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Mittwoch, 8. Juli

Linus saß nichtsahnend beim Frühstück, als Hannah sich plötzlich auf dem Stuhl gegenüber des Jungen niederließ und ihn angrinste.

„Und, wie wars gestern?", fragte Hannah und wackelte mit den Augenbrauen, während sie im Stuhl herumwippte.

„Es ist nichts gelaufen. Der Hund hat dezent die Stimmung versaut. Außerdem ... wäre sowieso nichts gelaufen. Glaube ich."

„Ja-ja", lachte Hannah. „Das sieht aber anders aus." Sie tippte sich an den Hals. Augenverdrehend überdeckte Linus die Stelle, an der er den Knutschfleck vermutete.

„Das bringt nichts, Kleiner. Dein ganzer Hals ist voll."

Linus grinste, während seine Wangen sich rot färbten.

Dann schimpfte Melissa ihre Tochter liebevoll, sie solle ihrem Bruder etwas Privatsphäre lassen. Linus streckte der Älteren daraufhin lachend die Zunge heraus.

In der Zwischenzeit musste Ruben sich Zuhause ebenfalls mit seiner Familie herumschlagen.

„Wo warst du gestern Nacht? Wieso hast du nicht Bescheid gesagt?"

„Ich war bei einem Freund", versuchte Ruben sich herauszureden.

„Das sieht mir aber nicht danach aus. Und wieso bist du erst um halb drei Heim gekommen?"

„Ehrlich!", beharrte Ruben geschockt.

„Und wo kommen dann die ganzen Knutschflecken her? Du bekommst keinen Ärger, Ruben, ich möchte nur wissen bei wem du warst." Der Vater lächelte seinen Sohn sanft an. Ruben seufzte tief und wich dem Blick seines Vaters aus.

„Bei Linus", antwortete er schließlich.

„Ruben! Du kannst mir sagen bei wem du warst, du bekommst keinen Ärger. Warst du bei Rebecka?"

„Was? Nein! Ich war bei Linus."

„Wieso lügst du mich an?" Enttäuscht und ein wenig verärgert blickte Rubens Vater Herbert drein.

„Ich war wirklich bei Linus, verdammt!", fluchte der Grünäugige genervt.

„Und wer war noch da?"

„Nur Linus und ich."

„Und woher kommen dann die Knutschflecken??", wollte der Vater verärgert wissen. Ruben verdrehte stöhnend die Augen, während er auf sein Handy starrte.

„Ist es so schwer zu kapieren, dass die die Knutschflecken von Linus sind?"

Ruben stand auf und wollte den Raum verlassen, doch er stockte, als sein Vater ungläubig murmelte:

„Jetzt habe ich auch noch einen schwulen Sohn..."

Ruben platzte der Kragen, er schrie innerlich. Und endlich tat er es auch äußerlich einmal.

„Ich bin ja nicht mal schwul!", brüllte er wutentbrannt. Er bekam keinen Ärger dafür, nur einen stutzigen Blick. Ruben beruhigte sich und lehnte sich gegen den Türrahmen.

„Ich hasse Labels. Ist mir doch egal, ob es ein Mädchen, ein Junge, beides oder keins ist. Hauptsache der Charakter stimmt." Dann wollte er sich endlich auf den Weg nach draußen machen, einfach abhauen und eine Weile nicht mehr wiederkommen. Doch wieder stockte er.

„Ruben", sagte Herbert in einem undefinierbaren Ton. Als Ruben hörte, wie sein Vater auf ihn zukam hatte er für einen klitzekleinen Moment Panik. Sein Vater schlang seine Arme um den Jungen und drückte ihn fest an sich.

UPSIDE DOWN :(:Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt