Chapter 19

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„Liam.. Liam. Ich möchte spielen." kam es von Ella, die an seinem T-Shirt zog. Irgendwie war es gut, dass Ella Mira von ihrer Erzählung aufhält, aber ich konnte ahnen, dass wenn Kinder so zu einen Kommen sie immer was wollen. „Was los Prinzessin?" erwiderte er und drehte sich zu ihr um. Ja, der Anblick war süß. Sehr. Aber es lag natürlich an Ellas Welpenblick, den sie uns zeigte. Meine Vermutung müsste richtig sein. „Könnt ihr mit uns spielen? Die anderen kleinen Kinder schlafen alle. Uns ist sooooo langweilig."

„Ihr wollt spielen?" Sie nickten beide synchron mit ihrem Welpenblick. Zum Glück wirkt es bei mir nicht. „Wollt ihr nicht lieber mit Mira spielen?" schlug Liam vor, um sich gekonnt raus zu boxen. Gute Idee. Könnte glatt meine sein. „Wir können doch alle spielen." gab meine kleine Schwester von sich. Das könnte auch von mir kommen, weil ich gegen argumentieren würde. Das hat Mia bestimmt von mir gelernt. Sie nutzt meine eigene Waffe. Für eine Siebenjährige sehr schlau. Wahrscheinlich fiel es ihr bewusst nicht mal auf, aber Touché.

„Ihr wollt mit uns alten Leuten spielen? Wir sind doch langweilig." Seine Beschreibung klang so, als würde er uns als 50 plus abstempeln. „Alt? Nein nein. Ich finde euch toll. Bella ist sehr lustig und nicht langweilig. Also bitte bitte." bettelte sie weiter. Ihr Welpenblick ist nach meiner Einschätzung sogar noch süßer geworden. Vielleicht wäre ich genau jetzt verfallen. „Tja Willi. Da kommst du nicht mehr raus. Also kommt, wir spielen alle zusammen." Mira stand auf und sah Liam kopfschüttelnd an. „Oh Willi eins zu null für die Kinder." Man erkannte seinen ernsten Blick, den er mir zuwarf. Dann änderte sich aber sein Ausdruck sofort, als er zu Ella sah. „Ok Liebes. Was wollt ihr spielen?" Somit war unser Schicksal besiegelt.

Die Mädchen fingen an Spiele vorzuschlagen. Aber irgendwie kamen wir am Ende dazu Karten im Wohnzimmer zu spielen, während die Erwachsenen draußen ihren Abend genossen. „Uno." rief Ella. Als Nächstes war Liam dran. „Ich wünsche mir blau." Er legte eine Zieh-Vier-Karte hin und lächelte mich zufrieden an. War ja klar, dass er sich ausgerechnet die Karte aufgespart hatte, die mein guten Lauf zerstörte. „Danke Liam." sagte ich sarkastischen zog meine vier Karten. „Rache ist süß. Nenn mich nie wieder Willi." flüsterte er zu mir, sodass nur ich es mit bekam. „Klar natürlich Willi." „Na warte." Liams Racheblick war schon fast zu niedlich gewesen, um als einen zu gelten. Ich gab mein bestes keine Reaktion darauf zugeben.

Ella gewann erfolgreich die Runde und Weitere die wir spielten. Sie war der Profi gewesen. Als Wunsch dafür dass sie gewann, wollte sie unbedingt, dass wir uns in ihr neues Freundschaftsbuch verewigen. Wir stimmten ihr zu und sie lief ihr Buch holen. Mira setzte sich zuerst mit dem Buch hin, während wir nebenbei Mia und Ella dabei zu sahen, wie sie gemeinsam malten. „Hmm Lieblingsfarbe. Orange. Lieblingsessen.... Pizza?" murmelte Mira ihre Gedanken vor sich hin. „Also unsere Lieblingsfarbe ist rosa." Ihre Antwort kam unerwartet. Ella und Mia zeigten aber stolz ihren Bild hoch, um Ellas Antwort zu unterstreichen. Ich hatte noch nie so viel Rosa in einem Bild gesehen. „Ach die Phase hatte ich auch mal." redete ich vor mich hin.

Ungewollt klang es so, als wäre es Jahrhunderte her gewesen. Ein Jahrzehnt würde aber hinkommen. „Ist deine Lieblingsfarbe nicht mehr Rosa?" Ella malte gerade das Haus aus, welches auch rosa war. „Nein. Sie mag blau." antwortete meine Schwester für mich. Sie hatte mich schon immer gefragt, wieso ich nicht rosa mag, wie es jedes Mädchen tat. Mia versuchte vergeblich mit ihren Bildern, die überwiegend rosa waren, mich umzustimmen. Ich musste ihr immer wieder klar machen, dass blau meine Lieblingsfarbe bleibt, bis sie irgendwann letztendlich aufgab. „Oh schade. Aber Liam mag auch blau. Ich dachte, es mögen nur Jungs. Also die in meiner Klasse finden alle Jungs rosa ekelhaft und alle Mädchen mögen rosa." erzählte Ella hochkonzentriert mit dem Fokus auf ihrer Zeichnung.

„Wirklich? Ich denke die Jungs sind noch nicht alt genug, um zu verstehen, dass Farben keinen Geschlecht zugewiesen sind. Du kannst alles mögen, wenn du es willst. Von Farben bis zu Menschen. Es gibt da am Ende keinen Unterschied." versuchte ich so gut wie möglich zu antworten. „Also darf ich auch Autos mögen? Und blau?" Ella hielt kurz in ihrer Bewegung inne, als hätte ich sie mit meinen Worten schockiert.
„Na klar Süße. Du darfst alles mögen auf dieser Welt." meldete sich dieses Mal Liam zu Wort, der das ganze Gespräch lang schwieg. Ich fragte mich manchmal was Schulen unterrichten, wenn nicht mal das einfachste Klischee aufgeklärt wurde. „Hmm, dann möchte ich mal mit Dinosauriern spielen. Die sehen so süß aus." Die Euphorie in ihrer Stimme hallte im ganzen Raum. „Ich kann mal gucken, ob ich welche von meinen alten Spielzeugen finde. Vielleicht hat Mama nicht alles weggegeben." äußerte sich Liam und streichelte ihr über ihre Haare.

„So fertig. Der Nächste." Mia legte zufrieden ihren Stift aus der Hand und sah zu uns hoch. „Hab ich was verpasst? Ich war so konzentriert." beichtete sie verlegen. „Nein nein. Ok soll ich als Nächstes schreiben?" richtete ich mich an Ella. Sie nickte zustimmend und schob mir das Buch rüber. „Ok, na dann. Mein Name.... ok. Mein Geburtstag... 28. November. Hmm ich hab keinen Spitznamen. Was ich so mache.. Tanzen.." „Du tanzt?" unterbrach mich Mira beim lauten Denken. Ich nickte. „Wow, wir haben ja was gemeinsam." Sie sah mich so an als wäre es ein Weltwunder. „Nur weil du mich noch nicht kennst Mira, heißt es nicht, dass wir nichts gemeinsam haben." „Naja ich hatte schon wegen deiner Aussage über Schokolade angefangen zu zweifeln." entgegnete sie mir.

„Hey, ich bin nicht die Einzige in diesen Raum." verteidigte ich mich. „Von ihm will ich ja erst recht nicht anfangen. Er mag kein Käse außer in Soßen, auf Pizzen oder Nudeln. Verrückt. Käse ist so gut." Ich hielt inne und musste lachen. Im Freundschaftsbuch von Ella war ich bei der Kategorie mit Sachen, die ich nicht mag angekommen. Im selben Moment hatte ich das aufgeschrieben, welches Mira bei Liam bemängelte. So unauffällig wie es ging, legte ich eine Hand über mein Geschriebenes und tat so, als würde nichts gewesen sein.

„Hmmm genau verrückt. Er ist halt seltsam. Stimmt's Willi?" Bloß mein Poker Face aufbehalten. „Was verdeckst du da?" kam es von Liam, der mich von der Couch aus am Besten beobachten konnte. „Ich verdecke nichts!" Ich glaube, ich hatte es ein bisschen zu offensichtlich gesagt. Jetzt schaute mich Mira ebenfalls skeptisch an. „Ich denke vor uns ist noch jemand, der uns seine seltsame Seite verbergen möchte." schlussfolgerte Liam grinsend. Wenn er nur wüsste, dass er sich selber Seltsam genannt hatte. „Hände Weg!" befiel mir Liam plötzlich. Ich schüttelte den Kopf. „Ok Liam, du haust sie um und ich greif mir das Buch, wie beim Football. Kinder geht aus dem Weg!"

Also ich weißt ja nicht, wer in diesem Moment verrückter war, aber ich auf jeden Fall nicht. „Es ist doch kindisch Leut..Ahh Liam." schrie ich, als Liam mich plötzlich hochhob, als wäre ich so leicht wie eine Feder. Liam ließ mich auf einen Sessel fallen. Ich wehrte mich dagegen. Mira würde uns noch für verrückter halten, wenn sie es las. „Liam, lass los. Sie darf es bloß nicht lesen." Er reagierte nicht auf meine Worte. Ok, Gewalt war ja nie eine Lösung, aber da musste der Kapitän der Fußballmannschaft wohl durch, wenn er mich unbedingt festhalten wollte. Ich holte Schwung um gegen ihn zu prallen, damit er auf dem Boden landete.

Meine Planung der Anziehungskraft zu vertrauen war missglückt. Anstatt ich nach vorne fiel, ging mein Weg nach hinten. Im nächsten Moment landete sein ganzes Gewicht auf mir. Ich war mir sicher, dass er sich abstützte, um mich nicht zu belasten aber ein bisschen Gewicht spürte ich trotzdem. „Wohin so eilig." flüsterte er und sah mir in die Augen. So faszinierend-„Oh heiliges Hühnchen. Ihr seid ja beide verrückt." Miras laute Stimme ließ mich zurück in die Realität fallen. Verwirrt wendete Liam sich von mir ab und sah zu Mira, ohne sich von mir wegzubewegen. „Was?" „Sie hasst Käse auch. Ich glaub's nicht." kam es von Mira.

„Wie wirklich?" richtete Liam die Frage an mich, indem er mich fokussierte. „Ehmm ja..?" Jetzt starrte er mich auf irgendeiner Art und Weise an. Es hörte auch nicht auf. Ich erkannte zum ersten Mal jedes einzelne Detail in seinen hellbraunen Augen. Das Grüne, welches sich in seinen Augen versteckt hatte. Diese sahen mich immer noch an, weshalb ich ein weiteres Detail erkannte- Die perfekten langen Wimpern. Ich bin eifersüchtig. Aber es war Nebensache, denn er sollte aufhören so zu starren.
„Kinder alles in Ordnung? Ich hab schreie gehört. Lebt jeder noch?" hörte ich Lucys Stimme, während ich immer noch von seinen Augen gefesselt war. „Oh Gott Liam. Hier sind Kinder. Hör bloß auf. Das will nicht mal deine liebe Tante sehen." Wir blickten beide zu ihr rüber. Sie stand im Raum und hielt an beiden Seiten die Augen der Kinder zu. „Oh sorry." murmelte Liam und stieg von mir ab.

Ich rappelte mich auf und strich mir mein Kleid ordentlich. „Du verstehst es falsch Tantchen." Liams Körper entfernte sich von mir, sowie auch seine ganze Aufmerksamkeit, die vor einer Sekunde noch mir galt. „Was soll ich da bitte falsch verstehen?" „Lucy, du glaubst nicht was ich erfahren habt." meldete sich Mira zu Wort, bevor Liam ihr überhaupt antworten konnte. „Die beiden sind zusammen?" „Nein. Liam ist nicht der Einzige mit seinen komischen Geschmack." An das was Mira dachte, konnte ich nicht annähernd denken. „Was? Nein!" Mira nickte stark.
„Kinder wir müssen." ertönte die Stimme meiner Mutter, als hätte sie meine Gebete erhört. Ich griff zu meiner Tasche und holte den Autoschlüssel raus. „Ich geh das Auto holen. Tschüss, wir sehen uns bestimmt bald wieder." rief ich, während ich aus dem Haus eilte. Es war nicht das höflichste, aber ich musste da weg.

*-*

Käse und Schokolade? Was ist das kleinere Übel?

Lg Bella🌙

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