Irgendwann mitten in der Nacht werde ich durch ein Geräusch wieder wach. Ich reiße meine Augen auf, doch kann nichts sehen. Jedoch kann ich Luke hektisch atmen hören, was mir Angst macht. Ich schrecke auf, knipse das Licht an und schaue zu Luke, der gerade wahrscheinlich einen Alptraum hat. „Luke! Hey, wach auf!" besorgt knie ich mich vor ihn und rüttle leicht an ihm. Als ich ihn anfasse, packt er meine Handgelenke mit einem unheimlich festen Griff und er erwacht aus seinem Traum. Ich schrecke kurz auf und mustere ihn. Seine Augen sind rot, von Tränen übergossen. Er schaut mich erschrocken an, sein Griff wird immer fester, woraufhin ich die scharf die Luft einziehen muss. „Luke, ich bin es, Amalia!" japse ich und prüfe ihn eindringlich mit meinen Augen. Nach Luft ringend lässt er mich los, setzt sich auf und legt eine Hand an seine Brust. Kurz atme ich erleichtert aus und streiche über meine geröteten Handgelenke, doch Luke hat sich immer noch nicht beruhigt.
„Hey du musst atmen! So wie du es mir gezeigt hast!" rede ich auf ihn ein, nehme besorgt seine Hand. Seine Augen sind von einem ängstlichen Blick verschleiert. „Du hattest einen Alptraum, oder?" frage ich vorsichtig und versuche ihn damit wieder ein bisschen zurück in die Realität zu lenken. Er bringt ein leichtes Nicken heraus, räuspert sich tränenerstickt. Vorsichtig nehme ich sein Gesicht in meine Hände und wische seine Tränen weg. „Ich bin für dich da.." versichere ich ihm und ziehe seinen Kopf an mich heran.
Luke lehnt seinen Kopf total überwältigt gegen meine Brust und schlingt seine Arme um mich. Er muss echt schrecklich geträumt haben. Der Arme. Um ihn etwas zu beruhigen streiche ich ein bisschen durch seine Haare. „Ich konnte nichts tun, ich habe ihr nicht geholfen. Ich hätte es verhindern können!" murmelt er schluchzend. Damit meint er mit Sicherheit seine Mutter. „Hey ist ja gut...du bist nicht daran Schuld, da bin ich mir sicher!" sage ich leise und drücke ihm einen leichten Kuss auf seine Stirn.
Doch Luke schüttelt seinen Kopf, legt seine Arme fester um mich. Einige Zeit sitzen wir so da und sagen nichts. Luke beruhigt sich allmählich wieder und das ist das Wichtigste. „Komm, leg dich wieder hin." verlange ich fürsorglich, lege eine Hand auf seine Brust und dirigiere ihn wieder zurück auf das Bett. Doch Luke hält mich auf „Ich bin gleich wieder da, okay?", versichert er mir, steht auf und geht aus dem Zimmer. Ich laufe zum Fenster und öffne es. Mit dem Blick über die Stadt lehne ich mich aus dem Fenster. Etwas frische Luft könnte ich jetzt wirklich gebrauchen. Das es Luke so schlecht geht, macht mich echt fertig. Ich wünschte, er hätte diese schlimme Erfahrung nie machen müssen. Es gibt so viele Wege zu Sterben, warum musste seine Mutter genau auf diese Art und Weise von ihm gehen.
Meine Eltern starben beide bei einem Autounfall. Ein Autofahrer überholte auf der entgegengesetzten Fahrbahn einen PKW, überschätzte dabei die Geschwindigkeit und konnte nicht mehr rechtzeitig abbremsen, geschweige denn den Weg räumen. Er kollidierte mit dem Auto meiner Eltern. Tamara und ich waren an dem Tag Zuhause. Meine Schwester passte auf mich auf, als meine Eltern sich einen schönen Abend in einem Restaurant machten. Tamara und ich sahen uns an dem Abend den Film „König der Löwen" an. Wenn ich gewusst hätte, dass ich meine Eltern wenige Stunden vorher das letzte Mal sehen würde.
Trotzdem bin ich froh, dass ich nicht dabei war. Die Fotos von dem Unfall wollte ich nie sehen. Ich erinnere mich, wie Tamara an dem Abend zwei Polizisten die Tür öffnete, wie sie lautstark in Tränen ausbrach, während ich unwissend vor dem Fernseher saß. Das werde ich nie vergessen können. Zu unserem Glück war Tamara damals schon volljährig, sonst wären wir jetzt beide in einem Heim oder in einer Pflegefamilie.
Während ich gedankenverloren und mit verschränkten Armen am Fenster stehe, legen sich zwei Arme von hinten um mich. „Weinst du wegen mir?" will Luke wissen und klingt dabei etwas gekränkt. Kopfschüttelnd verneine ich seine Frage und schmiege mich etwas dichter an ihn. Seine Wärme hüllt mich direkt ein und es fühlt sich so gut an. „Tut mir leid, das eben.." sagt er leise und greift nach meinen Händen, mit dem Blick auf meine immer noch geröteten Handgelenke gerichtet. „Du musst dich nicht entschuldigen" versichere ich ihm lächelnd. Ich bin froh, dass es ihm wieder etwas besser geht. Ich weiß genau wie einen solche Alpträume fertig machen können.
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useless.
Romance》Ich fühlte mich nutzlos. Ertrunken in der Angst, in Scham und Selbsthass. Dann kam er und zog mich aus dem Wasser obwohl er selbst zu ertrinken drohte.《 Manchmal müssen wir Kompromisse eingehen aber welchen Preis sind wir bereit zu zahlen, um die L...
