9 - Seltsame Begegnungen
Na das konnte was werden. Seufzend suchte ich nach den richtigen Worten.
»Ich war wütend, weil die uns eiskalt trennen wollen. Da bin ich einfach weggerannt. Mom, ich hab total Angst vor der Schule.« Mann klang das schnulzig.
»Ach Schatz. Du musst verstehen, du kannst nicht immer mit deinen Geschwistern zusammen sein. Besser ihr lernt, jetzt mit der Welt klarzukommen. Stell dir mal vor du kannst später keinen vernünftigen Job bekommen, weil du nicht mit anderen Menschen reden willst. Und was die Schule angeht, ich werde euch begleiten, bis vor die Klassentüre. Wenn deine Mitschüler gemein sind, denk daran. Du bist ein halber Wolf, und Wölfe kann nichts einschüchtern, sie sind immer stark. Also ignoriere diese Lügner einfach.«
Sie drückte mir einen Kuss auf die Stirn und meinte: »Noch etwas. Du darfst niemanden von dem Wolf in dir erzählen, geschweige denn dich in der Öffentlichkeit verwandeln. Wenn jemand es erfährt, müssen wir die Stadt verlassen und womöglich sogar unsere Identitäten ändern.«
Und dann erzählte sie mir, wie sie früher einmal fast enttarnt wurde und jemand sie im Zoo ausstellen wollte. Nun kapierte ich, wie wichtig die Geheimniswahrung war.
Allerdings, war das nicht immer so? In allen Superheldenfilmen, hatten die eine geheime Identität. So quasi nach dem Motto: Ja ja, rette die Welt, nimm alle Strapazen auf dich, aber wehe du verrätst das du es warst. Und jedesmal fand jemand das Geheimnis heraus und brachte alles durcheinander.
Am nächsten Morgen konnte ich die Treppen sogar innerhalb von 10 Minuten erklimmen und nach einer Woche waren meine Wunden verheilt.
An diesem Morgen wachte ich zum ersten Mal ohne Schmerzen auf. Ich betastete begeistert meine Seite, um festzustellen, dass nur mehr eine helle Narbe dort war, die sich von meinem Oberschenkel bis zum Brustkorb erstreckte. Sie war allerdings sehr dünn und fiel nicht stark auf, ich kümmerte mich nicht weiter darum.
Sofort stürmte ich nach nebenan, wo Sophia auf dem Bett lag und zeichnete. »Wollen wir jagen gehen? Ich bin wieder gesund!« quiekte ich begeistert und hyperaktiv. Eindeutig zu wenig Snickers gegessen.
Sofort erschien ein Lächeln auf ihrem Gesicht und wir überredeten Anna, die sich gerade die Fußnägel lackierte, mitzukommen. Nick begleitete uns freudig und wir rannten in den Wald. Ich hüpfte über eine Wurzel und verwandelte mich. Endlich konnte ich wieder rennen!
Die anderen lachten über mich, als ich wie ein Welpe Schmetterlingen nachjagte, mich am Boden wälzte und herumtollte. Doch dann war doch ich es, die die Spur des Wildschweines fand. Das Tier war ein harter Gegner, und wir mussten lange kämpfen, doch schließlich konnten wir uns sattessen.
Der mittlerweile schon etwas herbstliche Wald rauschte im Wind, als wir zurückgingen. Doch ich wollte noch nicht heim, so verabschiedete ich mich und streifte auf eigene Faust durch den Wald. Ich fand ein paar sonnengewärmte Steine und legte mich darauf, den Kopf auf den Pfoten. Es war mollig warm, und so schloss ich die Augen und döste.
Nach einiger Zeit ließ mich plötzlich ein Geräusch hochfahren. Ich hob den Kopf, stellte die Ohren auf und blickte von den hohen Felsen hinunter. Dort war jemand. Moment. DORT WAR JEMAND! Ich fixierte ihn mit meinen gelben Augen, und wir schauten uns lange an, ohne dass sich jemand bewegte.
Der Junge war offenbar in meinem Alter und besaß braunes Haar und gleichfarbige Augen, die seltsame goldene Sprenkel hatten. Er schaute ziemlich ängstlich drein. Mir wurde bewusst, wie das wahrscheinlich für ihn aussah, eine rotbraune hübsche Wölfin, die auf einem Stein liegt und ihn einfach nur starr ansieht, als hätte sie Tollwut.
Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis ich an Mamas Warnung dachte und mich erhob. Sofort bewegte auch er sich und ging ein paar Schritte zurück. Ich warf einen letzten Blick auf ihn, drehte mich um und sprang vom Felsen.
Meine Pfoten kamen auf dem Boden auf und sofort sprang ich zwischen den Büschen davon.
___________________________________
Höhöhö wenn ihr jetzt denkt: die kommen fix zusammen, das ist doch immer so! Lasst euch nicht täuschen, ich habe noch einige Ideen auf Lager... [:
________________________________
Lehrbuch der Werwölfe:
Kapitel 9: Instinkt
Werwölfe haben im Grunde genommen die gleichen Instinkte und Bedürfnisse wie echte Wölfe, nur sind die meisten leicht zu unterdrücken. Leichte Instinkte sind zum Beispiel Hunger, Durst, Paarungstrieb, Fluchtverlangen, Spielverhalten und Revierverteidigung. Diese kann man leicht bis eher schwieriger unterdrücken. Schwere Instinkte sind zum Beispiel Mutterinstinkte. Weibliche Werwölfe können gar nicht anders, als auf Geräusche von Wolfsjungen zu reagieren. Auch ein sehr starker Instinkt ist das Beschützen. Um sein Rudel zu verteidigen würde ein Werwolf sein Leben geben. Hier ist zu bemerken, dass echte Wölfe dies manchmal nicht tun. Beim Verletzungsinstinkt weiß ein Werwolf sofort, was er tun muss um die Wunde zu versorgen und flüchtet, egal ob er bleiben will oder nicht. Ein besonderer Instinkt ist der Angriffinstinkt. Dieser Instinkt verbietet es einem, Menschen zu beißen. Menschen werden nur gebissen wenn sie den Werwolf stark reizen oder das Rudel bedrohen. Kinder oder Jugendliche werden nicht angegriffen, weshalb es auch keine Kinder-Werwölfe gibt. (Ausnahme: natürliche Werwölfe! Siehe Kapitel 22) Doch Vorsicht! Während der Vollmondverwandlung ändern sich die Instinkte, während dieser Zeit ist man besonders agressiv und kann somit auch Kinder angreifen, die dies aber meistens nicht überleben.
DU LIEST GERADE
Allein unter Menschen!
WerewolfNormal sein ist relativ. Jedenfalls für Caroline. Während andere bei dem Gedanken, ein Werwolf zu sein, vermutlich panisch geworden wären, hatte sie samt ihren drei Geschwistern bereits seit ihrer Kindheit Zeit, sich damit abzufinden. Werwolf von Ge...
