Warum musste ausgerechnet Johns Klasse heute Schwimmunterricht haben, wenn Rubens Klasse ebenfalls schwimmen musste? Warum war der Lehrer nicht da? Wie hatte John es geschafft die Aufmerksamkeit aller anderen auf Ruben zu lenken? Der Zwölftklässler wurde von Nico und Bastian festgehalten, während John auf ihn zuschwamm. Ruben rechnete mit allem. Schlägen, Tritten, dem Versuch ihn vor allen zu ertränken. All das wäre ihm lieber gewesen als das, was tatsächlich geschah. John griff nach Rubens Badehose und zog sie mitsamt der Unterhose, die Ruben für genau solche Fälle darunter trug, hinunter. Der Braunhaarige kreischte und strampelte. Er war sich darüber im Klaren, dass er so noch lächerlicher erschien. Aber er konnte nichts dagegen tun. Die Angst verschlang ihn. Gleich würde jeder ihn nackt sehen, alle würden lachen und noch Wochen später darüber Witze machen. Verzweifelt versuchte der Siebzehnjährige sich zu wehren.
„Schauen wir doch mal, ob irgendwer deinen Schwanz so toll findet, dass er ihn dir lutschen will", grinste John und nickte seinen Anhängern zu. Mit weit aufgerissenen Augen blickte Ruben von Nico zu Bastian, welche sich nun zunickten und begannen den nackten Jungen in Richtung Beckenrand zu zerren. Ruben kreischte panisch weiter, während die anderen entweder belustigt oder angewidert zusahen oder erst gar nicht hinschauten. Der schüchterne Junge fühlte sich unglaublich gedemütigt und hörte schließlich auf sich zu wehren, nachdem Basti ihm den Arm verdreht hatte. Er ließ den Kopf hängen und brachte es nicht über sich jemanden anzusehen. Helfen würde ihm sowieso keiner, das wusste er. Es waren noch drei Meter zum Beckenrand. Die älteren Jungs, die ihn aus dem Wasser zerrten, flüsterten sich lachend gemeine Witze über Ruben zu. Zwei Meter. Ruben atmete abgehackt ein und aus, während er auf ein Wunder hoffte. Ein Meter. Rubens Schädel dröhnte, er hörte das Gelächter seiner Mobber nur gedämpft. Bastian war aus dem Wasser gestiegen und packte Ruben nun von draußen noch fester am Arm, damit er nicht fliehen konnte, während Nico hinaus kletterte.
„Hört auf", flehte Ruben leise. Seine Tränen konnte man mit Wassertropfen verwechseln. Er hatte sie all die Zeit mit aller Kraft versucht zu unterdrücken, doch nun konnte er nicht mehr. Niemand würde ihm helfen. Ruben erinnerte sich an die Worte, die ihm von seinem Vater und alten Freunden gegen den Kopf geworfen worden waren.
„Du bist viel zu emotional!"
„Wenn du dich wie ein Mädchen benimmst findest du nie eine Freundin!"
„Bist du schwul oder was?"
Andere betitelten alles, was er sagte, tat oder trug als schwul. Seine Bewegungen, seine Hobbies und das nur, weil er sich nicht scheute über Gefühle zu sprechen. Jeder hier hielt Ruben für schwul.
„Bitte", versuchte der Grünäugige es ein letztes Mal.
Dann brach seine Stimme. Genau wie er.
„Drei!", begann Bastian zu zählen. Nicos Grinsen wurde breiter. John grinste schämisch.
„Zwei!" Ruben blickte sich ein letztes Mal hilfesuchend um. Er merkte all die Blicke auf sich, doch keiner kam ihm zu Hilfe.
„Eins-" Ruben spürte, wie er aus dem Wasser gezogen wurde. Sein Kopf war leer. Er wartete nun nur noch auf die Reaktionen der anderen: Witze, Gelächter, Beleidigungen. Doch nichts passierte, denn plötzlich ertönte ein ohrenbetäubenden Pfiff. Das unangenehme Geräusch hallte durch die gesamte Schwimmhalle. Rubens Kopf schoss in die Richtung, in der er den Lehrer vermutete. Als Nico und Bastian stockten war Rubens Hüfte außerhalb des Wassers, doch seinen Intimbereich konnte man nicht sehen. Ruben hielt die Luft an. Er dachte darüber nach, sich loszureißen, doch er stockte, als der alte Herr Willer das Wort ergriff.
„Jungs! Wir ziehen keine Leute aus dem Wasser, wenn sie noch in der Lage sind selbst rauszukommen!", brüllte er, bevor er murmelnd fortfuhr: „Na los, geht duschen, ihr Versager."
DU LIEST GERADE
UPSIDE DOWN :(:
Teen FictionWird überarbeitet ~ And suddenly life flips you upside down, and you find out that this is the right way ~ Linus ist dabei, die zwölfte Klasse zum zweiten Mal zu versauen und somit sein Abitur zu verspielen. Dass seine besten Freunde den Abschluss...
