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Sonntag, 27. Juni

Die zwei Jungs telefonierten seit einiger Zeit. Sie redeten über belangloses Zeug, doch es war nicht langweilig. Sie lachten viel und waren ganz in ihrer eigenen Welt.

„Übernachtest du heute bei mir?", fragte Linus plötzlich.

„Ich bin doch erst vor drei Stunden nach Hause gegangen", stellte der Grünäugige amüsiert fest. „Außerdem ist morgen Schule."

„Na und? Wir können ja auch blaumachen."

„Was habe ich nur angerichtet? Ich habe den Typen, den ich mag, zum Schulschwänzer gemacht."

Linus lachte.

Als sie wenig später auflegten seufzte Ruben. Er erwischte sich immer wieder dabei, wie er Linus mit Marcel verglich. Er suchte nach Anzeichen, ob Linus ihn ebenfalls verarschte. Der Jüngere wurde aus seinen Gedanken gerissen, als es an der Tür klopfte. Er betete zu dem Gott, an den er nicht glaubte, dass es nicht sein Betrunkener Vater war. Die Tür öffnete sich und seine Mutter kam herein. Die Tür fiel mit leisen Klicken ins Schloss.

„Hey, wie geht's dir?", fragte sie und setzte sich zu ihrem Jungen aufs Bett. Er lächelte augenblicklich und es war keineswegs gefälscht.

„Ganz okay und dir?"

Sie gab ihrem Sohn einen Kuss auf die Wange und zuckte mit den Schultern.

„Die Arbeit ist stressig, aber morgen kommt Nina wieder, dann habe ich erst mal einen Tag Pause."

Ruben nickte und blickte einen Moment auf seine Hände, bevor er wieder aufschaute.

„Also, was gibt's?"

„Bist du dir ganz sicher, dass ich nicht doch mit dem Direktor sprechen soll?"

„Ja, Mama, alles gut. Die haben mich einen Tag lang beachtet und dann war wieder alles gut. Das Video ist schon längst vergessen."

„Bist du dir sicher?"

Ruben nickte überschwänglich und lächelte dann. Er schlang die Arme um seine Mutter und drückte sich an sie.

„Trotzdem danke, Mum." Sie lächelte und legte ihren Arm um Rubens Schulter.

„Darf ich dich fragen, was auf dem Video zu sehen ist?" Ruben löste sich und blickte beschämt zu Boden.

„Naja ... Wie wir uns küssen, wie ich ... mich ausziehe – nur das T-Shirt – und wie ... er ... ähm..." Ruben schluckte. „...Und wie er meine Hose aufmacht. Aber mehr nicht und mehr ist auch nicht gelaufen." Er hörte seine Mutter schniefen und schaute zu ihr auf. Sie hatte Tränen in den Augen.

„Ich mache so etwas nie wieder, versprochen", flüsterte er, dann kamen ihm die Tränen und seine Stimme brach. Er dachte an damals zurück. Wie habe ich bitte nicht merken können, dass er eine Kamera aufgestellt hat? Er atmete zitternd ein und aus. Er war unsicher, aber er musste seine Ängste teilen.

„Mum, ich ... habe jemanden kennengelernt. Und ich habe Angst, dass dieser jemand mich auch nur verarscht. Ich glaube es nicht, aber..." Er ließ den Satz so in der Luft hängen.

„Natürlich hast du Angst, mein Schatz. Das ist normal nach so etwas."

„Was soll ich jetzt machen? Ich will ihn nicht verlieren", nuschelte Ruben gegen seine Mutter. Er legte sich aufs Bett und legte den Kopf in den Schoß seiner Mutter. Sie fuhr ihm beruhigend durch die Haare.

„Lass' es langsam angehen. Das ist ehrlich gesagt das Einzige, was mir dazu einfällt."

Ruben nickte leicht, schloss die Augen und lächelte.

„Ich glaube, er meint es ernst." Dann grinste er und öffnete die Augen. „Er ist nämlich ein verdammt schlechter Schauspieler."


Montag, 28. Juni

Ruben wollte am Liebsten im Kreis springen, so aufgeregt war er. Gleich würde Linus durch diese Tür treten. Soll ich ihn küssen? Wird er mich küssen? Nervös knetete Ruben seine verschwitzten Hände. Als Marcel an ihm vorbeilief bemerkte der Grünäugige den Jungen, der ihn beobachtete, nicht einmal. Linus trat durch die Tür und Ruben atmete erleichtert aus, weil Linus genauso aufgeregt aussah. Er lächelte sofort, als er den Jüngeren erblickte. Linus blieb vor Ruben stehen. Sie standen wieder beim Kaffeeautomaten und Rebecka stand draußen, denn Ruben hatte sie rausgeschickt. Ruben sperrte seine Zweifel aus und trat noch einen Schritt auf Linus zu. Er schlang seine Arme um den Größeren und drückte sich an ihn. Beide genossen den Duft des Anderen. Sie genossen die Berührung, die Wärme und die Gefühle. Sie genossen den Moment.

„Ich wusste nicht, ob ich dich küssen soll", gab Linus leise zu.

„Ich habe auch darüber nachgedacht", erwiderte Ruben schmunzelnd. Sie lösten sich. Linus tippte Ruben lachend an der Schulter an und deutete nach draußen. Rebecka klebte förmlich an der Glastür und beobachtete die Jungs. Ruben verdrehte lachend die Augen und winkte sie zu sich herein. Glücklich riss sie die Tür auf und hüpfte hinein. Vor Linus blieb sie etwas unsicher stehen. Sie wusste nicht, ob sie ihm die Hand geben oder ihn umarmen sollte, also tat sie nichts. Seine Probleme sind meine Probleme und seine Freunde sind meine Freunde, dachte Linus und zwang Rebecka in eine kurze Umarmung.

„Hallo", sagte Linus lässig und lächelte charmant.

„Hallo", erwiderte das Mädchen.

„Wo sind die Anderen?", harkte Ruben nach.

„Sind schon rein gegangen", antwortete die Braunhaarige knapp.

Die drei redeten noch ein paar Minuten, bis es klingelte und verabredeten sich dann für die Pause.

„Ich bin noch nie so aufgeregt in die Schule gekommen", gab Linus peinlich berührt zu.

Ruben lächelte nur und blieb stehen, als er merkte, dass keiner mehr im Gang war. Außerdem war er schon vor seinem Klassenzimmer angekommen. Schnell drückte er Linus einen Kuss auf und wollte augenblicklich mehr, also zog er den Älteren noch näher zu sich und vertiefte den Kuss. Als sie hörten, wie eine Tür aufgerissen wurde, schreckten sie auseinander. Einige Sekunden später trat ein Lehrer in den Gang. Er hatte sie nicht gesehen, trotzdem hatten die Jungs gerötete Wangen und ein ertapptes Grinsen auf den Lippen.

„Herr Schütz, der Unterricht hat vor vier Minuten angefangen! Alles wartet nur auf Sie."

Linus drehte sich zu Ruben, machte einen genervten Gesichtsausdruck und lächelte dann, als er Ruben damit zum Lachen brachte.

„Bis später", meinte Linus entspannt und lief zu seinem Klassenzimmer.

Ruben trat in sein Klassenzimmer. Und setzte sich voller Vorfreude auf die Pause auf seinen Platz.

:(:

Tut mir leid, dass dieses Kapitel so kurz und kind of shitty ist. Irgendwie bin ich zu mehr heute nicht fähig..

956 Wörter

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt