24 - Blutnacht
"Kinder, Abendessen!" hörte ich den Lehrer rufen.
Ich lachte über Clara, die sich versuchte die Tannennadeln vom Hintern zu streifen.
Alle verließen den Wald und liefen zum Lagerfeuer. Ich grinste. "Na komm schon du Igel, ich bin auch voll mit Nadeln, mach dir nichts draus." Sie seufzte und hörte auf sich zu verrenken wie bei einer Yogaübung, die ich kreativ "die Tanne" genannt hatte.
Lachend dackelten wir hinter der Gruppe her. "Das hat wahnsinnig Spaß gemacht, findest du nicht?" fragte ich meine Freundin lächelnd und drehte mich zu ihr. Mittlerweile tanzte das Licht der flackernden Flammen über unsere Gesichter.
"Ja, und ich bin wahnsinnig stolz darauf, dass wir gewonnen haben, am lustigsten fand ich als Tobias Pete umgerannt hat und dann... " sie stockte und runzelte die Stirn. "Is was?" Doch nicht etwa ein Pickel auf der Nase!
"Trägst du Kontaktlinsen oder so?" fragte Clara mich plötzlich. Kontaktlinsen? Hä? Ich schaute sie verwirrt an.
"Na weil deine Augen auf einmal rot sind! Oder ist das das Feuer?" Rote Augen?! Das kann nur eines bedeuten!
Ich blieb wie angewurzelt stehen. Nein! Hektisch blickte ich mich um... und sah den Rand des Vollmondes, der gerade über den Bergkamm stieg.
Ich hatte noch Zeit, bis er ganz zu sehen war, aber was sollte ich tun?! HALLO? Ich verwandle mich hier gleich in eine Bestie!!! Wo ist der Zoo wenn man ihn mal braucht?!
Mir stiegen Tränen in die Augen. Ich würde es niemals schaffen. Ich würde sie alle töten. Egal wie weit ich weglief, der Wolf würde den Weg finden. Aber einfach so aufgeben kam für mich nicht in Frage! Versuchen konnte ich es, vielleicht fand ich etwas, das mich aufhalten könnte.
Schwer atmend wandte ich mich an Clara und schnaufte: "Mir ist schlecht Clara, ich lasse das Abendessen ausfallen und gehe an die frische Luft, ich ertrage den Rauch des Feuers gerade nicht! Wiedersehen!"
Sie starrte mich perplex an, doch ich drehte mich schnell um und hechtete in den Wald.
Abstand!
Das war das einzige Wort, das mir durch den Kopf ging, während ich durch den Wald raste.
Äste schlugen mir ins Gesicht und ich keuchte. Meine Arme bekamen immer mehr Schrammen und ich blutete mein T-Shirt voll. Doch ich musste einfach weiterrennen. Das Mondlich begann fast zaghaft, immer mehr des Waldes zu bescheinen. Staub brannte in meinen Augen und ich begann heftig zu blinzeln, während meine Haare sich in Zweigen verfingen.
Plötzlich trat ich mit dem Fuß in eine Spalte und knickte um. Schmerz durchzuckte mein komplettes Bein und mit einem Schmerzensschrei kippte ich zur Seite weg. Ich rollte stöhnend einen Abhang hinunter und prellte mich überall. Viele Steine und Äste schändeten meinen ohnehin schon malträtierten Körper weiter.
Irgendwann kam ich zum liegen und rollte mich schmerzerfüllt keuchend zusammen. Laufen konnte ich sowieso nicht mehr, der Knöchel begann schon anzuschwellen, er pochte stark.
Wenigstens würde der Schmerz fast weg sein, sobald ich mich verwandelte, denn an Vollmond regenerierten sich die Zellen schneller.
Da spürte ich das altbekannte Kribbeln in den Armen, die ich um meine Knie geschlungen hatte. Entspannt schloss ich meine roten Augen, denn der ganze Schmerz verschwand, doch im selben Moment wurde ich von Krämpfen durchgeschüttelt und ich spürte, wie sich meine Zellstrukturen auflösten. Hitze wallte durch meinen Körper.
Hunger. Großer Hunger. Ich knurre. Ich will jagen! Ich muss eine Fährte aufnehmen. Diese riecht gut. Welcher Geruch ist es? Menschen? Habe ich noch nie probiert. Ich folge der Fährte. Der Geruch wird stärker. So viel Fleisch auf einmal... hmm... Mir rinnt das Wasser im Maul zusammen. Das wird ein Festmahl.
Ich schleiche mich an den Rand des Lagers. Da ist ja meine Beute. Alles auf einem Haufen! Ich verstecke mich im Gebüsch und lausche. Ich atme tief ein und nehme den Geruch auf ... köstlich.
Moment. Diesen anderen Geruch kenn ich doch. Wo kommt er her? Ich drehe mich interessiert um. Hmm, das habe ich ewig nicht gerochen. Feldhase. Gibts bei uns nicht. Nur fette pummelige Kaninchen!
Menschen oder Hase? Hmm schwierig... Ich schaue zur Menschenbeute. Ich muss meine Chancen abwägen.. Moment. Was ist das? FEUER? FEUER! Sofort habe ich panische Angst.
Das Feuer ist bei den Menschen!
Dann also doch der Hase! Schnell flüchten! Endlich im Wald, weg vom Feuer! Ich schnüffle. Wo ist die Beute? Ah, dort. Ich muss der Spur folgen. Eine Lichtung. Ich drücke mich in den Boden. Wind im Rücken. Nasses Gras unter meinem Bauch. Ich krieche langsam vorwärts. Er darf mich nicht entdecken, er läuft verdammt schnell. Da erkenne ich ihn zwischen den Gräsern. Jetzt schnappe ich ihn mir! Ich bleibe still liegen und warte, bis der Hase Kräuter frisst. Ich schieße vorwärts und grabe dem Hasen die Zähne in den Nacken.
Ich zerreiße die Beute in der Mitte. Zähne hineingraben und Fleisch herausreißen. Knochen knacken. Fast alles aufressen. Mhmm..
Mann, war der winzig. Hunger.. immer noch.
Also doch die Menschenbeute. Auch gut. Ich laufe zum Lager zurück. Der Hunger ist so stark... mir ist das Feuer jetzt egal!
Rennen. Knurren. Grrrrrrr. Ich erreiche das Lager. Wo ist die Beute hin? Alles ist dunkel. Feuer ist auch weg. Beute... wo ist sie? Verwirrt sehe ich mich um. Schnüffeln. Da! Ein einzelner Menschling kriecht unter etwas Buntem hervor. Er geht in richtung eines komischen Kastens. Er öffnet ihn und geht hinein. Seltsam. Wo ist der Menschling hin? Ich schleiche näher und schnüffle an dem Kasten. Ich nehme nur Plastikgeruch wahr. Intensiver Schnüffeln. Plötzlich nehme ich einen anderen Geruch auf. Was ist das denn?
Der Menschling kommt aus dem Kasten heraus. Soll ich ihn Fressen? Nein... anderer Geruch ist köstlicher. Verschwinde Menschling, du bist im Weg! Ich knurre tief. Der Menschling macht einen erschreckten Hopser und hechtet unter eine Plastikplane.
Ich folge dem seltsamen, und doch köstlichem Geruch. Ich krieche unter eine Plastikplane. Ich finde seltsame Metallbehälter mit Fleisch darin.
Ich muss Fleisch herausschlecken. Hmmm... was ein seltsamer Geschmack! Yumm! Weitere Dosen aufreißen, vielleicht ist da was drin..
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Hei hei hei :) Ich entschuldige mich für die seltsame Schreibweise, aber ich musste irgendwie die Gedanken eines Wolfes im Blutrausch beschreiben .. :P schönen Abend noch ^-^
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Allein unter Menschen!
VlkodlaciNormal sein ist relativ. Jedenfalls für Caroline. Während andere bei dem Gedanken, ein Werwolf zu sein, vermutlich panisch geworden wären, hatte sie samt ihren drei Geschwistern bereits seit ihrer Kindheit Zeit, sich damit abzufinden. Werwolf von Ge...
