Der zweite Tag im Prag startete leider nicht so gut für einen von uns. Cory schien es getroffen zu haben, denn sie hustete und nieste die Nacht lang über. Der kalte Umschwung hatte einigen im Jahrgang eine Erkältung beschert. Jedoch sah Cory ihre Situation etwas positiver, als ich dachte. Sie freute sich sehr darüber, dass sie sich einen weiteren Geschichtsausflug ersparen konnte. Ich wünschte, ich könnte mit ihr tauschen. Jedenfalls hatte ich aus den gestrigen Tag gelernt, immer ausreichend etwas zu essen, weshalb ich zu den Ersten gehörte, die am Esstisch saßen. Schlussendlich hatte ich genug Zeit, um Cory ein angemessenes Frühstück an ihrem Bett zu bringen.
Für unseren Geschichtsausflug ging es dieses Mal in ein altes Konzentrationslager von früher. Auch dieses Mal fühlte ich mich nicht wohl an diesen Orten. Ein Gedanke daran belastet mich extrem. Trotzdem interessierte mich die Erzählungen, auch der Betreuer hier gab sich Mühe, uns alles zu zeigen. Sein Schritttempo war um einiges langsamer als bei unserer gestrigen Betreuerin. Außerdem war das Wetter nicht so kalt gewesen wie gestern und die Sonne schaute sogar kurz raus. Da reichte sogar ein Pullover ohne Jacke, um den Tag zu überstehen.
Nach dem Ausflug hatten wir unsere Freiheiten bekommen, weshalb wir diese genauso gut nutzten wie gestern. Viele Schüler kehrten sofort zurück ins Hotel, um sich zu entspannen. Bevor wir dasselbe taten, um Cory Gesellschaft zu leisten, holten wir uns Verschiedenes zum Essen. Als wir mit unseren Essen zurück waren, lag Cory in ihrem Bett mit Decken umhüllt inklusive ihrem Handy in der Hand. „Wie war's? Langweilig?" Sie legte ihr Handy beiseite und schob alle Decken von ihr weg, um sich mit uns auf dem beheizten Boden zusetzen. „Es war ok. Gestern war eindeutlich schlimmer gewesen." Zumindest war es meiner Ansicht nach so gewesen. „Hatte ich irgendwas verpasst?" „Nein, außer sehr gutes Wetter und viel Sonne."
Wir aßen das ganze Essen, welches wir geholt hatten, auf, sodass am Ende nur ein Haufen Müll übrig blieb. „Ich will nachher in die Stadt, will einer von euch mit?", fragte ich in die Runde. Heute hatte ich vor das Geschenk für Mia zu besorgen, damit ich mein restliches Geld besser einteilen konnte und nicht mit leeren Händen zurückkam.
„Ich passe. Mir geht es immer noch nicht so gut.", meinte Cory und schnaufte in ihre Taschentücher. „Ich auch.", kam es von Miyu. „Ich schreibe mit Marc, bevor er zur Arbeit musst." Hoffnungsvoll sah ich die anderen an. Aber es sah so aus, als würden alle passen. Sally und Emma passten auch, weil sie sich eine Pause gönnen wollten, und Claire wollte mit ihren Eltern telefonieren, da keine Zeitverschiebung mehr zwischen ihnen lag.So musste ich wohl übel mich alleine auf dem Weg machen, obwohl man sich nur zu zweit fortbewegen durfte. Vielleicht traf ich beim Runtergehen noch auf Cassie, die mich begleiten würde. Als die Mädels alle uns verließen, fing ich an mir alles Nötige einzupacken, um mich loszumachen. „Bis nachher Cory. Trink viel. Frau Sanders wollte gleich vorbei.", gab ich ihr Bescheid, bevor ich hinter der Tür verschwand.
Mein erstes Ziel war der Fahrstuhl gewesen, da ich heute zu faul war für die Treppen. Umso glücklicher war ich, als ich sah, dass niemand sich im Fahrstuhl befand. Keine fremden Menschen oder ein überfülltes Zusammensein. Ein Jackpot. Ich war nämlich kein riesiger Fan von fremden Menschen gewesen. So konnte ich sorgenlos die Etagen runterfahren, ohne dass jemand mich störte. Als die Tür sich langsam schloss, versuchte ich es zu verdrücken, innerlich Freudensprünge zu machen. Es fehlte ein Zentimeter, damit ich ungestört sein konnte, aber irgendein Idiot schien den Knopf zu drücken. Verdammt. „Was für einen Zufall." „Wie oft, wir diese bloß hatten Liam." Ein Zufall, klar. Diese Zufälle waren wirklich nicht normal. Ich konnte nirgendwo hin, ohne ihn einmal über den Weg zu laufen.
„Wohin des Weges?" „Mia Sachen besorgen." Ich fragte lieber nicht nach, sonst verwickelte ich mich mit ihm in einem Gespräch und ich mochte momentan nicht reden. „Oh ich auch für Ella." Diese Zufälle sollen aufhören. Ich bete darum. „Gehst du alleine?" Wieso musste er immer so höflich sein. Wie soll ich ihn da ignorieren. „Ja alle haben kein Bock." „Da bist du nicht alleine. In mein Zimmer wird gerade ein Zusammentreffen gemacht. Ich renne gerade von einer Knutscherei weg. Hoffen wir, mein Bett bleibt unversehrt." Eww Kopfkino. Ich dachte, die Pubertät sei überstanden. Kann man da nicht mal eine Woche darauf verzichten?
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Lend me your heart
Teen FictionJemanden zu lieben, der einem nicht zurückliebt, ist wahrscheinlich der größte Schmerz, den man je erfahren kann. Wahrscheinlich tut es mehr weh, wenn diese Person dich nicht mal kannte. Sie verliert ihr Herz an jemand, der sie nicht kennt. Ihre An...