Plötzlich klopfte es an der Tür und Linus war noch niemals in seinem ganzen Leben so erleichtert gewesen. Er musste fast laut auflachen. Linus verlor keine Zeit und sprang auf, warf die Decke über Chanelles nackten Körper, welcher ihn noch immer kalt ließ und lief oberkörperfrei zur Tür.
Er öffnete.
„Ja?" Er fuhr sich durch die Haare und stockte, als er grüne Augen erblickte. Er erinnerte sich an die Szene, welche sich vorhin in seinen Gedanken abgespielt hatte. Fest biss er sich auf die Unterlippe, um den Gedanken zu verdrängen.
„Können wir kurz reden? Es ist wichtig." Rubens Blick glitt von Linus zu dessen Freundin.
„Jap", sagte der Braunhaarige ohne zu zögern, doch Chanelle hielt die Jungs auf.
„Könnt ihr das nicht später machen? Ruben, wir sind beschäftigt!", meinte sie aufgebracht, lächelte ihm aber dennoch nett zu.
„Es ist wichtig!", beharrte Linus und lief augenverdrehend aus dem Raum.
„Du hast noch vierzig Minuten!", rief sie ihm hinterher, dann fiel die Tür ins Schloss.
„Brauchst du Hilfe oder-"
„Du MUSST mich hier rausholen, bitte Ruben!", flehte Linus seinen Freund an. Dieser lächelte nun wissend.
„Deshalb bin ich hier. Du hast vorhin so verzweifelt geschaut, da dachte ich-"
„Danke! Tisch' ihr eine Lüge auf, egal was. Es ist mir so egal, Hauptsache ich muss da nicht mehr reingehen." Ruben betrat mit verwirrtem Blick den Raum. Natürlich war es scheiße, wenn jemand mit einem schlafen wollte, mit dem man keinen Sex wollte, aber so schlimm war das doch nicht. Selbst wenn man nicht auf das Geschlecht stand, es war kein Weltuntergang. Oder doch? Ruben konnte es sich nicht vorstellen. Der junge Mann klopfte erneut an die Tür und öffnete sie.
„Hey, Chanelle. Ich müsste Linus mitnehmen, es tut mir leid. Aber es ist echt scheiß wichtig."
„Ernsthaft?", fragte die Rothaarige ungläubig und richtete sich im Bett auf, während sie die Decke weiter festhielt. Die Enttäuschung war ihr ins Gesicht geschrieben.
„Tut mir leid", murmelte Ruben noch, bevor er die Tür schloss und erleichtert ausatmete. Als er sich umdrehte stutzte er. Linus saß auf dem Boden, die Beine angezogen, die Arme darum geschlungen und den Kopf in der entstandenen Höhle verborgen.
„War es so schlimm?", fragte Ruben belustigt.
„Ich bin schwul, natürlich war es so schlimm!", murrte Linus ohn aufzuschauen. Ruben lachte leicht und packte seinen Freund sanft am Oberarm.
„Ist ja gut jetzt, ich habs geregelt. Komm, wir verpissen uns." Mit diesen Worten zog er seinen Freund hoch und sie liefen los.
„Shit, mein T-Shirt!", fluchte Linus und machte kehrt. Vor der Tür blieb er stehen.
„Könntest du...?" Er sah seinen Kumpel mit flehendem Blick an. Grinsend verdrehte Ruben die Augen und klopfte erneut an die Tür. Keine fünf Minuten später war Linus angezogen und sie waren an der frischen Luft. Erleichtert atmete Linus aus, als sie in die nächste Straße bogen. Er streckte die Arme auf und hüpfte durch die Gegend. Ich bin frei! Er wollte es am Liebsten in die Welt hinausschreien. Linus konnte nicht anders, als zu lächeln. Er schlang seine Arme von hinten um Ruben, hob diesen hoch und rief:
„Danke! Danke! Danke!"
Dann erinnerte er sich an gestern und die Anspannung kehrte zurück. Er ließ den Jungen sofort los und blickte ihn entschuldigend an, als sie ihren Weg stumm fortsetzten. Linus suchte nach Wörtern, die er Ruben sagen könnte und fand diese schlussendlich auch.
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UPSIDE DOWN :(:
JugendliteraturWird überarbeitet ~ And suddenly life flips you upside down, and you find out that this is the right way ~ Linus ist dabei, die zwölfte Klasse zum zweiten Mal zu versauen und somit sein Abitur zu verspielen. Dass seine besten Freunde den Abschluss...
