- Kapitel 28 -

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Während der Fahrt schweigen wir, was mir eigentlich mehr als recht ist. Doch eigentlich warte ich nur schon auf einen weiteren Satz, der mich noch mehr in Verwirrung versetzt. Eine weitere verschleierte Information über Luke und sein Verhalten. Eine weitere Predigt, dass ich Luke sowieso nicht helfen kann dies, das.

„Ist es das hier?", erkundigt Manuel sich, bremst den Wagen auf Schritttempo ab und deutet unser Haus, das unübersehbar verlassen aussieht. Neben den hell erleuchteten Nachbarhäusern fällt es fast nicht auf. „Ja, das ist es", antworte ich ihm, woraufhin er das Auto am Straßenrand zum Stehen bringt. „Ist deine Schwester garnicht Zuhause?" will er wissen mit dem Blick auf das dunkle und verlassene Familienhaus. „Sie dürfte jeden Moment Nachhause kommen", lüge ich und will die Tür öffnen, will endlich frische Luft einatmen.

„Danke...für alles", sage ich knapp und will aussteigen, doch Luke's Vater hält mich sanft am Arm fest, lächelt mir bedrückt zu „Vergiss ihn einfach, Kleines. Er hat es nicht verdient. Und du auch nicht. Der Junge soll erstmal lernen, mit seinen Emotionen zurecht zu kommen", redet er auf mich ein, worauf ich die Lippen aufeinander pressend ihm stumm zunicke. Die passenden Worte fallen mir dazu nicht ein. Die nächste Welle Tränen schlucke ich mit voller Anstrengung herunter.

Ich steige aus dem Auto, schließe die Tür und hole noch meine Tasche von hinten. „Tschüss", verabschiede ich mich noch einmal von ihm, dann werfe ich die Hintertür zu und laufe zum Haus. Ich atme einmal tief durch, greife nach meinen Schlüsseln und stecke den Haustürschlüssel ins Schlüsselloch. Ich will nicht in dieses Haus. Nicht jetzt, nicht alleine. Ich drehe mich noch einmal um und sehe zu Luke's Vater, der mich vom Auto aus abwartend ansieht und mir zunickt. Scheinbar kann auch er es kaum erwarten, mich loszuwerden.

Genau wie Luke. Seufzend drehe ich den Schlüssel im Schloß herum, öffne die Tür und höre, als ich reingehe auch endlich, wie Manuel mit seinem Auto davonfährt.

Emotional komplett erschöpft schließe ich die Tür hinter mir und lehne mich mit dem Rücken dagegen, senke mich langsam zu Boden und beginne laut zu weinen. Das einzig Gute an dieser scheiß Situation ist eigentlich nur, dass ich jetzt endlich mal alleine bin. Und Luke, sein Vater oder Tamara können nicht weiter auf mich einreden . Wie kann ein einziger Streit alles kaputt machen? Ja, ich kam zu spät, ich habe die Zeit vergessen und mein Akku war leer. Warum musste Luke aber deswegen alles gleich beenden? Alles schöne, was zwischen uns war zunichte machen.

Habe ich mir vielleicht zu viele Hoffnungen gemacht? Dachte ich ernsthaft, das zwischen uns hätte etwas ernsteres werden können? Wahrscheinlich war ich für ihn nur ein Spiel, eine dumme Wochenendbeschäftigung. Das Mädchen, das niemand liebt. Die man ganz leicht um den Finger wickeln kann. Die man dann einfach wieder wegschicken konnte, wenn einem danach war. Wenn sie ihren Nutzen erfüllt hatte. Und sie in seiner Gegend nur noch als nutzlos erschien. Diese Gedanken tun weh, aber sie klingen logisch. Und ich war es auch nicht anders gewohnt, so behandelt zu werden. Außer vielleicht von meiner Familie, von der inzwischen nur noch meine Schwester als diese fungiert.

Warum sonst sollte es Luke so leicht fallen, mich rauszuschmeißen? Mir zu verbieten, mich bei ihm zu melden. Ihn anzurufen, ihm zu schreiben, zu ihm Nachhause zu kommen. Ein Schnips mit dem Finger und er konnte alles vergessen, was zwischen uns war. Er gab mir nicht einmal die Chance mich zu entschuldigen, mich zu erklären.

Und ich wäre wahrscheinlich noch so naiv gewesen und hätte ihm verziehen. Obwohl er mir weh getan hat, mich verletzt hat, erniedrigt und beleidigt hat, hätte ich gerne seine Beweggründe erfahren. Obwohl er mir tierische Angst eingejagt hat, hätte ich ihn wahrscheinlich wieder an mich ran gelassen. Wie weit wäre ich wohl gegangen? Was hätte ich gemacht, damit er mir verzeiht, wir reden können. Über dieses kleine dumme Missverständnis. Denn mehr war es nicht.

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