig sein, egal wie sehr ihr euch anstrengt." Mit diesen Worten verließ Ethel den Raum. Ungläubig sah ich ihr nach und fing leise an zu lachen, als sie weg war.
"Tja, jetzt gehörst du zu Ethel Muggs Kreis, Jug.", meinte ich belustigt. Betty neben mir lachte auch.
"Und ich benötige dringend etwas Selbsthilfe.", sagte sie dann und deutete auf ein Plakat, das Evelyn aufgehängt hatte. Die Farm heißt dich willkommen.
Veronica eröffnete endlich das La Bonne Nuit. Deshalb schmiss ich mich in ein schwarzes elegantes Kleid und begleitete Betty und Jughead. " Ich hab das Handbuch im Trailer versteckt. Das Ding ist 'ne Goldmine. Ich zeigs euch nachher.", erklärte Jughead und blickte sich um. Die Flüsterkneipe war unglaublich geworden. Aber Veronica hatte viel Geld, demnach wunderte es mich eigentlich gar nicht. "Aber Ethel wird doch wieder gesund, oder?", fragte ich nach. Nachdem sie im Bunker wieder einen Anfall hatte, musste sie ins Krankenhaus. Nach zwei Todesfällen brauchte ich nicht noch einen dritten.
"Körperlich schon. Aber sie braucht dringend eine Psychotherapie.", entgegnete Jughead. Zustimmend nickte ich. Das brauchte sie wirklich.
"Oh da kann sie meiner Mum Gesellschaft leisten.", meinte Betty und setzte sich an einen der Tische. "Die Farm ist viel tiefer in ihrem Kopf als ich dachte. Und sie weiß auch etwas. Über dieses Spiel, Leute.", erklärte sie. "Und du hast noch etwas Limo auf den Lippen." Schmunzelnd nahm Betty eine Serviette und wischte damit über Jugheads Mund. Genervt verdrehte ich die Augen. Das konnte sich ja keiner ansehen. Mein Blick blieb an Kevin hängen, der die Bühne betrat und sich vor das Mikro stellte. "Ladies und Gentlemen, im Namen von Veronica danke ich allen für Ihr Erscheinen zur Eröffnung von La Bonne Nuit. Und jetzt begrüßen wir auf der Bühne die einzigartige Miss Josephine McCoy." Lächelnd applaudierte ich und lauschte der Stimme von Josy. Aber hier in der Flüsterkneipe zu sitzen, war einfach nicht dasselbe ohne Archie Andrews.
Ethel musste es vor der Verabredung mit Jughead im Bunker vorbereitet haben. Vielleicht hatte ihr auch jemand geholfen. So oder so, war ich geschockt, als ich am nächsten Morgen die Schule betrat und alle das Handbuch von G&G in den Händen hielten. Sofort riss ich es Cheryl aus der Hand. "Entschuldige mal.", sagte sie sauer.
"Wo hast du das her?", fragte ich sie aufgeregt.
"Es lag in meinem Schrank. Wie bei allen anderen.", antwortete Cheryl und entog mir das Handbuch. Wie auch immer, nächstes Wochenende würde wahrscheinlich fast jeder Schüler der Riverdale High Griffins & Gargoyles spielen. Und das wahre Spiel hatte gerade erst begonnen.
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Riverdale
FanfictionRiverdale scheint auf den ersten Blick ein ruhiges, friedliches Städtchen zu sein, doch der Schein trügt. Seit dem tragischen Tod von Jason Blossom ist nichts mehr wie es mal war. Ein Mörder weilt unter den Menschen in Riverdale. Außerdem mischt die...
