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Sonntag, 12. Juli

Linus saß alleine auf dem Baum beim Friedhof. Ruben hatte er seit Mittwoch nicht mehr gesehen, denn der musste auf dem Hof seines Onkels mithelfen. Die Katze, die Linus vor einiger Zeit gerettet hatte, war inzwischen bei der Tierhilfe, um vermittelt zu werden. Der Kleine Kater war gesund und hörte nun auf den Namen Pauli. Linus hörte Lost Boy von Ruth B, während er in die Ferne starrte. Vom Baum aus konnte er weit weg sehen. Er stellte sich oft vor, wie er eines Tages einfach seine Sachen packte und in diese Richtung lief. Er würde alles hinter sich lassen und neu anfangen. Die untergehende Sonne war wunderschön. Sie tauchte den Himmel in orange leuchtende Farben, während die kühle Abendluft dem Jungen Gänsehaut bescherte. Er lehnte seinen Kopf an den Baumstamm hinter sich und schloss die Augen. Er öffnete sie nicht, als er jemanden kommen hörte. Er lächelte und wollte seinen Freund gerade begrüßen, als er eine Frauenstimme hörte. Er zog sich die Kopfhörer aus den Ohren.

„Hey Linus. Können wir kurz reden? Bitte..." Es war Chanelle und sie klang verdammt traurig. Als Linus hinab blickte hatte sie den Blick gesenkt und die Finger hinter dem Rücken verschränkt. Sie hatte ein schwarzes Kleid an und sah verdammt hübsch aus. Linus' Herz wurde schwer.

„Ja, natürlich können wir das", murmelte er und wurde nervös. Er half dem Mädchen beim Hochklettern. Einige Zeit war es ruhig, während die Beiden stumm den Sonnenuntergang beobachteten.

„Es... tut mir leid, wie das gelaufen ist, Chanelle. Ehrlich", gab Linus zu. „Ich hätte es dir früher sagen müssen."

„Ja, das wäre schön gewesen", antwortete die Rothaarige leise. „Aber ich verstehe auch, dass du Zeit gebraucht hast." Linus zuckte mit den Schltern.

Plötzlich vergrub Chanelle ihr Gesicht in den Händen und seufzte laut.

„Gott, ich habe mich so peinlich benommen!", fluchte sie und schluchzte danach.

„Nein!", rief Linus überfordert aus und legte ihr vorsichtig eine Hand auf die Schulter. „Ich war ein Arsch, ich hätte es dir früher sagen müssen", wiederholte er.

Chanelle hob den Kopf und lächelte ihren Ex Freund traurig an. Sie lächelte noch mehr und es sah noch trauriger aus, als sie die inzwischen verblassten Knutschflecken an seinem Hals sah.

„Du hast einen Freund?"

Linus kapierte ausnahmsweise einmal sofort, wie sie darauf kam, doch was er sagen sollte wusste er trotzdem nicht. Er räusperte sich, senkte den Blick und zuckte mit den Schultern. Dann nickte er leicht.

„Tut m-"

„Das ist schön", unterbrach Chanelle.

Die Teenager unterhielten sich noch einige Zeit, bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden war. Irgendwann hörte Chanelle, wie jemand auf sie zukam und drehte sich zum Friedhof.

„Es ist spät, ich muss jetzt los. Gute Nacht, Linus." Mit diesen Worten verabschiedete Chanelle sich und kletterte vom Baum. Linus' Herz begann zu rasen, als er Ruben entdeckte.

„Ach ja, Linus?"

„Ja?", fragte er, konnte seinen Blick jedoch nicht von den grünen Augen abwenden, welche ihn sehnsüchtig anstrahlten.

„Können wir wenigstens Freunde bleiben?"

„Natürlich." Sanft lächelte Linus seine Ex Freundin an. Dies zauberte ein Lächeln auf die Lippen der Rothaarigen. Als sie wegging begrüßte sie Ruben und streichelte kurz Jack, bevor sie endgültig verschwand.

„Ich war bei dir, aber du warst nicht da, also dachte ich, dass du entweder hier bist oder auf dem Berg und ich war zu faul da hin zu gehen", redete Ruben drauf los und blieb schlussendlich vor dem Baum stehen.

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt