Zeugin der Anklage

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Man sagt, jede Stadt bekommt den Helden, den sie verdient. Riverdales Held war Archie Andrews. Highschoolsportler am Tag und Möchtegernverbrechensbekämpfer in der Nacht. Im Dunkeln der Sketch Alley, an den Southside Docks, wo Archies Gemeindezentrum lag, sollte man sich nicht nach Einbruch der Dunkelheit aufhalten. Denn dann kommen die Ratten raus. Alles in allem kein vielversprechender zweiter Ausflug für Riverdales Rächer im dunklen Dress. Apropos Verbrechensbekämpfung... "Kev, hast du nach der Schule was geplant?", fragte ich ihn fröhlich und lehnte mich lächelnd gegen die Spinde. Skeptisch beäugte mich mein Freund, während er zaghaft ein Buch in den Spind packte.
"Ich cruise durch die WCs von Sheds and Royal.", antwortete er.
"Perfekt. Dann kannst du mich zu meinem ersten Junior FBI Kurs begleiten.", strahlte ich und folgte Kevin den Flur runter. Ich wollte nicht unbedingt alleine dorthin gehen und da ich mich im Moment wieder super mit Kevin verstand, hatte ich Charles gefragt, ob ich Kevin mitnehmen durfte. Und er hatte ja gesagt. Jeder war willkommen.
"Der, den Bettys heißer Halbbruder leitet?", fragte Kevin mich wissend.
"Ja, ich hab ihn gefragt, ob du mitmachen kannst und er meinte ja.", entgegnete ich und ignorierte seine Aussage darüber, dass er fand Charles wäre heiß.
"Wie war das nochmal? Ist er schwul oder hetero?", hakte Kevin interessiert nach.
"Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung. Aber Schüler verschiedener Highschools haben sich angemeldet, also wer weiß. Vielleicht triffst du einen süßen, schwulen FBI Junior Agenten.", versuchte ich ihm die ganze Sache schmackhaft zu machen. Kevin überlegte ein paar Sekunden.
"Ich bin dabei. Wann und wo?", schoss es dann wie aus der Pistole aus ihm, was mich zum Grinsen brachte. Auf Kevin war eben immer Verlass.

Charles hätte mir viel früher erzählen können, dass wir Uniformen bekamen. Jeder von uns trug ein blaues Poloshirt und dunkle Hose. Der Raum wirkte wie ein Klassenzimmer mit den Tischbänken und der Leinwand. Charles hatte sich Mühe gegeben, was mich nicht wunderte. So wie er immer aussah, hätte es mich mehr gewundert, wenn es total chaotisch wäre. Aber alles war ordentlich und sauber. "Also in unserer ersten Stunde springen wir gleich mal ins kalte Wasser und beginnen mit Serienkillern.", begann Charles und sah uns alle an.
"Er ist so heiß.", flüsterte Kevin mir zu, was mich zum Schmunzeln brachte. Ich blickte nach vorne und musste feststellen, dass er nicht gerade hässlich war. Er hatte dasselbe goldblonde Haar wie Betty und ihre Mutter. Er war groß, gut gebaut und wie ich in der Halloweennacht feststellen konnte wirklich schöne blaue Augen. Dennoch gab es eine Sache, die mich störte, abgesehen davon, dass er Bettys und Jugheads Halbbruder war. Er war viel zu clean für meinen Geschmack. "Ich hab mal für euch eine kleine Übung zusammengestellt." Mit einer Fernbedienung bediente Charles den Beamer. Auf der Leinwand erschien ein Foto von einem Polizisten, der eine Leiche fotografierte. "Das ist ein Tatort, an dem sechs Opfer entlang eines Flussufers im pazifischen Nordwesten begraben waren." Dann wechselte er das Foto, so dass drei Männer zum Vorschein kamen. "Bevor ich weitere Einzelheiten verrate, errät jemand, wer von diesen Männern der Mörder ist?" Konzentriert schaute ich mir die Männer ein bisschen genauer an.
"Es ist der dritte Mann.", sagte ich dann ohne mich zu melden. Die anderen Schüler sahen mich verblüfft an. Ich könnte schwören, einer von ihnen war sich sicher, dass ich mich irrte.
"Korrekt, Sierra. Woher weißt du das?", fragte Charles mich.
"Ich weiß es nicht. Das war nur meine Intuition.", entgegnete ich und senkte den Blick.
"Okay. Versuchen wir es nochmal." Charles wechselte das Foto. "Welcher ist der Serienkiller?"
Meine Augen wanderten von einem Mann zum nächsten, während Charles weiter über Serienkiller und die Bedeutung dieser Bezeichnung sprach. "Der Mann in der Mitte.", unterbrach ich ihn dann.
"Wieder korrekt. Deine Intuition ist wie ein sechster Sinn.", entgegnete Charles mir beeindruckt. Zwei Jungs aus der vorderen Reihe drehten sich zu mir um und warfen mir vernichtende Blicke zu. "Und noch ein Versuch." Charles wechselte wieder das Bild, doch es dauerte auch hier nicht lange bis ich antwortete.
"Keiner von ihnen wars."
"Gute Arbeit, Sierra. So ein Instinkt haben nicht viele."
"Du bist wie Beautiful Mind, aber... Für Serienmörder.", sprach Kevin belustigt zu mir. Allerdings wusste ich nicht, ob ich tatsächlich stolz darauf sein oder ob ich mir Sorgen machen sollte.
"Und weiß jemand von euch, was diese Mörder gemeinsam haben?", fragte Charles in die Runde.
"Gar nichts.", antwortete ich mit gerunzelter Stirn. "Geht's denn nicht genau darum?"
"Eigentlich haben sie alle eins gemeinsam. Ein besonderes Set an Genen.", sprach Charles. "MAOA und CDH13 Gen. Auch bekannt als die Serienkillergene."

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