Aufgeregt beobachtete ich ihn, wie er mir die Flasche überreichte. „Trinkst du nicht?" ertönte seine tiefe Stimme. Wir reden gerade mit einander, wow. „Ich muss fahren." Ich bin echt ein Idiot. Wenn ich schlau wäre, würden aus mir keine kurzen Antworten kommen, die so gut wie jedes Gespräch jeden Moment beenden könnten. Kurz zusammengefasst würde es bedeuten, unser erst angefangenes Gespräch mit drei Sätzen könnte einfach so enden, was bei manchen eigentlich ein Rekord sein würde, wie bei Cory. „Mein Beileid. Ich hoffe du überstehst den Abend." erwiderte er. Ok, es lag nun an mir, ob wir jetzt das Gespräch fortführen konnten oder nicht.„Das hoffe ich auch. Sag mal, ehmm wer ist Kapitän geworden?" stotterte ich die Frage vor mich hin. Es war nicht meine Glanzleistung, aber immerhin besser als nichts. „Oh, der neue Schüler. William." Er nippte an seiner Flasche und begrüßte vorbei kommende Menschen mit ein nicken. „Schade, dass du den Posten nicht bekommen hast." Er lachte nur über meine Worte. „Ach, das ist halb so schlimm. Umso weniger Arbeit für mich." Ich vergaß fast das Thema, als ich meine Aufmerksamkeit, seine Grübchen schenkte.
„Stimmt. Aber du hättest es verdient. Du spielst ziemlich gut." redete ich weiter nach einer viel zu langen Pause. Es kam echt nicht Gescheiteres mehr raus, wenn ich nervös war. „Ehmm ja, danke. Ich wusste gar nicht, dass du mich beim Spielen beobachtest." Naja, ich machte es ja aus einem bestimmten Grund. Aber warte. Oh Gott, jetzt wusste er, dass ich ihn beobachtete.
„Also ja, ich naja interessiere mich für alles, da ich im Schulkomitee bin und gerne meinen Support zeigen will." versuchte ich mich aus meiner Lage herauszureden. Bitte halte mich nicht als ein Stalker. Bitte lasst ihn meine Lüge glauben. „Das ist nett von dir. Es freut mich, dass du uns unterstützen willst." sagte er und schenkte mir erneut ein Blick auf seine Grübchen. Ich glaube ich schmelze. Ich schmelze hier weg wie Butter. Meine Wangen ahh, oh Gott. „Selbstverständlich."Ich versuchte mein Drang, seine Grübchen mit meinen Fingern zu berühren, so gut wie möglich zu unterdrücken. Wir standen beide da und ich spürte, wie sich mein Ende näherte. Es war ein Anfang, mach dir nichts daraus. Der Abend war noch lang genug für ein zweites Gespräch. Da ich diesen Moment nicht als erstens unterbrechen wollte, trank ich einen Schluck aus meiner Sprite und hoffte damit, diesen unangenehmen Moment zu überbrücken.
Ich huschte einen kurzen Blick in sein Gesicht, er machte langsam sein Mund auf um etwas zu sagen. Es war mein Ende. Ein sicheres. „Hey hast du vielleicht Lust, mit zu einer Partie Wahrheit oder Pflicht mitzukommen?" fragte er. „Ja klar, ehm, wieso nicht." Meine Antwort kam viel zu schnell. Oh Gott, er hat mich eingeladen. Der Abend wendet sich echt zum Guten.
Er lächelte mich erneut mit seinem bezaubernden Lächeln, welches mir jedes Mal Schmetterlinge verschaffte, an. Ich folgte ihm und wir liefen gemeinsam die Treppen hoch. Während er vor mir lief, konnte ich mir mein Grinsen nicht verkneifen.Er öffnete eine Tür die in einen großen Raum führte. Es waren schon viele da, die im Kreis auf den Boden saßen. Ich erkannte Cory und Marie auf dem Boden, die mir einen Platz freihielten. Ezra ging zu seinen Freunden auf der anderen Seite. „Wow, kannst du mir verraten wieso du mit Blondschopf hier rein kamst und du wie eine Irre gegrinst hast?" flüsterte Cory mir ins Ohr. „Erklär ich dir nachher."
Ich bekam noch einen Blick von Cory der aussagte, dass ich keine andere Wahl haben werde. Als die Runde sich endlich komplett füllte, fingen wir an. Es stellte sich heraus, dass wir eine Mischung aus Flaschendrehen und Wahrheit oder Pflicht spielten. In der Mitte wurde immer abwechselnd die Flasche gedreht und ich hatte bisher echt Glück gehabt.Cory war zwischendurch auch dran gekommen, aber sie musste nur ihre Flasche exen, was echt harmlos war, da sie ein Profi in dem Bereich war. Wir waren so viele, dass meine Chance ranzukommen Geringen war, was aber nichts bedeutete. Die Flasche drehte sich und es wurden noch harmlose Aufgaben gestellt, bis die meisten ihre Getränke wegexten. Als Nächstes drehte Henry die Flasche. Sie drehte sich und ich betete insgeheim dafür nicht ranzukommen. Mir kam diese Umdrehung unendlich lang vor, bis sie endlich bei jemandem landete.
Dieser jemand war Ezra. „Uh Ezra. Das wird spannend. Wahrheit oder Pflicht?" fragte Henry. „Ich nehme mal Wahrheit. Die Pflichten sind so langweilig." entschied er sich. „Uhhh, okkk es wäre ja langweilig, die Frage zu stellen in wen du verknallt bist. Das wäre ja zu Standard. Also wie wärst, wenn du sagst, in wen du mal verschossen warst." stellte Henry seine Frage. Insgeheim hoffte ich, ich sei dabei. Was für meine jetzige Lage nicht so gut wäre, aber es zu wissen, löste schon was aus.
„Das ist eine gute Frage. Ich hab's nicht so mit Gefühlen, aber ich denke hmm.." Ezra ließ seinen Blick über die Runde schweifen. Ich schaute ihn hoffnungsvoll an. Bitte lass keinen Namen fallen. „Also es ist eine Person in dieser Runde, die ich mal kurz attraktiv fand..", führte er fort. Bitte lass es eine Antwort sein, die mich nicht verletzt. „Du..", sagte er und zeigte in unsere Richtung. „Maria oder Marie?" „Marie." berichtete Henry.
Geschockt schaute ich neben mich. Marie hatte ebenfalls einen geschockten Blick auf ihrem Gesicht. „Ok interessant. Nächste Runde." Keiner schien die Antwort interessiert zu haben. Immer noch viel zu geschockt schaute ich zwischen den beiden hin und her. Ich wusste, dass es mal war und Marie nichts dafür konnte, aber mein Herz hörte nicht auf zu schmerzen.Ich hatte das Gefühl, als würde mir die Luft zu geschnürt. Ich brauchte frische Luft. „Ich bin gleich wieder zurück. Ich brauch mal frische Luft."gab ich Bescheid und setzte mir ein Lächeln auf, um meine Traurigkeit zu täuschen. „Ok geh, wenn was ist, sag mir Bescheid." Cory gab mir eine ermunternde Umarmung. Ich stand auf und hielt mein Blick gesenkt, um jeden Blickkontakt zu vermeiden. „Liam, da bist du ja unser Kapitän." hörte ich eine Stimme hinter mir schreien. Als ich hochblickte, sah ich mir ein viel zu bekanntes Gesicht. Ich beobachtete, wie er an mir vorbei ging und sich zu dem anderen Fußballspieler setzte. Liam? Er? Kapitän? Er war der neue Schüler?
Ich lief weiter aus dem Raum und ging Richtung Garten. Vorhin, beim Suchen, sah ich eine bequeme Sitzecke, wo ich jetzt auch hinging. Ich ließ mich darauf fallen und lehnte meinen Kopf nach hinten. Wieso störte mich das bloß so. Es war doch gewesen und ist nicht. Es besteht kein Grund zur Sorge. Nicht direkt. Es sollte mir nicht wehtun. Nein, das wird es nicht. Aber warum weine ich dann? Verdammte Hormone. Ich bin viel zu sentimental. Ich holte tief Luft und fing an mich zu beruhigen. Es ist alles ok. Ich sollte vielleicht darüber nachdenken, wieso ich nach 2 Wochen nicht mitbekam, dass der neue Schüler William war. Wie konnte es mir nur so lange entgehen?
Das wird noch lustig werden, wenn er es auch bemerkte. Ich werde wahrscheinlich als Stalker dargestellt. Mein neuer Nebenjob. Ich holte mein Handy aus meiner Clutch, die mir Cory vorhin mitbrachte. Die Kopfhörer durften nicht fehlen. Ich glaube das Einzige, was mich ablenken konnte, war jetzt Musik. Ich machte mein Lieblingssong an und achtete darauf, keine traurige Musik anzuschalten.
Im Garten herrschte mehr Ruhe als im Haus. Es waren auch nicht mehr so viele Menschen, die draußen standen. Umso besser für mich. Es gab auch viel angenehmere Luft. Obwohl es trotzdem noch warm draußen war, kriegte ich Gänsehaut. Ich hatte keine Ahnung, wieso mir so kalt wurde. Hätte ich mir nur eine Jacke mitgenommen. Eine weitere Fehlentscheidung von mir.Ich rieb mir über meinen Arm, um mich ein bisschen zu wärmen. Es half aber nicht. Super das Cory mir dieses Outfit rausgesucht hatte. Aber woher sollte sie wissen, dass ich plötzlich draußen meinen Abend verbrachte. Ich schaute hoch in den Himmel und betrachtete den Vollmond. Es erinnerte mich jedes Mal wieder an meinen Opa. Er verstarb vor 4 Jahren an Krebs, was für mich eine harte Zeit war. Zuerst hatte ich es noch nicht richtig verinnerlicht, bis ein paar Tage später in der Schule irgendwas einen Schalter umgelegt hatte, sodass ich sogar anfing, vor allen zu weinen.
Ich schämte mich danach dafür, dass mich die halbe Schule so sah. Ich wollte kein Mitleid, aber ich kriegte die Blicke, auch wenn ich nicht erwähnte, wieso ich weinte. Es war aber auch einer der schönsten Tage für mich. Alles nur wegen einer Person. Ezra. Er hatte mich nach der Schule gefragt, was mit mir los sei. Es kam für mich sehr überraschend. Mein Herz hatte sich für ein Moment ausgeschaltet, bis ich grinsend aufstand und rum hüpfte.
Er hatte mir diesen einen Tag gerettet, ohne davon zu wissen. Es war wie ein Funken Hoffnung in der Dunkelheit. Vielleicht war das auch einer der Gründe, die mich daran glauben ließen er sei ein warmherziger Mensch, ohne ihn richtig zu kennen. Ich mag es auch nicht bezweifeln. Er war es bestimmt.Seitdem konnte ich nicht mehr als nur hoffen, dass es irgendwann von alleine ging. Ich wollte ihm meine Gefühle nicht gestehen. Ich hatte Angst. Was wenn das Verhältnis dann noch entfernter sein wird, als es eh schon ist. Ich hätte vielleicht dadurch mehr verloren als gewonnen. Es kann sein, dass ich es bereuen werde ihm nicht schon früher von meinen Gefühlen zu berichten, aber für diesen Moment reichte mir es. Der Moment, der mir mein Leben versüßte.
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Lend me your heart
Teen FictionJemanden zu lieben, der einem nicht zurückliebt, ist wahrscheinlich der größte Schmerz, den man je erfahren kann. Wahrscheinlich tut es mehr weh, wenn diese Person dich nicht mal kannte. Sie verliert ihr Herz an jemand, der sie nicht kennt. Ihre An...