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Zitternd klammerte Ruben sich an seinen Freund. Er hatte das erste Mal seit langem den Druck, sich erneut selbst zu verletzen. Sein Herz drohte ihm aus der Brust zu springen und er konnte sich nur mit Mühe ein Schluchzen unterdrücken.

„Linus", flüsterte er laut und verfestigte den Griff um den Oberarm seines Freundes.

„Linus! Wach auf", flüsterte er noch etwas lauter.

Der Angesprochene rührte sich allmählich, dann öffnete er die Augen.

„Was ist? Alles okay?", fragte er müde und warf einen Blick auf die Uhr. Es war vier Uhr Morgens.

„Ich- Ich glaube, ich habe eine Panikattacke", murmelte Ruben ängstlich. Sofort war der Ältere hellwach. Er richtete sich schlagartig auf und schaltete das Licht an.

„W- Was soll ich machen? Wie kann ich dir helfen?", fragte Linus überfordert. Eine Sekunde später fiel Ruben ihm in die Arme und weinte los.

„Können wir zurück fahren?", schluchzte er. „Ich habe gerade so Angst. Es tut mir leid!" Ruben vergrub sein Gesicht in Linus' Brust.

„J- Ja", stammelte der Ältere. „Ich ... Ich habe schon gepackt, wir können sofort los."

Ruben bedankte sich leise, löste sich jedoch nicht von seinem Freund.

„Wovor hast du denn Angst? Tut mir leid, Ruben, ich bin gerade ehrlichgesagt total überfordert."

„Ich habe Angst, dass mein Vater mich schlägt und nicht mehr zu dir lässt", nuschelte Ruben gegen den Anderen. Es versetzte Linus einen schmerzhaften Stich ins Herz.

„Dann kommst du mit zu mir. Ich lasse dich nicht zu deinen Eltern, wenn die dich schlagen", beschloss Der Braunhaarige selbstsicher. Ruben sagte nichts. Er ließ sich von Linus mitziehen und stand ebenfalls auf.

„Ich muss kurz den Rucksack nehmen, okay? Kannst du auch einen-" Linus brach ab, als Ruben kaum merklich nickte und nach dem zweiten Rucksack griff. Beide schulterten die Taschen, ehe Ruben sich wieder an den Älteren klammerte. Sie liefen eine Weile, bis sie am Bahnhof ankamen. Ruben zitterte noch immer heftig, doch er schniefte nur noch ab und zu.

„Geht's schon besser?", fragte Linus besorgt. Der Andere zuckte mit den Schultern.

„Ich glaube schon ein bisschen. Danke, Linus."

Daraufhin bekam der Jüngere einen Kuss auf die Schläfe. Linus schaute im Internet nach den Verbindungen. Sie setzten sich auf eine der Bänke am Bahnhof auf Gleis 6, denn ihr Zug würde erst in 48 Minuten kommen. Sie mussten vier Mal umsteigen. die Zeit des Wartens und Zugfahrens saßen sie eng umschlungen aneinander. Linus rief widerwillig seine Schwester an, als sie um halb zehn Uhr Morgens angekommen waren. Sie ging nicht ran.

„Scheiße, die ist an der Arbeit, ich rufe Mom an."

Diese ging erst auch nicht ans Telefon, doch schließlich rief sie zurück.

„Wann kommt ihr nach Hause?", fragte sie gereizt.

„Wir sind da, kann uns jemand abholen?"

„Ihr könnt auch laufen! Wenn ich Zuhause bin, dann bekommst du was zu hören, junger Mann! Und Hausarrest bekommst du auch", rief sie verärgert.

„Aber Ruben geht's nicht so gu-"

„Ist mir scheiß-egal!"

„Aber seine Eltern-"

„Das habt ihr euch selbst eingebrockt. Ruben schickst du sofort nach Hause."

„Aber Mom, du kapierst das ni-"

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt