71 - Paranoia
Ich rannte. Meine Lungen versuchten panisch, genügend Luft in meinen Blutkreislauf zu bekommen, während meine Pfoten auf den Boden trommelten. Der Nebel wand sich hinter mir auf dem Boden wie eine ätzende Flüssigkeit, die sich nichts sehnlicher wünschte, als mich zu verschlucken und zu ersticken. Ich beschleunigte nochmals, doch der Dunst holte sofort auf. Un mich herum wurde es immer dunkler, ich sah nicht mehr, wohin ich rannte und plötzlich brach mir der Boden unter den Füßen weg. Ich knallte auf die harte Erde, strampelte, musste zusehen wie der Nebel meine Hinterläufe erreichte...
und das ganze Erdreich sackte ab. Ich wurde in einen Strudel aus schwerem Humus gesogen, der mich geradewegs nach unten trug. Ich fühlte mich, als würde ich in die Hölle fallen, als ich schließlich auf schmerzhaft hartem Boden aufkam. Ich versuchte mich loszustrampeln, doch immer mehr Erde stürzte rauschend auf mich nieder und ich rang nach Luft. Erst als die Massen zum Stillstand gekommen waren, konnte ich mich aus dem Haufen herausgraben.
Ich schüttelte mir die Brocken aus dem Pelz und versuchte mich zu orientieren. Es war stockdunkel. Und mit stockdunkel meine ich das auch. Selbst ich konnte nichts mehr erkennen. Verwirrt machte ich einen Schritt vorwärts und stoppte gleich wieder. Dort könnte ein Abgrund liegen und ich würde es nicht merken. Das Seltsame war, dass ich auch keinen einzigen Lufthauch spüren konnte, und noch seltsamer war, dass ich nichts riechen konnte. Die Luft stand komplett still. Verängstigt legte ich die Ohren fest und realisierte im selben Moment, dass ich auch nichts hören konnte. Das versetzte mich zunehmend in Panik. Alle Wölfe verließen sich zu 100% auf ihre Sinne, so auch ich. Man hörte immer etwas, sei es ein entferntes Flugzeug, eine piepsende Maus im Boden oder auch der eigene Atem - die komplette Stille machte mir Angst. Um mich herum könnte alles sein und ich würde mich nicht verteidigen können. Meine Haare stellten sich auf, alle restlichen Muskeln froren ein. Ich war kurz davor, ohnmächtig zu werden, als von irgendwoher ein Windstoß fegte. Ich wollte gerade aufatmen, als die Luft einen Geruch mit sich trug. Ed roch nach Gefühlen. Traumlogik halt. Sie verursachten Schmerzen. Er war dumpf, doch wirkte beinahe real.
Dumpfe Trauer trieb mir Tränen in die Augen. Wut zerfraß meine Geruchsknospen. Misstrauen stocherte mit scharfen Spitzen in jedem Winkel meiner Nase herum. Verachtung trat gegen meine Geruchsnerven. Und die Angst flüchtete durch meine Nase, schoss die Geruchsnerven hinauf und bohrte sich spitz in mein Gehirn. Schreiend und nass geschwitzt fuhr ich hoch.
"WAS? WER STIRBT HIER? HILFE?", kreischte Anna im Bett gegenüber und fiel fast herunter. Alle murmelten durcheinder und das Licht wurde angeschaltet. "Caro? Alles in Ordnung? Du bist wahnsinnig blass.", fragte Sophia besorgt. "Ja ja, geht schon.", meinte ich und versteckte meine zitternden Hände unter der Bettdecke. "Ich hatte einen Alptraum und im selben Moment ist irgendeine Fliege oder eine Spinne auf meine Wange gefallen und hat mich panisch aufgeweckt." "Sicher? Brauchst du ein Wasser oder so?" "Nein danke, schlaft weiter.", log ich. Für Wasser müsste ich aufstehen, und ich war mir unsicher, ob mich meine Beine im Moment tragen könnten. Vorsichtig legte ich mich wieder hin und rollte mich in meine vollgeschwitzte Decke ein. Mich wunderte sowieso warum noch kein Lehrer auf der Matte stand und kontrollierte, warum sich eine Schülerin die Seele aus dem Leib schrie. Der Phantomschmerz in meiner Nasenregion verebbte nach und nach, doch ein neues Gefühl formierte sich. Es war unangenehmer als Schmerz, dumpf, vorhanden aber schwer zu lokalisieren. Es war eher eine dunkle Vorahnung...
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Den ganzen Morgen über war ich verstört und misstrauisch. Jede einzelne Tischkante wurde zur tödlichen Falle und ich vermied es paranoid, auf auffällige Risse oder Linien im Boden zu treten. Ich schaffte es jedoch, das Frühstück ohne eine Gabel im Auge oder fehlende Körperteile zu beenden und konnte mit den anderen in die Eingangshalle gehen, wo wir uns zu unserer Gruppe gesellten. Heute würden wir rodeln gehen. Die dazu benötigten Gefährte standen in einer Ecke und wir konnten uns eine Aussuchen. Ich betrachtete misstrauisch die scharfen, silbernen Kanten. Ich blickte mich misstrauisch um und fragte mich, ob ich nicht doch noch zur Schneemannbau-Gruppe einiger kleiner Kinder flüchten sollte. Manchmal kamen Kindergartengruppen hier für ca. einen Tag hoch, um den Pimpfen auch etwas Schnee zu gönnen, obwohl man sie ständig davon abhalten musste, ihn zu essen. Ich schielte immer noch nervös hinüber, als plötzlich Luca aus dem Frühstücksraum trat und mir zuwinkte. Meine glorreichen Fluchtpläne zerplatzten wie Seifenblasen, die in Schwefelsäure fielen. Vorsichtig sah ich mich um. Wo Luca war, war Angie nicht weit, und anscheinend war sie auch in unserer Gruppe. Und tatsächlich, sie schubste gerade jemanden beiseite, um sich eine schnell aussehende Rodel zu schnappen. Ich schüttelte den Kopf und begnügte mich mit einer durchschnittlichen Rodel. So wie das Snowboarden, lag mir auch das Rodeln nicht wirklich. Wie so gut wie jede Schnee-Aktivität, bei der ich auf irgendein Gefährt geschnallt, gefesselt oder gesetzt wurde. Auf den Füßwb beziehungsweise Pfoten war ich deutlich besser unterwegs. Ich lief also eher zögerlich zu dem Lift, der uns eine spezielle Piste raufbringen würde. Während wir emporfuhren, starrte ich nach unten. Die Rodelbahnen hatten an den Seiten befestigte Schneewälle, sodass niemand (Ich) über den Rand hinausschießen konnte. So bildeten sie mehr oder weniger Kanäle, die ca. zwei Meter breit waren. Sie hatten verschieden viele Kurven und waren verschieden steil. Verschiedene Schwierigkeitsstufen also. Ich musste schlucken. Ich würde definitiv mit der leichten beginnen. Doch selbst mit der hatte ich schon Schwierigkeiten. In einigen Kurven kippte die Rodel beinahe um und warf mich ab wie ein bockiges Pferd. Aber was sollte ich machen? Ich war als Kind niemals rodeln gewesen. Während andere Kinder sich auf dem Spielplatz gegenseitig mit Sand und Schlamm bewarfen, hatten meine Gewschwister und ich uns mit Eingeweiden aus Hirschen beschossen, den wir eigentlich fressen sollte. Konnte man nicht wirklich als normale Kindheit bezeichnen. Dafür konnte ich einen Rehmagen so in die Luft werfen, dass er mehrere Drehungen machte. Das half mir im Moment allerdings nicht wirklich, als ich mit Schnee in allen Kleidungsstücken und einer halben Gehirnerschütterung am Ende der mittleren Bahn ankam. Es hatte mich mehrmals hart geschmissen und ich beschloss gerade, für immer einen Hass auf Rodeln zu haben.
So wie auf Snowboards. So wie auf den ganzen Wintersport.
Jetzt könnte ich ein saftiges Steak gebrauchen. Sowas beruhigt doch noch am besten.
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Wolf fact:
Die nächsten Verwandten Arten des Wolfs sind der Schakal, der Dingo, der Kojote, der Rotwolf, sowie der Abessinische Fuchs.
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Ich kam heute aus dem Haus und es hatte einfach mal -8Grad xD es liegt seit ein paar Tagen Schnee :D Gleich mal rodeln gehen ^^
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Allein unter Menschen!
WerewolfNormal sein ist relativ. Jedenfalls für Caroline. Während andere bei dem Gedanken, ein Werwolf zu sein, vermutlich panisch geworden wären, hatte sie samt ihren drei Geschwistern bereits seit ihrer Kindheit Zeit, sich damit abzufinden. Werwolf von Ge...
