62 - Wolf vs. Beute
"Die Menschen sind äußerst seltsame Tiere. Sie haben kein Fell und gehen auf ihren Hinterbeinen, mit ihren Vorderbeinen können sie Sachen greifen und festhalten." Lou starrte mich an als wäre ich eine einäugige Kuh. "Sie haben kein Fell und gehen auf zwei Beinen? Wie können sie denn dann überleben?" "Das ist es ja, Lou. Sie können weder gut sehen, noch hören oder riechen. Sie sind langsam und ängstlich. Ohne Fell erfrieren sie in kalten Gegenden. Sie haben keine spitzen Zähne oder Krallen." "Die sind doch bestimmt schon ausgestorben.", meinte Lia misstrauisch. "Nein. Es gibt einen Trick, der ihnen hilft zu überleben. Sie sind schlau, sehr schlau. Sie können aus Erde, Schlamm und Ästen eine Höhle bauen, die sie schützt. Um nicht zu erfrieren, können sie sich ein Fell basteln. Sie können mit Materialien, die unendlich tief in der Erde verborgen sind, Maschinen bauen, die Tiere auf weite Entfernung nur durch eine Berührung töten können." "Dann sind sie bestimmt sehr gefährlich." "Im Prinzip schon. Aber nur wenige Menschen haben eine solche Maschine bei sich. Sie haben Angst vor uns und gehen uns normalerweise aus dem Weg. Dann gibt es aber auch Menschen, die euch toll finden und euch untersuchen wollen, um mehr über euch herauszufinden. Diese nennt man Forscher. Doch dann gibt es auch noch eine weitere Art. Böse Menschen, die euch töten wollen, weil ihr zum Beispiel ihr Futter genommen habt. Sie lagern es auf seltsamen Wiesen mit Zäunen darum, so einer wie bei uns hier. Von diesem Futter solltet ihr euch fernhalten. Menschen sind normalerweise friedlich, aber wenn sie sich angegriffen fühlen, verteidigen sie sich voller Angst und das kann böse ausgehen. Also, um auf der sicheren Seite zu bleiben, wenn ihr einen Menschen riecht oder hört, lauft am besten in die andere Richtung, das ist am sichersten. So, jetzt aber genug mit den Schauergeschichten, jetzt erzähle ich eine richtige Geschichte. Es war ein mal ein kleiner Wolf, der sprang fröhlich durch eine Blumenwiese. Da traf er den Fuchs. 'Hallo Fuchs!', rief der Kleine..."
Schon bald waren sie eingeschlafen und auch ich schloss erleichtert die Augen.
>>>>>>>
Geweckt wurde ich gegen Mittag von Geheule. Alarmiert riss ich die Augen auf und schaute mich in Erwartung einer Gefahr wild um. Als ich jedoch Schnee ins Gesicht bekam, stellte ich fest, dass es nur Lia und Lou waren, die draußen spielten. Wobei sie den Schnee scheinbar mit der Kraft einer Pistenraupe aufwirbelten, denn er flog bis in die bis dahin noch angenehm warme Höhle. Niesend und spuckend tappte ich nach draußen und bekam mit, wie Lia jaulte: "Du böser Mensch mit fiesen Maschinen! Ich werde dich besiegen!" Lou wand sich unter ihr hervor und knurrte zurück:" Nein, ich bin ein Forscher und will dich untersuchen!"
Ich schnappte Lou, der drohte seine Schwester zu ersticken, am Nackenfell und murmelte: "Wenn ihr schon so viel Energie habt, könnt ihr mir gleich mal beim Jagen zusehen. Los los, heute gehen wir zum ersten Mal raus. Ihre Augen leuchteten sofort auf als hätte ich ihnen Muffins zum Frühstück serviert und Schokosauce... ok, ich schweife ab.
Ich stieß mit meiner Schnauze das Tor auf und lotste die Kleinen nach draußen. Sie waren absolut begeistert und sprangen allem, das sich bewegte hinterher, was herabfallende vertrocknete Blätter und meinen Schwanz inkludierte. Sie kämpften sich durch den Schnee und machten dermaßen Lärm, dass ich heute keine Beute mehr erwartete. Ich ermahnte sie mindestens eine Trillion mal, leise zu sein.
Schlussendlich blieb ich auf einer Lichtung stehen und drehte mich zu ihnen um.
"Na Kinder, sagt mir mal, was ihr für Tiere riechen könnt."
Sie schnupperten begeistert. "Wolf!", meinte Lou. "Das bin ich, mein kleiner Dummkopf.", schmunzelte ich.
"Eichhörnchen!", meinte Lia plötzlich. "Ja, du hast recht." "Und Kaninchen!", steuerte Lou bei. "Genau. Aber schnüffelt mal genauer. Riecht ihr das? Ihr kennt es wahrscheinlich nicht, aber es ist eine unserer Hauptnahrungsquellen. Ein Reh. Merkt es euch." Sie nickten begeistert und tapsten mir hinterher, als ich die Spur verfolgte. Nach weiteren Ermahnungen endlich leise zu sein, wurden sie ernster und schlichen hinter mir her. Bald konnte ich das Tier hören, das einige Tannennadeln von einem Baum knabberte. Ich machte einen Bogen um den Wind nicht im Rücken zu haben und ermahnte die Kinder, bei dieser Wurzel zu bleiben und nur zuzusehen. Ich schlich mich langsam an das Reh heran, das jetzt an der Rinde eines jungen Baumes knabberte. Ich duckte mich in den Schnee und machte mich zum Sprung bereit. Da unterlief mir ein Fehler. Ich strich mit der Pfote an einen kleinen blattlosen Busch. Der Schnee, der darauf lag, rieselte nach unten. Das war genug für das Reh, kurz in meine Richtung zu sehen. Natürlich entdeckte es mich und wir sprangen gleichzeitig los. Ich machte einen weiten Satz, doch das Tier entkam meinen Fängen um Millimeter. Ich hetzte hinterher, doch ich wusste, dass das Reh schneller als ich war. Das war der Nachteil an meiner Größe. Die Beute war direkt vor mir, doch ich erreichte sie nicht. Als mir das Tier gerade entkam, passierte etwas Erstaunliches. Das Reh war direkt auf Lia und Lou zugelaufen, die sich nun beide fest im Fuß der Beute verbissen hatten. Das Tier schleifte sie zwar mit, doch es wurde erheblich langsamer, was genug für mich war. Mit einem Satz hatte ich es erreicht und schleuderte es zu Boden, wo ich ihm die Luft abdrückte. Hechelnd sah ich zu meinen Kindern, die sich ein wenig angeschlagen, aber unverletzt aus dem Schnee gruben. Ich leckte ihnen erleichtert die Köpfe und meinte gleichzeitig stolz und vorwurfsvoll: "Kinder, was denkt ihr euch denn? Das war unglaublich gefährlich! Stellt euch vor das Reh hätte euch gegen einen Baum geschleudert, oder euch getreten. Andererseits wäre es ohne euch entkommen. Aber tut so etwas nie wieder!" Sie nickten schuldbewusst, doch als Belohnung für ihren Mut teilte ich ihnen die saftigsten Fleischstücke zu. Ich zeigte ihnen, welche Bereiche am besten schmeckten, welche man länger aufbehalten konnte und welche ungenießbar waren. Sie waren sehr erstaunt, als ich ihnen erzählte, dass wir auch die Knochen fraßen, wegen des Knochenmarks.
Mir wären ja Kekse auch lieber, aber tja, wildes Leben!
__________________________
Wolf fact: Wölfe können dazu beitragen, Hochwässer, Lawinen und Muren zu verhindern. Und zwar indem: Wild (Rehe, Hirsche) zieht durch Anwesenheit der Wölfe im Wald mehr umher > bleiben nicht an einer Stelle > Vegetation kann nachwachsen > Schutzwälder werden effektiver und Erosion wird verhindert.
_________________________
Ganz schön langer fact heute xD Ich war heute schnell am rumklicken und hab mich verlesen xD Ich dachte meine Story hat den Namen in 'Allein unter Muffins gewechselt' ^^
DU LIEST GERADE
Allein unter Menschen!
LobisomemNormal sein ist relativ. Jedenfalls für Caroline. Während andere bei dem Gedanken, ein Werwolf zu sein, vermutlich panisch geworden wären, hatte sie samt ihren drei Geschwistern bereits seit ihrer Kindheit Zeit, sich damit abzufinden. Werwolf von Ge...
