Ich sah auf meine Uhr und wartete mit einem mulmigen Gefühl auf Ezra. Vor der zweiten Hofpause kam mir alles einfacher vor, einfach nur mit ihn zureden. Umso mehr zeit verging, umso weniger Mut besaß ich. Er wird mich nicht allzu sehr verletzen können, schließlich waren da keine Gefühle mehr für eine Verletzung. Ich wäre trotzdem traurig, würden wir in der Zukunft nicht mehr normal miteinander reden können, weil er mich für komplett verrückt hielt. Ich konnte es ihn nicht verübeln.
Meine Lehrerin hatte heute überpünktlich ihr Unterricht beendet gehabt. So stand ich seit 10 Minuten auf den Hof und erwartete jeden Moment, Ezra rauskommen. Als mehrere Schüler gleichzeitig raus stürmten, hoffte ich darauf, dass Ezra unter ihnen war. Ich wollte es so schnell wie möglich hinter mir bringen, damit ich auch so schnell wie möglich mit Liam reden konnte.
„Sorry für die Verspätung. Ich hatte noch kurz mit Liam reden müssen.", sagte Ezra, als er neben mir stand. „Kein Problem. Lass uns los." Wir steuerten die Richtung des Cafés an, welches in unmittelbarer Nähe lag. „Wie läufst eigentlich bei dir und Lucas?" Ich wollte einfach unsere Zeit überbrücken, um die peinliche Stille zu überdecken. „Lange Geschichte, die leider sehr kompliziert ist. Ich hoffe aber, dass es irgendwann wieder normal sein wird." Ich hörte in seiner Stimmlage die Traurigkeit heraus. Ich hatte wohl das falsche Thema ausgesucht. Heute war mein Timing miserabel. „Ihr seid beste Freunde. Es musst werden." „Ja, irgendwie hast du ja recht."
Das Café war leer gewesen, als wir ankamen. Zu dieser Zeit war es meistens leer, weshalb es der perfekte Platz für ein ruhiges Gespräch war. „Ich gehe bestellen, setzt dich schon mal." Er nickte und wollte schon los. Dann hielt er an, um sich zu mir umzudrehen. „Du trinkst keinen Kaffee und willst ein Softdrink?" Er sah mich überrascht an, als würde ich seine Gedanken gelesen haben.„Woher weißt du das?" Naja deswegen wollten wir ja sprechen. Wenn er nur wüsste, dass ich ihn so gut kannte wie sein bester Freund ihn, würde er sich das nicht mehr fragen. „Lange Geschichte. Dazu komm ich noch. Ich bestell dir eine Cola ok?" Er nickte und ging zu einer der freien Tische. Ich lief währenddessen zum Tresen, um meine Bestellung abzugeben. „Ein Latte Macchiato und eine Cola bitte." Ich bezahlte die Bestellung und wartete, bis sie fertig waren. Gleich war es so weit. Ich stellte am Tisch unsere Getränke ab und platzierte mich ihn gegenüber. „Danke." „Kein Problem." Wir tranken beide ein Schluck daraus und ich versuchte mir in meinen Kopf die richtigen Worte zu finden.
„So was habe ich verbockt?" Er sah mir neugierig in die Augen. Mir 4 Jahre lang mein Herz gestohlen, bis sich es einanderer genommen hatte? „Rein theoretisch kannst du gar nichts dafür." Ich nippte erneut an meiner Tasse, um meine Nervosität zu überdecken. „Aber ich hab doch was damit zu tun?" Ich spürte seinen Blick auf mir und gab mir Mühe, meine Tasse interessanter zu finden. „Es ist so. Wir kennen uns seit der Middle School. Ich bin mir sicher, dass du deinen Charme bewusst bist." Ich hatte keine Ahnung, was ich hier vor mich hin labberte, aber sicherlich nichts Gescheiteres. Er reagierte nicht weiter darauf.
„Halte mich bloß nicht für verrückt. Aber ich hatte eine lange Zeit lang Interesse an dir und um niemand von uns die Situation unangenehmer zu machen, hatte ich eine Distanz zu dir gehalten, weil ich gehofft hatte, dass es irgendwann endete. Seh an ich hab's geschafft. Zwar nach ungefähr 4 Jahren, aber mein Plan ging auf. Außerdem hatte ich in den Jahren einiges an Wissen angelegt, weil ich aufmerksam war. Deswegen weißt ich auch, wieso du kein Kaffee trinkst." Ich hatte noch nie so schnell geredet. Nicht mal, wenn ich was vortragen musste und dabei vor Aufregung zu schnell redete.
Er sah überrascht aus, während er mich nur ansah. Ich wusste nicht, wie ich es deuten sollte. Leider machte die Stille es nicht besser für mich. „Ich weiß, ich kling verrückt und du weißt nicht, wieso ich es dir sage, aber nur so kann ich mich gut fühlen abzuschließen. Außerdem gibt es da jemand, der noch denkt, dass ich Gefühle für dich habe, obwohl es schon vorbei ist. Ich dachte, das sei die Lösung dafür.", redete ich weiter. Er wirkte immer noch so, als würde es ihn an Wörtern fehlen. In mir bildete sich etwas Unwohlsein auf. Es war verrückt, ihn es zu sagen, jedoch werde ich es nie los, wenn ich es nicht ausgesprochen hatte.
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Lend me your heart
Teen FictionJemanden zu lieben, der einem nicht zurückliebt, ist wahrscheinlich der größte Schmerz, den man je erfahren kann. Wahrscheinlich tut es mehr weh, wenn diese Person dich nicht mal kannte. Sie verliert ihr Herz an jemand, der sie nicht kennt. Ihre An...