35 - Das Knurren des Todes
Ich war echt am erfrieren. So kalt war mir noch nie gewesen. Der einzige Grund, warum ich diese vereiste Jacke noch trug, war, dass sie den beißenden Wind abhielt, der mich offenbar am liebsten in den Film Frozen befördert hätte. Auch wenn Olaf jetzt um die Ecke gekommen wäre, hätte ich mich nicht wirklich gefreut, es war einfach zu kalt. Ich hechtete in die Höhle und zitterte, als würde ich auf einer Waschmaschine sitzen, die gerade im Schleudergang war.
Es gab nur eines, was mich jetzt wärmen würde. Genervt beobachtete ich, wie der Vollmond viel zu langsam über den Horizont stieg. Dieses mal war es mir sowas von egal, dass ich zur Bestie werden würde, ich wollte einfach nur die Wärme zurück.
Es war, als würde ich in eine heiße Badewanne getaucht werden. Ich ließ mich in die Wärme fallen und schloss meine nun roten Augen.
Hmmmmm.... schön warm. Ich öffne die Augen und sehe mich um. Das Rudel versammelt sich in der Höhle. Aber ich will nicht, ich laufe nach draußen. Heute gehe ich alleine auf die Jagd. Ich kann mich beweisen. Ich erwische ein Reh und schleppe es zur Höhle. Alpha leckt mir stolz die Ohren. Alle Fressen gemeinsam vom Reh.
Nach dem Essen lege ich mich gelangweilt in die Wiese. Plötzlich spüre ich spielerische Zähne im Nacken. Huh? Was ist das denn? Anna! Sie will offenbar kämpfen! Ich drehe mich herum und schubse sie runter. Sie rollt sich durchs Gras und ich werfe mich auf sie.
Wir tragen einen Scheinkampf aus, als wären wir Welpen, aber es macht Spaß. Mit hängender Zunge setze ich mich auf. Plötzlich höre ich ein seltsames Geräusch. Meine Ohren zucken. Was war das? Ein leises Brummen, es kommt von der Küste. Verwundert drehe ich den Kopf. Droht Gefahr? Das muss ich herausfinden!
Ich laufe los und weiche den Bäumen aus. Meine Muskeln spannen sich an. Bald erreiche ich die Klippe. Ich springe über Felsen und aus dem Wald hinaus. Dann klettere ich den Steilhang hinauf. Hinter mir rieseln Steinchen nach unten.
Weit entfernt heulen die anderen, sie fragen, was los ist, sind besorgt. Ihre Stimmen vereinen sich zu einem vielstimmigen Ton. Ich laufe weiter.
Jetzt bin ich oben. Ich stelle mich an die Kante und suche die dunklen Wassermassen unter mir ab, die Wellen sind hoch. Der Vollmond beleuchtet die Gegend.
Dort ist was. Ich höre immer noch das Brummen und entdecke den kleinen dunklen Fleck auf dem Meer sofort. Der Fleck bewegt sich auf die Insel zu. Ist das ein Boot? Was macht das hier?
Jedenfalls droht keine Gefahr. Ich rufe das Rudel mit einem Heulen.
Bald erscheint die Alpha neben mir auf der Klippe. "Warum kommt ein Boot hierher?" Knurre ich misstrauisch. Ihre roten Augen blitzen auf. "Ich weiß es nicht, aber es bedeutet frisches Menschenfleisch!" Nun bekomme auch ich Hunger.
Der Rest des Rudels erscheint auf der Klippe. Wir alle starren hungrig auf das sich nähernde Gefährt. In ihren roten Augen ein grausames Glitzern, der Speichel tropft von den gefletschten Zähnen.
Das Beutefahrzeug erreicht die Küste. FRESSEN! Die dumme Beute. Sie finden nicht den geeigneten Anlegeplatz und ankern an der Klippe. Dort unten befindet sich ein kleiner Streifen Sand, der auf der linken Seite von der hohen Klippe begrenzt ist. Die Menschen sind nicht besonders helle. Jetzt können sie nur in eine Richtung flüchten.
Ein paar Beutestücke hüpfen in den nassen Sand. Von hier oben gibt es einen kleinen Weg nach unten, nach oben kann man nicht, da es so steil ist.
Der Leitwolf knurrt. Das ist das Zeichen zum Angriff. Ein Knurren genügt und die todbringende, gefährliche Wolfsmeute rast los, halb wahnsinnig vor Hunger und mit nur einem Ziel: Fressen.
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Allein unter Menschen!
WerewolfNormal sein ist relativ. Jedenfalls für Caroline. Während andere bei dem Gedanken, ein Werwolf zu sein, vermutlich panisch geworden wären, hatte sie samt ihren drei Geschwistern bereits seit ihrer Kindheit Zeit, sich damit abzufinden. Werwolf von Ge...
