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Mittwoch, 20. Juli

Morgen war der Tag. Das Essen mit Rubens Eltern. Linus hatte Rubens Vater erst einige Male gesehen und nicht wirklich mit ihm gesprochen. Manchmal hatte Linus das Gefühl, dass Ruben versuchte ihn von seinen Eltern fernzuhalten. Die Sonne ging bereits unter, Ruben hatte heute nur wenig Zeit gehabt, denn er hatte seinem Onkel kurzfristig helfen müssen.

WAS MACHST DU GERADE SO?

hatte Ruben ihm vor einer Stunde geschrieben.

SPIELPLATZ

war Linus' knappe Antwort gewesen. Seitdem hatte Ruben nicht mehr zurückgeschrieben. Linus saß auf der Stange, an der man Klimmzüge machen konnte, und schaute der Sonne beim Sinken zu. Der Himmel wurde in ein lila Licht getaucht. Der Braunäugige streckte sich etwas, um weiter in die Ferne blicken zu können. Er konnte nur erahnen, wo das Meer war. Er hörte Schritte hinter sich. Der Kies knirschte unter den hastigen Fußtritten.

„Hey, na?", fragte eine süße Stimme. Linus ließ sich nach unten hängen, sodass seine Kniekehlen das einzige waren, was ihn noch an der Stange hielt. Kopfüber sah er in die grünen Augen seines Freundes, welche ihn verliebt anstrahlten. Langsam kam Ruben auf seinen Freund zu, während er schüchtern mit seinen Fingern spielte. Er drückte dem kopfüberstehenden Jungen einen gefühlvollen Kuss auf. Die Schmetterlinge in Linus' Bauch flatterten wild umher und ihm wurde warm ums Herz. Augenblicklich begann er zu lächeln.

„Na? Wie war die Arbeit?", wollte Linus neugierig wissen.

Ruben seufzte und blickte seinen Freund entschuldigend an.

„Ganz okay. Ich habe dich vermisst. Mein Onkel hat mir aber versprochen, dass er mich die restliche Woche nicht mehr braucht, ich schwöre!", versprach Ruben.

Linus grinste unschuldig und versuchte, kopfüber mit den Schultern zu zucken.

„Wenn er dich nochmal brauchen sollte, dann lasse ich dich einfach nicht gehen." Ruben schnaubte belustigt.

„Gib mir dein Handgelenk", forderte der Jüngere plötzlich und zog einen Edding aus seiner Hosentasche. Linus hielt seinem Freund den Arm hin und dieser krämpele erst einmal dessen Ärmel nach oben. Dann zeichnete er etwas auf die Innenseite von Linus' Handgelenk. Verträumt lächelte Linus seinen Freund an und bekam erst nicht mit, dass dieser bereits fertig war. Er blickte auf sein Handgelenk. Es war wieder das selbe Gesicht wie letztes Mal.

:(:

Dick und schwarz stach es hervor und erinnerte ihn an diesen Tag. Es war der Tag gewesen, an dem Linus ihm seine Liebe gestanden hatte.

"Siehst du", sagte Ruben dann. "Kann glücklich und unglücklich sein. Vielleicht sogar zur gleichen Zeit, was weiß ich schon? Aber das ist das Leben, verstehst du?" Er tippte mehrmals auf den Smiley. "Ich muss leider schon wieder los. Bis morgen, Linus!" Mit diesen Worten drehte Ruben sich um und lief davon. Linus schaute ihm hinterher. Plötzlich blieb der Grünäugige stehen und drehte sich nochmals um.

„Ach ja, übrigens: Du siehst verdammt süß aus, wenn du so kopfüber dahängst. Vor allem deine Haare." Das Lächeln von Linus verstärkte Rubens Lächeln noch ein wenig mehr. Er drehte sich um und lief weiter. Er war schon ziemlich weit weg, als Linus abermals nach ihm rief.

„Komm nochmal kurz her", bat er. „Bitte."

Er hielt sich an der Stange fest und hatte bereits kurze Zeit später wieder festen Boden unter den Füßen. Er lief seinem Freund entgegen und griff nach dessen Händen.

„Boah, sind deine Hände kalt!", rief Linus, dachte aber nicht einmal daran, loszulassen. Stattdessen zog er ihn noch näher an sich heran. Ruben sagte nichts, sondern blickte den Älteren nur neugierig an.

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt