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Donnerstag, 24. Juni

Ruben machte einen Bogen um seine Eltern und lief ohne Frühstück zur Schule, denn sein Vater war mal wieder schlecht gelaunt. Er hatte sich vorgenommen, Linus heute noch sein Geheimnis zu verraten und sich entsprechend darauf vorbereitet. Er hatte sich Wörter zurecht gelegt, doch ebenso wusste er, dass es vermutlich ohnehin nicht so laufen würde, wie er es sich vorstellte. Er war gespannt, wie es heute laufen würde und war neugierig, über was Linus mit ihm reden wollte. Wollte er über sich selbst reden oder würde heute die Frage kommen, vor der Ruben sich schon wochenlang fürchtete?

Denk nicht so viel darüber nach, das macht es nicht besser, redete Ruben auf sich selbst ein. Du Spacko. Er musste selbst über seine Gedanken schmunzeln.

Er las die Nachricht, die er Linus gestern Abend geschickt hatte, noch einmal. Er hatte sie ihm geschrieben, als er spät abends nach Hause gelaufen war.

SOLLEN WIR UNS MORGEN GLEICH NACH DER SCHULE TREFFEN? WIR KÖNNTEN ZU UNSEREM PLATZ GEHEN, DA HABEN WIR UNSERE RUHE, WENN DU WILLST?

Linus hatte die Nachricht noch gestern Nacht – um drei Uhr Morgens – gelesen, jedoch nicht geantwortet. Ruben sperrte sein Fahrrad ab und lief in das Schulgebäude, wo Linus überraschenderweise bereits beim Kaffee Automaten wartete. Normalerweise traf Ruben sich dort jeden Morgen mit Rebecka und ihren Freundinnen, doch heute war sie nicht in Sicht. Mit einem charmanten Lächeln begrüßte Linus seinen Freund, doch seine Augen verrieten, wie nervös er war. Sie umarmten sich lange in dem unbelebten Teil des Ganges.

„Tut mir leid, dass ich dir gestern nicht mehr geantwortet habe", murmelte Linus, als er Ruben die Tür nach draußen aufhielt. „Ich wusste nicht, was ich schreiben sollte."

Ruben winkte lächelnd ab.

„Ach ja, Rebecka hat gesagt, sie sieht dich in der Pause", informierte der Ältere. Linus zog eine Schachtel Zigaretten aus seiner Hosentasche und nahm sie in den Mund. Ruben hielt er die Schachtel hin. Rubens Blick glitt für einen Moment dort hin, bis Linus die Schachtel zurückzog und schüchtern lächelte.

„Ich will nicht, dass du anfängst zu rauchen."

„Ist sowieso ungesund." Ruben zuckte mit den Schultern. „Das bringt dich um."

Linus zuckte grinsend mit den Schultern und zündete die Zigarette an.

„Das ist der Sinn dabei."

Als er Rubens Blick bemerkte lachte er und schlug ihm freundschaftlich gegen die Schulter.

„War doch nur Spaß!" Er steckte das Feuerzeug zurück in seine Hosentasche und zog sich die Kapuze seiner Jacke über den Kopf.

„Ich habe schon wieder nicht geduscht, man. Ich sollte anfangen mein Leben in den Griff zu kriegen", scherzte der Ältere.

Ruben kam Linus etwas näher und roch an ihm.

„Ich finde, du riechst gut."

Linus lächelte seinen Kumpel überfordert an.

„Du siehst auch gut." Er schlug sich symbolisch gegen die Stirn. „...aus. Ich meine, du riechst gut und du siehst gut aus.  Verdammt!" Ruben schüttelte lachend den Kopf.

„Danke für das Kompliment?", grinste er mit leicht verwirrtem Blick.

Linus war kurz davor seine Gedanken auszusprechen. Ich meine, du bist halt einfach so süß. Da kann man sich schon mal verhaspeln.

Letztenendes stöhnte er nur folgendes:

„Du bringst mich aus der Fassung, man."

„Ist das jetzt auch ein Kompliment?", harkte Ruben nach.

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