Chapter 31

11 1 0
                                    


Den ganzen Flug über hatte ich versucht zu schlafen, was sich entspannt herausstellte. Durch Cory, die mir ihren Schoß zur Verfügung gab, um meinen Kopf dort abzulegen, nachdem ich immer wieder von ihrer Schulter runterrutschte, war es ein tieferer Schlaf als erwartet. Ich bekam nicht mal mit, wie Sally einmal Panik bekam oder das die Jungs laut wurden, weil sie wieder irgendwelche Wetten gemacht hatten. So landeten wir viele Stunden später in der Hauptstadt von Tschechien. Die Kälte spürten wir beim Aussteigen durch einen kleinen Luftzug. „Es ist kalt", meckerte einer der Everts. Kein Wunder, sie hatte auch nur ein freizügiges Top an und eine kurze Hose.
„Ich hoffe für sie, dass sie sich was eingepackt hatte. Mit dem Wetter sollte man nicht scherzen." Die Menschen würden uns noch für verrückt halten. Ich rieb über die freien Stellen von meinen Arm. Ich hatte ein T-Shirt an und meine Sporthose schützte mich einwenig von der Kälte. Man könnte sagen, dass viele sich so anzogen. Die Jungs hatten ihre Jogginghose und die meisten hatten ein Pullover mit. Unsere Aufsichtsperson musste es natürlich übertreiben mit einem Schal und einer Mütze. „Begebt euch alle zur Kofferausgabe. Wer was zum Umziehen eingepackt hat, sollte sich ein Bad aufsuchen. Heute ist nicht das beste Wetter in Prag.", kam es von unserer Ethiklehrerin.

An der Kofferausgabe mussten wir warten, weshalb ich die Zeit nutzte, um mir mein Pullover rüber zu ziehen sowie viele andere auch. Die meisten fanden ihre Koffer auf Anhieb und ich wartete immer noch. Unter die Glücklichen waren sowie auch Cory, Emma, Sally und Miyu, die am Rande standen und warteten. Claire und ich halten uns immer noch nach unseren Gepäckstücken Ausschau. „Das dauert echt lange. Was, wenn sie mein Koffer verloren hatten?", machte sich Claire Sorgen. „Hier stehen ja noch die meisten. Ich bin mir sicher, nichts ist verloren." Von unseren ganzen Jahrgang waren 20 übrig. Die ersten 30 Koffer-Finder sind bereits in das Hotel gefahren, um keine Sperrung bei der Kofferausgabe zu bilden.
„Da ist meiner. Ich bin so erleichtert.", schrie Claire und rannte zu ihren Koffer. Ich schaute weiter um mich, aber mein Koffer erschien immer noch nicht. Langsam wurden es immer weniger und ich stand da mit 2-3 Leute, die ebenfalls kein Glück hatten. Ich hatte schon fast denselben Gedanken wie bei Claire bekommen, dass mein Koffer eventuell verloren ging, bis ich mein Koffer und die Tasche dazu entdeckte. Endlich. Ich lief dahin und hievte das Gepäck runter. Glücklich lief ich zu meinen Freunden. „Wahrscheinlich hast du viel zu viel mitgenommen und sie hatten sich es zehnmal überlegen müssen, ob sie überhaupt diesen Koffer abschicken." Danke Cory.
„Ich bin aber nicht die Einzige." Es stand mittlerweile noch nur zwei von ihnen da. Ich checkte die Umgebung ab. Die meisten waren total Müde und machten bereits ihr Nickerchen. Zwanzig Minuten später war der Spaß zu Ende. „Da alle umgezogen und ihr Gepäck haben, können wir ja los." Apropos umziehen. Christine und ihre Schwester hatten mitten im Flughafen ihr Koffer ausgepackt, um sich was zu anziehen auszusuchen. Die Aufsichtsperson bekam einen Anfall. Sie war sichtlich genervt davon. Aber wenigstens sahen sie nicht so aus, als würde ihre eigentliche Reise zu einem warmen Ort gehen, sondern wie normale Menschen.

Die Fahrt ins Hotel kostete uns erneute 30 Minuten. Es war bereits Abend gewesen in Prag. Die Laternen waren an und es leuchtete überall. Der Anblick war einfach nur schön. Im Hotel angekommen, gab uns einer der Aufsichtsperson die Tabellen, um uns für die Zimmer einzutragen. Es gab zweier Zimmer. Cory griff sich die Tabelle, um uns alle einzutragen. Wir wollten unbedingt die Zimmern unmittelbar nebeneinander haben. Die Schlüssel zu unseren Zimmern wurden uns anschließend überreicht. Der Weg in die 4. Etage war leichter als wir dachten. Denn wir ersparten uns die Zeit, indem wir das ganze Gepäck in den Fahrstuhl abstellten. Emma meldete sich freiwillig mit den Koffern mitzufahren, damit die nicht auf dem halben Weg plötzlich verschwanden. Wir anderen liefen den kurzen Weg selber.
„Ich hasse laufen. 4 Etagen sind fast wie 10." Cory war nie der sportlichste Mensch gewesen. Sie tanzte genauso gern wie ich, aber was das andere anging, mochte sie es nicht so. Ich schubste sie von hinten an, weil sich ihre Schritte immer weiter verlangsamten. Oben angekommen stand Emma mit allen Koffern auf den Flur. Sie stellte es so hin, dass sie nichts versperrte. „Zimmer 412, 411 und 410." Sie liefen mir hinter her, da ich die Schlüssel hatte. „Hier eurer Schlüssel. Nummer 410. Unser ist 411 und ihr beide die 412." Ich überreichte Sally und Miyu einen Schlüssel. Sally schlief mit Emma und Claire teilte ihr Zimmer mit Miyu. Zum Glück waren wir eine gerade Zahl gewesen, bevor einer mit jemand anderen ein Zimmer teilen musste.
„Wir treffen uns in einer halben Stunde zum Essen. Bis dann." Ich zog meinen Koffer hinter mir her. Das Zimmer wirkte sehr schön und für ein einfaches Hotelzimmer war es groß gewesen. Es gab Sitzmöglichkeiten und die Bette waren auseinandergetrennt. Genauso wenig fehlte es an einen Fernseher und einen großen Kleiderschrank. Das Beste war das Bad, denn es war groß und ausreichend für zwei Personen. „Lass uns auspacken. Du einen Teil und ich einen." Als ich mein Koffer weiter zog, bemerkte ich, dass mir was fehlte. Die Tasche! „Ich komm gleich wieder. Ich glaub, ich habe meine Tasche bei einem der Mädels vergessen abzunehmen." Keine Sekunde später stand ich wieder im Flur und klopfte bei Emma und Sally. Als hätten sie es geahnt, machten sie die Tür auf und hielten mir meine Tasche hin.

„Danke!" Mit der Tasche drehte ich mich wieder um, um in mein Zimmer zurückzugehen. Bevor ich klopfen konnte, da ich den Schlüssel bei Cory gelassen hatte, hörte ich laute Geräusche hinter mir. Es kann doch nicht wahr sein. „Bella? Du hier?", fragte Liam laut durch den Flur. Alle Blicke lagen auf mich. Unangenehm. Hinter ihnen erkannte man die Everts, Marie und die anderen Mitläufer. „Ja, ich musst dann auch." „Ok, wir sehen uns." Ob Liam es wohl bemerkte oder nicht, aber ich konnte den stechenden Blick von Marie auf mich spüren, welcher wie eine Warnung war, die mir sagte bloß meine Finger von ihn zu lassen. Im Zimmer angekommen ließ ich mich erschöpft auf mein Bett fallen. „Die sind alle auf unserer Etage. Mach dich auf Stress und Drama gefasst.", seufzte ich.
„Die? Wer?" „Die Fußballspieler und Cheerleader inklusive Marie." „Miese Kombi. Ich hab kein Bock darauf.", gab Cory von sich, die neben mir Platz nahm. „Wir dürfen uns die Zeit nicht verderben lassen. Es ist Prag. Wir sollten Spaß haben." Sie spielte mit meinen langen Haaren. „Du hast recht. Komm, lass uns zu den anderen. Ich pack nachher aus." Zehn Minuten später aßen wir das ganze Buffet weg und es blieb nicht viel übrig. „Wie läuft es mit Marc?" Die anderen wussten nun auch Bescheid, weil Miyu in den Pausen sehr offensichtlich war, was sie nicht bemerkte. Aber länger es zu verstecken hätte kein Sinn gemacht. „Gut. Wir schreiben uns viel. Er wollte mich nach der Fahrt sogar sehen." Sie strahlte voller Freude. Was Liebe einen für Gefühle geben kann. Den einen gab es Glücksgefühle ohne Ende. Und den anderen gab es den Schmerz und die Trauer bis zum Zerbrechen.

„Er sieht ja auch nicht schlecht aus. Ich bin neidisch.", kam es von Claire. „Ich hatte es einwenig dir zu verdanken und Sally. Und dir auch Bella." „Uns?" Claire schaute verwirrt in die Runde. „Ja aber eine lange Geschichte. Vielleicht erzähle ich es euch irgendwann Mal." Miyu lächelte verlegend und aß weiter.
„Wir anderen bleiben wohl für immer Single.", sagte Emma und stocherte in ihr Essen rum. „Na so darfst du nicht denken. Ich bin mir sicher, ihr findet alle jemand Besonderen. Vielleicht kennt ihr die Person auch schon." Ich schaute zu Cory rüber, die vor sich hin grinste. „Ich glaub nicht mehr daran.", meldete sich Sally zu Wort. Man konnte es ihr in diesen Moment nicht verübeln, aber sie wird noch hinwegkommen, da war ich mir sicher.

Lend me your heartWo Geschichten leben. Entdecke jetzt