60 - Babysitting

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60 - Babysitting

"Oh Gott. Anna, übernimmst du bitte mal?"

Es war der nächste Tag und ich war völlig fertig. Die Kleinen hatten jeden von uns mindestens drei mal in der Nacht geweckt und um sich getreten. Ich fühlte mich, als wäre ich durch einen Mähdrescher gefräst worden. Anna tappte müde in die Höhle hinein und legte sich gähnend auf mich drauf. Ich muffelte mich unter ihr hervor und kroch mit zerzaustem Fell aus dem Bau hinaus. Kurz genoss ich die angenehme Kühle des Schnees unter mir, dann hievte ich mich hoch und trippelte müde aus dem Gehege hinaus. Fast einschlafend stapfte ich auf das Haus zu, wo ich fast gegen die Terrassentür streifte und hinfiel. Ich schaffte es ohne schlimmere Verletzungen das oberste Stockwerk zu erreichen und die Dusche anzuschalten, wobei das Wasser natürlich wieder auf eiskalt gestellt war. Durch den beinah gefrorenen Wasserstrahl wurde ich wenigstens wach und ich bewegte mich nach der entmüffelnden Dusche erfrischt hinunter in die Küche, die noch menschen- und werwolfsleer war. Fahrig macht ich mir Cornflakes und genoss den kurzen Moment der Ruhe, der diesmal nicht von quengeligen Wolfswelpen gestört wurde. Doch meine erholsame Zeit wurde von etwas anderem unterbrochen. Dad kam über die Terasse in die Küche. Sein Kopf war unnatürlich rot und ich ahnte Schlimmes.

"Warum zur Hölle ist da ein Gehege im Wald?", fragte er eisig. Ich antwortete genau so kalt: "Ihr hättet sie niemals bleiben lassen. Also habe ich die Initiative ergriffen und ihnen ein Zuhause gegeben, Dad." Er schnaufte tief ein und aus und versuchte sich zu kontrollieren. "Sag mal spinnst du eigentlich? Du bringst uns alle in Gefahr!" "Nein, tue ich nicht! Ich übernehme die komplette Verantwortung." "Na, das hoffe ich auch. Dann kannst du den Behörden erklären, warum du illegal Wölfe im Wald hältst. Und ich werde sie definitiv nicht versorgen! Wenn sie also von der Tierschutzbehörde mitgenommen werden oder verhungern, komm nicht zu mir um dich auszuheulen!" Er drehte sich um und verschwand.

Ich starrte ihm mit offenem Mund hinterher. Ich hätte nie von ihm erwartet, so etwas zu sagen. Verzweifelt verließ ich das Haus und stapfte zurück zu unseren Schützlingen. Zu meiner Überraschung standen Hannah und Tom vor dem Höhleneingang. Verdutzt blickte ich sie an. Hannah lächelte. "Wir würden auch gerne helfen." Ich schnaufte dankend und deutete ihnen, die Höhle zu betreten. Die beiden quetschten sich in den Eingang, währen ich draußen im Schnee blieb. Anna trat zu mir. Sie stupste mich leicht mit der Schnauze an und meinte: "Hannah übernimmt die nächste Warmhalte-Etappe. Hol dir ein wenig Schlaf. Siehst du, wir schaffen das. Keine Sorge." Ich nickte abwesend. An Versorgung mangelte es nicht, doch was war, wenn wirklich Tierschützer hier ankamen? Mir war schlecht vor Sorge, doch ich versuchte trotzdem, mir ein wenig Schlaf zu holen.

Der Rest der Winterferien war unglaublich stressig. Obwohl fast das ganze Rudel mithalf, musste zu beginn immer jemand bei Lia und Lou sein. Meine Geschwister und ich übernahmen das meiste, besonders ich. Ich wollte den Kindern die Mutter ersetzen und war fast immer bei ihnen. Schließlich hatten sie sich meinen Geruch bereits eingeprägt und ich konnte sie nicht allzu lange alleine lassen, da sie sofort quengelig wurden, wenn jemand anderes bei ihnen war. Ich bekam also kaum noch Schlaf, dennoch war es ein Privileg, sie über zwei Wochen zu beobachten. Man konnte deutlich sehen, wie sie sich erholten und wuchsen. Sie begannen Fleischbrei zu fressen und in der Höhle zu spielen. Erstaunlicherweise begannen sie sich in dieser Zeit auch zu verständigen. Ich konnte sie problemlos verstehen, meine Geschwister ebenso. Doch noch erstaunlicher war es, dass alle anderen es nicht konnten. Ich vermutete, es lag mit unseren besonderen Kräften zusammen, die uns der Blutmond an unserer Geburt verliehen hatte. Doch diese Kräfte, von denen ich bisher nicht wirklich viel mitbekommen hatte, konnten nicht verhindern, dass Luca mal wieder seine Neugier zum Verhängnis wurde. Ich hätte es erwarten müssen, doch trotzdem stand er überraschend einfach so im Wald. Und ich Trottel hatte nicht bedacht, dass er sich öfters hier herumtrieb. Jedenfalls starrte er den Zaun verdutzt an, während ich im Höhleneingang saß und mich nicht rührte, in der Hoffnung er würde mich nicht sehen. Doch falsch gedacht. Er erblickte mich und riss die Augen auf. "Was zum.." murmelte er, während ich ihn anstarrte und hoffte, er würde einfach verschwinden. Plötzlich kam mir jemand zu Hilfe. "Lass sie in Ruhe. Sie kam zu uns, da sie die Jungen alleine nicht versorgen konnte. Geh bitte und frag um Gottes Willen nicht nach." Mein Kopf schoss herum. Mein Vater kam durch den hohen Schnee auf uns zugestapft! "Aber.. Aber..", stammelte Luca, während Dad ihm eine Hand auf den Rücken legte und ihn Richtung Haus schob. Einige Minuten vergingen, während mein Vater den zu neugierigen Idioten verscheuchte. Dann hörte ich ihn zu mir kommen. Schweigend öffnete der Alpha das provisorische Tor der Umzäunung, dann trat er zu mir. Ich legte die Ohren zurück. Doch zu meinem Erstaunen meinte er: "Es tut mir leid, was ich zu dir gesagt habe. Ich hätte dir nicht solche Angst machen sollen." Ich schüttelte den Kopf. "Nein, mir tut es leid, ich habe einfach entgegen eurer Entscheidung gehandelt und sie behalten." "Das ist eine natürliche Reaktion. Gegen den Mutterinstinkt, den stärksten aller Instinkte, kommt man nunmal nicht an. Und manchmal ist das, was für das Rudel das beste ist, nicht das Beste für die Familie." Ich sah ihn dankbar an und hatte ihm bereits verziehen. Dad verwandelte sich und quetschte sich zu mir in die Höhle, wo er die beiden Welpen beschnüffelte, die ihn leicht ängstlich ansahen und sich aneinander kuschelten. Er lachte leicht. "Noch sind sie vergleichsmäßig ruhig. Warte mal, bis sie das erste Mal die Höhle verlassen. Es wird dir den letzten Nerv rauben."

"Das tut es jetzt schon, Paps. Das tut es jetzt schon."

"Na wie gut dass du da nicht alleine durchmusst."

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Wolf fact: Bei Wolfswelpen brechen zuerst die Schneidezähne, dann die Eckzähne aus dem Zahnfleisch.
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Moment, hier muss ich was zu sagen :D obwohl die Welpenentwicklung bei Wölfen sehr schnell vorangeht, habe ich das Wachstum hier einfach mal ca. eine Woche beschleunigt :P ging nicht anders, weil sie sonst mit in die Schule kommen müssten, und das wäre eher schlecht xD seid mir nicht böse

Allein unter Menschen!Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt