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Montag, 13. Juli

„Nein, das können wir doch nicht machen!", lachte Ruben flüsternd.

„Ach komm schon!", jammerte Rebecka und öffnete den Edding. „Wir malen ja nur einen Schnauzer oder so."

Ruben war noch immer nicht überzeugt. Dann traf ihn die Erinnerung wie ein Schlag ins Gesicht.

„Nein", sagte Ruben etwas lauter, als das Mädchen sich auf den schlafenden Linus zubewegte.

„Wieso nicht?", lachte sie. Ruben griff nach ihrem Arm.

„Weil ich auch schon mal angemalt wurde und das echt scheiße war."

„Echt?" Rebecka machte große Augen und ließ den Stift sinken. „Warst du betrunken?"

Ruben schüttelte den Kopf und fiel in sich zusammen.

„Es waren die Typen aus der Schule...", gab er leise zu und senkte den Blick.

„Was haben sie dir drauf gemalt?"

„Einen Schwanz und die Wörter Loser und Faggot."

„Oh Gott!" Rebecka blickte ihren Freund mitleidig an.

„Mit wasserfestem Edding."

„Oh Ruben! Was haben die Arschlöcher noch alles gemacht?"

Der Grünäugige brauchte einige Sekunden, um sprechen zu können. Er schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter.

„Ich glaube, es wird dir guttun, darüber zu reden, Ruby." Der Angesprochene nickte.

„Beim Schwimmen haben sie mir die Badehose ausgezogen und wollten mich aus dem Wasser zerren. Immer wieder haben sie mir Sachen hinterher gerufen, haben mich festgehalten, geschlagen, mich beleidigt und bloßgestellt."

„Kannst du mir sagen, wer es war?"

Ruben öffnete den Mund, bereit, endlich Namen zu nennen. Doch dann versiegelte er seine Lippen und blieb stumm.

„Weiß Linus davon?" Rebeckas Blick glitt zu dem schlafenden Jungen neben ihnen. Der Grünäugige schüttelte den Kopf, dann seufzte er tief.

„Ist ja auch egal. Er muss schon genug durchmachen."

„Was denn?"

Ruben zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, er redet nicht darüber. Ich glaube manchmal, dass er es selbst nicht so ganz weiß."

„Oh man...", murmelte die Braunhaarige. „Das Leben ist echt abgefuckt."

„Das kannst du laut sagen."

Plötzlich begann Linus unruhig zu werden. Es fing langsam an; er zuckte ein bisschen und brummte. Doch bereits einige Minuten später begann er sich auf dem Sofa hin und herzuwälzen. Er schwitzte, wurde lauter und sagte unverständliche Dinge. Einzelne Wörter, abgehackte Sätze. Überfordert blickten die Freunde sich an.

„Hat er das schon mal gehabt?"

Ruben schüttelte den Kopf.

„Nicht, wenn er bei mir war." Der Junge wollte gerade zu seinem Freund, um ihn irgendwie zu beruhigen, als Linus aufschreckte und die Augen aufschlug. Tränen liefen ihm die Wangen hinunter. Als er merkte, dass er angestarrt wurde, ließ er sich wieder fallen, schniefte und wischte sich die Tränen hastig weg. Dann stand er auf und lief aus dem Raum.

„Linus?", rief Ruben seinem Freund hinterher. „Alles okay?"

Traurig schaute Ruben dem Anderen hinterher, als er angestupst wurde.

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt