Chapter 67

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Die nächsten Tage waren stressig und gingen jeden an die Grenzen. Die Lehrer hatten wieder angefangen, uns den letzten Schulstoff gegen den Kopf zu werfen und die Prüfungen standen vor der Tür, sodass es im Kombi nur noch schlimmer war. Liam verbrachte die nächsten Tage öfters Zeit an unseren Tisch in der Mensa, da er bei uns seine Ruhe hatte und auch abschalten konnte. Obwohl er es niemals zu geben würde, war Liam in den letzten Tagen sehr in seinen Gedanken gewesen. Man musste ihn manchmal öfters ansprechen, damit er mit bekam, dass man mit ihm redete. Die Mädels schauten mich dann immer mit verwirrten Blicken an, aber ich versuchte, es gekonnt zu ignorieren.
Bei Mias Geburtstagsfeier, eine Woche nach Ellas Geburtstag, bekam Liam eine Nachricht von seinen Vater, dass er uns gerne nächste Woche zu sich einladen wollte. Dies teilte er mir und Sabrina mit, mit der er sich erst seit neusten wieder unterhielt. Liam hatte mir erzählt, wie lange sich die beiden, ohne ihn wissen zu lassen, getroffen hatten, weshalb ich seine Wut verstand. Ich erkannte Sabrinas Erleichterung, nachdem Liam sich auf seinen Vater endlich einließ und auch das er langsam mit ihr redete. Als Ella davon mit bekam, war sie vor Freude im Raum rumgehüpft. Man merkte, wie glücklich sie war, seit sie ihren Vater öfters traf.

So verging eine erneute qualvolle Woche für Liam, wo er noch mehr abwesend war, als es schon möglich war. Jeder Tag, der verging, merkte ich seine Nervosität steigen und jedes Mal versuchte ich, ihn abzulenken. „Willst du noch zu mir hochkommen?", fragte ich Liam, als er mich vor meiner Haustür aussteigen ließ. „Ist es wirklich ok?" Ich wunderte mich, wieso er sich das fragte, weshalb ich ihn mit fragendem Blick ansah.
„Naja ich bin momentan wahrscheinlich nicht die beste Gesellschaft, die du haben kannst und die letzten Tage hatte ich dich schon verdammt oft belästigt." Er fasste sich verlegend am Nacken und brach den Blickkontakt mit mir ab. „Liam, ich bin gerne dein Zufluchtsort, wenn du Ruhe brauchst. Ich weißt, dass du deine Mutter umgehen willst, aber du musst auch bedenken, dass du nicht für Ewigkeiten auf sie sauer sein kann. Und du belästigst mich niemals, ok?" Ich knallte die Beifahrertür zu, um auf seine Seite zu kommen. Liam saß immer noch da und hielt mit einer Hand das Lenkrad fest. Ich öffnete seine Tür und griff nach seiner freien Hand.
„Denk bitte noch mal darüber nach, heute mit ihr zu reden, ok? Aber erst mal kommst du hoch und wir entspannen uns ein wenig." Ich zog seinen Autoschlüssel aus der Zündung und ließ Liam mir folgen. Oben angekommen holte ich uns etwas zu trinken, bevor wir beide die Treppen hochgingen. Mia war heute zum Glück unter der Aufsicht von meiner Mutter gewesen, weshalb ich mich vollkommen auf Liam konzentrieren konnte. Liam setzte sich auf mein Bett und ich übergab ihn die Flasche Wasser, damit er was trinken konnte. Obwohl Liam wenig sprach, trank er einen großen Schluck aus der Flasche, sodass am Ende nur noch ein Drittel des Inhaltes übrig blieb. Danach nahm ich ihn die Flasche ab und er ließ sich nach hinten fallen.

„Dein Bett ist bequem.", redete er und schaute sich meine Decke an. „Es ist genauso weich wie deins Schatz." Ich legte mich zu ihn und legte ihn eine Hand um sein Bauch, um mich näher an ihn Kuscheln zu können. „Aber mein Bett riecht nicht nach dir.", murmelte er und umschlang seine Arme um mein Körper „Dann kannst du mein Bett haben, wenn es dich glücklicher macht." Ich hörte wie Liam einmal Einatmete, um anschließend wieder auszuatmen. „Denkst du, dass mich seine neue Familie morgen akzeptieren wird?", unterbrach er die Stille. „Wieso sollten sie es nicht? Obwohl du deinen Stiefbruder den Sieg genommen hast, würde er dich wahrscheinlich immer noch mögen, nicht?"
„Es klingt komisch, einen Stiefbruder zu haben, aber wahrscheinlich nur, weil ich es nicht gewohnt bin, weitere Familienmitglieder zu haben." Liam malte Kreise auf meiner Handfläche und schien eine neue Beschäftigung gefunden zu haben. „Kann das sein, dass du dir noch um mehr Sachen sorgen machst als darum, dass die Familie von deinen Vater dich eventuell nicht mögen könnte?", fragte ich, was ich schon immer Fragen wollte. Ich bemerkte, wie Liam einen lauten Seufzer von sich gab. „Ich weißt nicht.. Ist es nicht komisch für meine Mutter, ihren Ex-Mann glücklich mit einer neuen Familie zu sehen, nachdem dieser ohne etwas zu sagen gegangen ist?"

Lend me your heartWo Geschichten leben. Entdecke jetzt