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Samstag, 3. Juli

Es war bereits später Nachmittag, als Ruben nach Hause musste.

„Ich begleite ihn noch ein Stück."

„Wir kommen mi-"

„Nein, das geht schon!", versicherte Linus hastig und drängte seine Freunde zurück.

„Okay", erwiderte Leo verwirrt und hob beschwichtigend die Hände. Ruben trat lachend aus der Tür, nachdem er die zwei Jungs zum Abschied umarmt hatte.

„Sehen wir uns morgen nochmal?", harkte Timo nach. Ruben dachte kurz nach und nickte dann.

„Müsste eigentlich gehen, aber ich bin mir nicht sicher." Er lächelte. Timo lächelte. Linus blickte zwischen den Jungs hin und her und trat ebenfalls aus der Tür. Schnell schloss er diese. Sie liefen los. Linus wollte nach der Hand seines Freundes greifen, doch er wusste, dass sie noch in Sichtweite waren, also hielt er genug Abstand. Dies änderte sich schleunigst, als sie um die Ecke bogen. Ruben packte seinen Freund, drängte ihn gegen den Zaun und küsste ihn stürmisch. Als sie sich nach einiger Zeit lösten, weil eine Frau in einigen hundert Metern Entfernung mit einem Hund spazieren ging, seufzten beide erleichtert.

„Wow, das war der krasseste Entzug, auf dem ich je war." Als er Rubens Blick sah fügte er schnell hinzu: „Also, ich war noch nie auf Entzug, aber..."

Dann lächelte er seinen Freund dankbar an, sie verschränkten ihre Finger miteinander und liefen weiter.

„Danke, dass du mir das Zeug gestern weggenommen hast."

Ruben lächelte nur und drückte leicht die Hand des Älteren.

„Sagst du mir dann, was sie gesagt haben?"

„Wegen wa- Ach so. Ja, mache ich."

Linus' Blick fiel auf Rubens Arm.

„Ich finde es echt mutig von dir, dass du es einfach so gezeigt hast. Ich hätte mich das nicht getraut."

„Ich finde es erstaunlich, dass Timo nichts gesagt hat. Er ist sehr ... direkt."

„Ja!", lachte Linus zustimmend.

Die Jungs genossen die Wärme der Sonne auf ihren Rücken, obwohl es nach einiger Zeit unangenehm warm wurde.

„Ich bin so glücklich, wie schon lange nicht mehr", gab Linus nach einiger Zeit des stillen Laufens zu. „Und ich meine das ernst. Normalerweise denke ich immer nur daran, wie ich mich ablenken kann, bis der Tag zu Ende geht."

„Du versuchst, den Tag zu überleben."

„Genau. Ich versuche meine Gedanken zu verdrängen, damit sie mich nicht umbringen."

Ruben rückte noch etwas näher an seinen Freund. Er kickte ein Steinchen vor sich her und schnell wurde daraus ein Spiel. Es animierte Linus zum Laufen und er spielte mit. Die Jungs kickten Steinchen hin und her, immer wieder Neue, denn die alten landeten rasch in der Hecke, auf der Straße oder im Gulli.

„Irgendwie kann ich mit dir so leicht darüber reden. Über meine Gefühle, meine ich. Mit den Jungs geht das nicht."

„Wieso nicht?"

Linus zuckte mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Sie würden mich nicht auslachen oder so. Ich kann es nur einfach nicht."

„Mh", brummte Ruben nachdenklich.

„Ich habe das Gefühl, nur du verstehst mich. Mit dir kann ich über alles reden."

Ruben antwortete nicht.

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