- Kapitel 01 -

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Amalia

Mein Wecker klingelt an einem Montagmorgen um sieben Uhr. Genervt schalte ich den Störenfried aus und drehe mich seufzend um.

Wieso muss die Schule so früh anfangen? Wieso muss ich überhaupt zur Schule? Ich hasse mein Leben, aber an fünf Tagen in der Woche tue ich dies umso mehr. Wieso das so ist werdet ihr noch schnell genug erfahren.

Wie jeden Morgen quäle ich mich unmotiviert aus dem Bett und steuere als erstes das Badezimmer an, das glücklicherweise nur eine Tür entfernt ist. So begegnet niemand meine schlechte Morgen- Laune. Oder sollte ich lieber sagen so begegne ich ihm nicht. Ich gehe auf die Toilette, putze meine Zähne und wasche mein Gesicht. Die gleiche Prozedur wie immer eben.

Ich trockne mich ab und werfe einen kurzen Blick in den Spiegel. "Du bist nicht das, was sie sagen. Und du bist auch nicht das, was er sagt. Du bist Amalia und du schaffst das", rede ich leise zu meinem Spiegelbild und versuche wie an jedem Morgen einen letzten Tropfen Motivation aus dieser kühlen Welt zu schöpfen.

Ich gehe zurück ins Schlafzimmer, nehme mir eine enge Jeans, ein Top, ein kariertes Hemd und einen BH aus meinem Kleiderschrank und ziehe alles an, ich setze mich an meinen Schminktisch und trage Puder und Mascara auf. Doch für mein Gesicht sind die Kosmetikprodukte eher sekundär gedacht. Mit Flüssigmakeup und Concealer verdecke ich die Narben auf meinem Unterarm, bis auch die letzten roten Striche sich meinem Hautton angepasst haben. Meine langen, dunkelbraunen und leicht welligen Haare kämme ich ein paar Mal durch und lasse sie mit einem Mittelscheitel offen über meine Schulter fallen. Meine Haare sind eines der wenigen Dinge die ich an mir mag. Zwar habe ich eine außerordentlich dünne Figur, was wohl daran liegt das mir viel zu oft der Hunger vergeht, trotzdem bin ich mit meiner Figur nicht sonderlich zufrieden.
Meine Brüste sind relativ klein und meine Beine sehr kurz.

Ich schlüpfe schnell in meine Vans, hänge mir meinen Rucksack über die Schulter und gehe dann runter in die Küche, wo Tamara, meine große Schwester schon mit einer Kaffeetasse in der Hand am Frühstückstisch sitzt. "Guten Morgen Liebes! Gut geschlafen?", fragt sie mich mit ihrer gut gelaunten, sanften Stimme. "Wie immer halt.", gebe ich plump zurück und setze mich an den Tisch. Ich schneide mir ein Brötchen auf und belege die Hälfte mit einer Scheibe Käse. Die andere Hälfte lege ich wieder zurück in den Brotkorb. "Willst nicht ein bisschen mehr Essen? Bis zu deiner ersten Pause sind es noch ein paar Stunden.", meine Schwester blickt mit einem kritischen Blick zu mir. Ich schüttle stumm den Kopf und kaue an meinem Brötchen rum, bis es Zeit ist mich auf dem Weg in die Schule zu machen. Bei dem Gedanken daran, was mich wohl heute wieder erwarten könnte, ist mir der Hunger vergangen.

Ich stehe auf, schlüpfe in meine Jacke und ziehe mir meinen schwarzen Rucksack auf. "Ciao Süße! Viel Spaß in der Schule und lass dich nicht ärgern!", ruft Tamara mir noch zu. "Bye Tammy...", antworte ich knapp und ziehe die Tür hinter mir zu. Ich drücke mir meine Kopfhörer in die Ohren und laufe zur Schule. Mein Weg dauert zu Fuß immer etwa fünfzehn Minuten. Manchmal fahre ich auch mit dem Skateboard aber heute ist es mir dafür zu windig.

Noch fündzehn Minuten, dann bin ich wieder in der Hölle. Am Schulgebäude angekommen schalte ich meine Musik ab, stecke mein Handy weg und ich hinein gehe. Ich laufe durch die Gänge und steuere den Weg zu meinem Klassenzimmer an. Die Tür steht offen, der Lärm der Schüler hallt bereits aus weiter Entfernung durch den Gang.

Ich bin froh das unser Zimmer schon offen ist. Andernfalls müsste ich mit meinen Mitschülern draußen auf den Gang warten und das hasse ich noch mehr. An einer abgelegenen Stelle mache ich mich dann immer so klein wie möglich und versuche unsichtbar zu sein, was aber in den seltensten Fällen funktioniert. Ich betrete das Klassenzimmer. Alle sind schon da. Sofort hören ein paar Mitschüler auf zu reden, starren mich an und ich fühle mich aprupt unwohl. Mit schnellen Schritten und gesenktem Kopf gehe ich zu meinem Platz und setze mich.

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