Als ich am Nachmittag wieder mein Heimweg lief, traf ich auf Cory vor meiner Tür. Es war eigenartig gewesen, wieso sie mir nicht schrieb, weshalb sie heute nicht da war, aber mehr hatte ich nicht hinterfragt. Deswegen war es um so überraschender sie vor meiner Haustür anzutreffen. „Hey, was machst du hier?", begrüßte ich meine beste Freundin. Sie zuckte leicht erschreckt zusammen und drehte sich zu mir um. „Hi, du bist ja schon da." „Ja hatte früher Schluss, aber lass uns erst mal rein, wenn du Zeit hast." Ich zog meine Karte aus meinem Portemonnaie, dass man unten benutzen musste, um durch zu kommen.Cory folgte mir und wir fuhren in meine Etage. Um diese Uhrzeit war noch nicht mal Mia zu Hause gewesen, also freie Budde für paar Stunden. „Willst du was trinken?" Ich stellte meine Tasche ab und ging direkt in die Küche. „Ja bitte." Ihre Stimmlage war genauso eigenartig wie ihr Gesichtsausdruck. Man könnte sagen, dass sie einwenig nervös war. Oder vielleicht doch ängstlich? Ich holte uns beiden zwei Gläser und eine Flasche Saft aus dem Kühlschrank. Damit ging ich direkt zu unserer Couch, wo sich Cory befand. Meinetwegen konnten wir auch hierbleiben.
„So, wieso warst du nicht in der Schule?" Ich reichte ihr ein Glas rüber und sie nahm es dankend an. „Ich musste was klären mit jemanden.", erzählte sie. „Das hättest du mir ruhig sagen können. Ich hatte mich heute echt alleine gefühlt." Das hatte ich wirklich. Egal wie gut ich mich mit den anderen verstand, aber niemanden von ihn konnte Cory ersetzen. „Sorry. Ich hatte es vor lauter Stress voll vergessen." Sie trank einen großen Schluck aus ihrem Glas und stellte es wieder Vorsicht ab. Dann lehnte sie sich langsam gegen die Couch. Ihr Körper drehte sich in meine Richtung und sie sah mich mit einen ernsten Blick an.
„Hab ich was gemacht?" Ich war echt verwundert. Sie war nie eine sehr ernste Person gewesen. Immer war sie am Spaßen oder hörte mir bei meinen Problemen zu. So ernste, aber wirklich ernste Gespräche fing sie nie an. Ich war immer die von uns beiden, die anfing, irgendwelche Weisheiten auf zu nennen. Ich war ja nicht umsonst die Mama unserer Gruppe. Oder der Kummerkasten, der immer seine Türen offen hatte, um jedes Problem zu lösen. „Nein. Ich muss dir nur was erzählen. Das vom letzten Mal bei unserem Telefongespräch." Sie meinte sicherlich das eine Thema, was sie mir unbedingt erzählen wollte.
„Hast du alles klären können?", fragte ich nach. Sie nickte als Antwort. Dann war es wieder Still zwischen uns. Sie schaute immer abwechselnd zu mir und dann wieder auf ihre Hände. „Hau schon raus. Ich bin schon echt gespannt." Sie spielte aufgeregt mit ihrem Finger. „Wenn du irgendwelche Probleme hast, erzähl mir es. Du weißt doch, wir gehen diese Sache gemeinsam durch." Ihr Blick landete erneut auf mir. Ich hoffte, ich konnte sie einwenig beruhigen. „Komm rück raus."
Sie öffnete ihren Mund, den sie aber wieder schloss. Es ging noch eine Weile so, bis sie die ersten Worte sagte. „Ich hab da jemand kennengelernt." Das ist prima. Jetzt hörte vielleicht das ganze Verkuppeln auf. „Wer ist er?", erkundigte ich mich. Meine Neugier konnte ich nicht wirklich zurückhalten. Ich freute mich für meine Freundin. Sie hatte es auf jeden Fall verdient. „Das ist ja das Problem." Oh nein, der Typ musst ja grausam sein. „Hatte er dich zu was gedrängt oder ist er ein schlechter Kerl?" Nicht schon wieder ein Idiot, der sich das Recht nimmt, einer meiner Freundinnen zu verletzen.
„Nein nein. Es ist so.. Es gibt da ein Mädchen." „Er hatte dich betrogen?", brach ich sie ab. „Nein Bells. Hör mir zu. Es ist ein Mädchen." Für einen Moment musste ich über ihre Worte nachdenken. Ein Mädchen. Sie hat ein Mädchen kennengelernt. Freundschaftlich? Verwirrt gab ich ihr ein Zeichen fortzuführen. „Also sie heißt Alex und ich habe sie auf einer Party kennengelernt.", führte sie fort. „Kenne ich sie?" Mir fiel keine Person ein, die Alex hieß. Weder ein Junge noch ein Mädchen. Mein Gehirn könnte sich auch täuschen.
„Nein nicht, dass ich wüsste. Ich hab sie auf einer Party kennengelernt, wo ich meine Alleingänge gemacht hab." Ihre Alleingänge? War ich ihr etwa zu langweilig? „Oh ok." Ihre Miene sagte mir, dass es doch was anderes war als Freundschaft und langsam scheine ich es auch zu kapieren. Ich frage mich, wie lange sie es schon wusste. Als ihre beste Freundin hätte ich sie gerne unterstützt, wenn sie Hilfe brauchte. „Du reagierst mit ein 'Oh ok.'. Keine Fragen?" Sie schien überrascht von meiner Reaktion zu sein. Hatte sie etwa eine andere Reaktion erwartet? Hab ich zu harsch reagiert?
„Willst du mir denn mehr erzählen?" „Rastest du nicht aus?" Ich und ausrasten? Ich sehe keinen möglichen Grund. „Wieso soll ich? Es war ja deine Entscheidung, mir es jetzt zu sagen. Da hätte ich dich nicht früher dazu zwingen können, obwohl ich dir gerne früher beigestanden hätte, falls du es schon länger wusstest." Sie zeigte keine weiteren Reaktionen. Es wirkte, als hätte sie meine Antwort nicht so erwartet. „Du.. du findest es in Ordnung? Nicht seltsam oder erschreckend?" Ich war mir sicher, dass meine Reaktion nicht selbstverständlich war, obwohl die eigentlich sein sollte.
Genau so wusste ich, dass viele in meiner Situation ausgerastet wären oder sich die Frage gestellt hätten 'Was wenn sie was von mir wollte..?'. Aber ich glaubte, es war egal. Man sollte sich nicht so was fragen. Sie ist meine Freundin und wird es auch bleiben. Diese 'Was Wenn- Fragen' waren unnötig. „Ich bin bisschen enttäuscht, dass du mich so einschätzt Coraline Grey. Wir sind schon so lange befreundet. Du musst mich doch kennen.", scherzte ich. Ihr entwich ein kleines Schmunzeln. Mein Versuch, die Stimmung aufzulockern, funktionierte.
„Kriege ich nun mehr Informationen oder warte ich bis zum nächsten Gespräch?"„Nein, nein ich mach ja schon. Also alles fing in der 8. Klasse an. Da war so ein Mädchen auf unserer Schule. Absolut heiß. Dann hatte ich aber angefangen zu testen, ob meine Gefühle sich nicht irrten, weshalb ich so viele Dates hatte. Am Ende hatte ich sie nur als Tarnung und als deine persönliche Freund-Such-Aktion gesehen. Ich weißt, ich bin brillant." Einbildung ist auch eine Bildung. „Wie oft noch, ich brauch keine Such-Aktion.", unterbrach ich sie. Dann fing sie an, weiter zu erzählen über ihre heimlichen Party-Gänge und ihre Bekanntschaften. Zu viele Namen, die ich mir nicht merken konnte. Aber einen blieb mir in Erinnerung. Alex.
„Wie läuft es so?" „Alles gut. Wir hatten letztens ein Date und sie hatte mich dazu gebracht, es dir zu sagen. Wie du siehst, hab ich das.", erzählte sie lächelnd. Ich freute mich, sie glücklich zu sehen. Ebenfalls war ich froh, ihr bisschen Last abgenommen zu haben. „Sie scheint nett zu sein. Lass uns irgendwann doch was zusammen machen. Ich würde sie echt gerne kennenlernen. Falls es ernster wird.", bemerkte ich und wackelte mit den Augenbrauen. „Hör auf. Aber ja klar wäre ein Treffen schön. Es würde mich echt freuen."
„Und hast du vor, es den anderen zu sagen?" Ich dachte, so war es vielleicht nicht mehr so belastend für sie, wenn sie sich in ihren Freundschaftskreis wohler fühlen würde. „Nicht wirklich. Manchmal wollte ich damit rausplatzen, aber dann hatte ich mich davor verdrückt. Es war außerdem sehr nervig gewesen, wenn ich nicht mit reden konnte, weil ihr nur über Typen geredet hattet. Ich meine, da lief eine attraktive Frau vorbei.", sagte sie, während sie mit dem Stoff ihrem T-Shirt rum spielte. „Soll ich nächstes Mal mit sprechen? Sie wissen, dass ich auf Ezra stehe, also kein Verdacht. So kannst du über sie reden und ich mit dir.", schlug ich vor. „Du bist verrückt."
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Lend me your heart
Teen FictionJemanden zu lieben, der einem nicht zurückliebt, ist wahrscheinlich der größte Schmerz, den man je erfahren kann. Wahrscheinlich tut es mehr weh, wenn diese Person dich nicht mal kannte. Sie verliert ihr Herz an jemand, der sie nicht kennt. Ihre An...