Hügel der blutigen Augen

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Stellt euch das Mädchen von nebenan vor. Mit einem Pferdeschwanz und einem Geheimnis. Tag für Tag liest sie die Titelzeilen und die Lokalnachrichten und wartet darauf aufzufliegen. Und Stück für Stück wurde es enger. Bis das, was einmal nur ein Haus war, zu ihrem persönlichen Fegefeuer wurde. "Kleine Vorwarnung, unser Shadow Lake Chalet ist rustikal. Aber es hat einen atemberaubenden Blick auf die Berge und den See.", erzählte Veronica uns in der Pause.
"Oh mein Gott, das klingt himmlisch, V.", schwärmte Betty. "Was denkst du, Jug? Hältst du das aus?"
Jughead schaute von seinen Hausaufgaben auf und blickte seine Freundin an. Dann sah er zu Veronica.
"Wenn es für deinen Dad okay ist."
"Mr Lodge hat es sogar vorgeschlagen.", warf Archie ein.
"Ja", meinte Veronica.
"Tja, dann auf ins Gebiet der Banjos.", meinte Jughead belustigt.
"Was ist mit dir, Sierra?", fragte Archie. Ohne meinen Blick von meinem Notizbuch zu wenden, zeichnete ich weiter und antwortete ihm. "Du meinst ein Pärchenwochenende mit Sierra als fünftes Rad am Wagen? Klingt fantastisch." Den Sarkasmus in meiner Stimme konnte man deutlich heraushören.
"Ach komm schon, S. Wir könnten dir ja jemanden suchen.", grinste Veronica. Sofort hielt ich in meiner Bewegung inne und sah sie an.
"Nein, danke.", sagte ich dann.
"Du musst aber mit. Ich akzeptiere kein Nein.", drängelte Veronica grinsend. Seufzend gab ich nach.
"Du gibst ja sonst sowieso keine Ruhe, nicht wahr?", fragte ich sie. Veronica schüttelte den Kopf. Archie sah zwischen uns beiden hin und her.
"Und das ist wirklich okay für dich?", hakte Archie nach und blickte mich direkt an. Ich nickte langsam.
"Das ist 'ne gute Gelegenheit an meinem Roman zu schreiben.", meinte ich schulterzuckend. Auch wenn mir eigentlich nicht wohl dabei war, mit zwei Paaren ein ganzes Wochenende zu verbringen.
"Ausgezeichnet. Aber vergiss nicht, an einem Luxuswochenende geht's darum zu entspannen und abzuschalten.", warf die Schwarzhaarige ein.
"Luxus und Wochenende. Zwei meiner Lieblingsworte. Also, wo fahren wir hin und wie extravagant muss meine Garderobe sein?" Als Cheryl's Stimme ertönte, verdrehte ich sofort die Augen. Wenn Cheryl mitkam, würde ich zu Hause bleiben.
"Entschuldige, Cheryl. Das ist sowas wie ein romantisches, nur für Paare, Wochenende.", versuchte Veronica sie abzuwimmeln. Entgeistert sah ich meine Freundin an, denn vorhin klang es noch ganz anders.
"Ich verstehe. Aber natürlich. War mein Fehler. Na dann, viel Spaß bei euren Romanzen.", sagte Cheryl und ging. Ich zog eine Augenbraue in die Höhe, während ich Veronica ansah.
"Nur für Paare, also, ja?"
"Irgendwie musste ich sie ja loswerden, oder?", verteidigte sie sich sofort und kuschelte sich an Archie. Wenn ich das wirklich das ganze Wochenende mitansehen musste, war es vielleicht doch keine so gute Idee mitzufahren. Allerdings war es dafür schon zu spät.

Veronica hatte nicht übertrieben. Das Haus war ein wunderschönes Holzhaus, das einen großen Garten hatte. Man hätte eine ganze Großfamilie dort wohnen lassen können. Über dem See, der neben dem Holzhaus lag, zog ein dichter Nebel auf, der allerdings nichts daran kaputt machte, dass es einfach wie in einem Märchen war. Beeindruckt stieg ich aus dem Wagen und betrachtete die Gegend.
"Veronica hat nicht gescherzt. Es ist wirklich das letzte Haus links.", meinte Jughead belustigt, was mich auflachen ließ.
"Ich helf euch mit den Taschen.", teilte der Fahrer uns mit.
"Nein, das machen wir schon. Archie?" Veronica blickte ihren Freund mit großen Augen an, der sich sofort zu den Taschen begab, um sie zu tragen.
"Archie ist dein Freund, nicht dein Hund.", sagte ich leise mit verschränkten Armen und half dem Rotschopf beim Tragen. Ich war eine unabhängige Frau und konnte durchaus meine Sachen selbst in die Hand nehmen. Während Veronica mit den anderen vorging, blieben Archie und ich mit den Sachen zurück.
"Ich bin nur einen Anruf entfernt, wenn es Probleme gibt. Wie Mr Lodge gesagt hat.", hörte ich den Fahrer sagen, der haufenweise Taschen auf Archie's Arme stapelte, bevor er in den Wagen stieg. Skeptisch schaute ich ihm nach und nahm Archie ein bisschen was ab. "Nett, dass dich deine Freundin alles allein schleppen lässt. Außerdem, was hat sie bitte in den ganzen Taschen? Wir sind ein Wochenende hier und nicht ein Jahr.", sagte ich, während ich neben Archie her lief.
"Keine Ahnung. Aber ich bin ein Gentleman, also trag ich sie ohne zu meckern.", meinte Archie lachend.
"Du bist zu gut, Archie.", sagte ich lachend. Als ich sah, dass ihm beinahe eine der Taschen herunterfiel, fing ich sie auf. "Danke.", sagte Archie.
Kopfschüttelnd ging ich weiter.
"Wie läuft es eigentlich so zwischen dir und V?", fragte ich nach. Ich wusste selbst nicht, wieso mich das interessierte, zumal mich das ganze auch gar nichts anging. Doch irgendwas in mir wollte wissen, was ich alles so nicht mitbekam.
"Gut, es läuft wirklich gut.", antwortete Archie mir. Schweigend nickte ich und schulterte meine Tasche, damit sie mir nicht von der Schulter rutschte. "Wie läuft es eigentlich bei dir so? Nach der Sache mit Black Hood, mein ich.", fragte Archie und musterte mich von der Seite. Ja, wie ging es mir eigentlich? Das ganze war nun schon Wochen her. Es war mir ein Rätsel, wieso Archie mich erst jetzt danach fragte, wie es mir ging. Eigentlich hätte er es schon vor Wochen tun sollen. Besonders, da er der einzige war, der wirklich wusste, was ich durchgemacht hatte. "Ist ein bisschen spät das zu fragen, oder?", fragte ich zickiger als ich eigentlich wollte und betrat das Haus. Innen war es genauso eingerichtet, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sofas aus braunem Leder standen im Raum und es gab einen großen Kamin. Die Möbel sahen aus wie in einem Antiquitätengeschäft. "Willkommen in dem, das ich so demütig die Lodge-Lodge nenne.", meinte Veronica belustigt. Lachend stellte ich die Taschen ab und sah mich um.
Plötzlich klingelte Veronicas Handy. Sie nahm es aus ihrer Tasche und verließ kurz das Haus, um zu telefonieren. Als sie wenige Minuten später noch nicht zurückkam, gingen wir raus, um nachzusehen. "Veronica, was ist passiert? Alles okay?", fragte ich sie. Langsam drehte sich Veronica um und sah uns an.
"Das war Cheryl. Sie sagt, du und Archie habt euch vor ihrem Haus geküsst.", teilte sie uns dann mit. Reumütig senkte ich den Kopf und blickte auf meine Schuhe. Das sollte eigentlich nicht rauskommen.

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