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Nachdenklich lief John den Weg entlang, über den Ruben einige Minuten zuvor geflüchtet war. Er vergrub seine Hände in den Taschen seiner alten, abgewetzten Jeans. Er wollte mit jemandem reden, doch er wusste nicht mit wem. John hatte niemandem, dem er sich anvertrauen konnte. Ungewollt führte er sich vor Augen, wie Ruben die ganze Zeit über gelitten hatte. Er dachte an jedes einzelne Mal, wenn er mit seinen Anhängern den schwachen Jungen gehänselt hatte – zumindest versuchte er es. Es waren zu viele Momente. So viele, dass es unmöglich war, jeden im Kopf zu behalten. Er schüttelte die Gedanken an den Jungen ab, als er Zuhause ankam. Seine eigenen Probleme gingen los, als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Er bereitete sich seelisch darauf vor, von seinem Vater angeschrien zu werden, von seiner Mutter ignoriert zu werden, von seinem Bruder geschlagen zu werden. Als sein älterer Bruder ihn lachend am Genick packte, wehrte John sich nicht. Als er seinen Vater aus der Küche nach ihm rufen hörte, gehorchte er. Er wollte stark sein, das hatte er schon immer gewollt. Er realisierte nicht, dass es alles andere als schwach war, Gefühle zu zeigen. Das hatte er nie gelernt. Er realisierte nicht, dass er sich wehren sollte, durfte, musste. Als sein Vater ihn anschrie, schwieg er. Als sein Vater ihn schlug, wehrte er sich nicht. Als er nach oben in sein Zimmer lief, weinte er nicht. Er war stark – zumindest dachte er das.

:(:

Die Geschichte neigt sich dem Ende zu und das hier ist ein "besonderes" Kapitel, weshalb es auch so kurz ist.
Glaubt ihr, dass Ruben und Lutzi noch eine Chance haben?

238 Wörter

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