Es waren nicht so viele Menschen hier gewesen, wie ich es mir ursprünglich dachte. Es waren nur die engsten Familienmitglieder von Sabrina da gewesen. Ich fühlte mich komplett fehl am Platz, aber auch gleichzeitig empfand ich mich geehrt, dass Sabrina uns in ihrem engeren Kreis sah. Diese Familie war einfach nur herzlich. Sogar die Oma der Bowen Geschwister war zum Knuddeln. Sie hießen uns alle willkommen und man fühlte sie wie eine große Familie. Auch Sabrinas beste Freundin war da gewesen. Sie hatte ein Kind, was aber ein paar Jahre älter war als Mia und Ella. Außerdem erzählte sie sehr viel. Da ich die einzige Person im Raum war, die sich nicht in einem Gespräch befand, war ich ihre Zielperson.„Weißt du. Ich wünschte echt, ich hätte Geschwister. Dann muss ich mich nicht immer so alleine fühlen, wenn meine Mutter mich überall mit hinschleppt." Mira hatte mir bereits alles erzählt, was ihr einfiel. Sie redete über das Wetter, die Schule, ihre Freunde und ihre Familie. „Du hast ja so Glück, eine kleine Schwester zu haben. Dann bist du nie alleine. So wie Willi Ella hat." Ich kann mir mein Grinsen immer noch nicht verkneifen, als ich zum erneuten Mal hörte, wie sie Liam nannte. Sie nannte Liam ständig Willi, wenn sie über ihn sprach. „Also ich hab, um ehrlich zu sein, noch ein Bruder." Ich erkannte, wie sie mich neidisch ansah. „Was? Ich möchte auch Geschwister. Aber Mami und Papi wollen keins mehr haben und machen mir keins mehr." erzählte sie mit einem traurigen Ausdruck im Gesicht.
„Naja so was braucht ja echt viel Zeit. Vielleicht bekommst du ja noch ein Geschwisterchen. Man weißt ja nie. Und deine Mutter ist eine junge Frau." versuchte ich sie aufzuheitern. Ich musste ihr ja nicht erklären, dass es eine biologische Uhr gab, die Frauen in ihrem Können einschränkte. Irgendwann wird sie es bestimmt selber herausfinden, wenn es soweit war. „Vielleicht sollte ich mir es zu Weihnachten wünschen." überlegte sich das zehnjährige Mädchen vor mir. „Du willst den Weihnachtsmann schreiben, dass er dir ein Geschwisterchen schenken soll? Ich denke, es wird ganz schön schwer." Ich ging lieber auf eine Nummer sicher, falls Mira noch an den Weihnachtsmann glaubte, hätte ich ihre Kindheit nicht so schnell ruiniert.
„Ach Quatsch. Den gibt es doch gar nicht. Aber das müssen meine Eltern ja nicht wissen, dass ich nicht mehr daran glaube." flüsterte sie zu mir. Das Mädchen war raffiniert. Ich schmunzelte über ihre Idee. Kinder sind manchmal komisch und zu schlau für ihr Alter. „Ich hab einen Riesenhunger. Ich gehe mal zu Willi, um etwas zum Essen zu holen. Willst du mitkommen?" fragte sie mich. Ich überlegte mir, ob es so gut war, ihr zu folgen, aber ich hatte ja eh nichts zu tun, also wieso nicht. „Gerne. Ich kriege langsam auch schon Hunger."
Ich stand auf und folgte ihr mit meinem Teller. Liam stand vor dem Grill und passte auf, dass das Essen nicht anbrannte. Anscheinend war hier kein anderer Mann in der Familie, der es übernehmen mag. Wo sein Vater wohl war. Den hatte ich den ganzen Abend nicht zur Gesicht bekommen. „Willi, ich hab Hunger. Hast du was?" rief Mira und schaute zu ihm hoch. Liam lächelte Mira an und bückte sich runter. „Na klar Kleines. Was willst du haben?" „Willi, ich bin nicht mehr klein. Ich bin zehn. Und keine sieben." Mira verschränkte ihre Arme verärgert vor ihren Körper. „Ja ist ja gut Süße. Du wolltest Essen?" Mira ließ ihre verschränkten Arme wieder los und hielt ungeduldig ihren Teller hin. Liam öffnete den Grill und Rauch stieg heraus. Er griff mit der Zange nach zwei Würste, die er auf Miras Teller platzierte.
„Bitte schön. Guten Appetit Kleines." gab er von sich. Mira bedankte sich ohne auf seine erneute Benennung, dass sie klein ist, einzugehen. „Willi, ich möchte auch was." meldete ich mich, als ich an der Reihe war. „Nicht du auch noch." Er wendete verärgert das Essen auf den Grill. „Was denn Willi?" fragte ich provozierend. „Also nennst du mich noch mal Willi, gibt es für dich kein Essen." warnte er mich. „Mira hat mir es aber ganz schön eingeredet. Ich krieg es nicht so schnell abgewöhnt." verteidigte ich mich. „Ich meinte es mit dem Essen ernst Bella!" Er sah mich mit einem ernst gemeinten Blick an. Ich lächelte nur und hielt ihn mein Teller hin.
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Lend me your heart
Teen FictionJemanden zu lieben, der einem nicht zurückliebt, ist wahrscheinlich der größte Schmerz, den man je erfahren kann. Wahrscheinlich tut es mehr weh, wenn diese Person dich nicht mal kannte. Sie verliert ihr Herz an jemand, der sie nicht kennt. Ihre An...