14 Die Reise geht weiter

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Kurz darauf war der Wintergarten heillos überfüllt. Die ganze Familie Kelly sowie beide Montoyas hatten sich eingefunden. Die Situation war schnell besprochen. Salvatore und Martina würden zum Reiterhof fahren, die ganze Sache dort mit den Verantwortlichen klären und gleich Leo's Sachen wieder mitbringen. Leontina würde solange hier bleiben und dann auf dem Rückweg mit zu den beiden nach Hause fahren.
"Und Chocolate?" fragte Leontina schließlich besorgt.
"Ich könnte mit ihr zurück reiten, es sind nur knappe 5km von hier bis zu uns nach Hause," schlug Martina da vor.
"Chocolates Sachen sind ja bestimmt auch beim Reiterhof, oder?" Martina schaute Leo fragend an.
"Ja, klar, ist alles dort." Leo atmete erleichtert auf.
"Und sie kann dann so lange bei euch bleiben, bis ihr Vater wieder kommt?" Kathy stellte noch die abschließende Frage.
"Por supuesto!" [Aber selbstverständlich] Salvatore hob die Schultern. "Ihr könnt sie natürlich auch besuchen kommen oder umgekehrt."
Leontina schaute ihn erschrocken an und schüttelte kaum merklich den Kopf, aber Salva schien es gar nicht zu bemerken - oder er ignorierte sie absichtlich.
"Vielleicht können wir ja eine Geburtstagsfeier für dich machen," schlug da Patricia vor.
"Also eigentlich --" wollte Leo ansetzen, aber die anderen ließen sie gar nicht zu Wort kommen.
"Au ja! Wir planen eine Überraschung und du --" Dieses Mal konnte Angelo nicht ausreden, Joey klopfte ihm auf den Rücken und meinte: "Tolle Überraschung, wenn du es jetzt schon ankündigst!"

"Como qiéra que [wie dem auch sein] - wir machen uns jetzt mal auf den Weg..." Salvatore unterbrach die Planungsgespräche und stand auf, Martina erhob sich ebenfalls. Sie bedankten sich herzlich für alles, was die Familie Kelly für Leo getan hatte und machten sich auf den Weg nach draußen.
Als Salvatore bei Leontina vorbeikam, ging er vor ihr in die Hocke, schaute sie genau an und sagte in ernstem Tonfall:
"Y usted se queda aqui, al céntimo!" [Und du bleibst genau hier!]
"Sì, señor." Leo schaute auf ihre Hände.
"Leo! Mirame!" [Leo, schau mich an!] Salvatore fasste ihr mit zwei Fingern unters Kinn.
"Eh?"
Sie schaute ihm gezwungenermaßen in die Augen und nickte schließlich widerwillig mit dem Kopf.
"Sì, Salva." Sie atmete tief aus.
Salvatore Montoya kannte Leontina zu gut, er wollte dieser netten Familie hier weitere Überraschungen ersparen. Man konnte nie wissen, was diesem Kind einfiel, sie war wie ein Schmetterling - und husch - schon wieder verschwunden. Selten hatte er einen solchen Freigeist getroffen. Und dann noch ihre Sturheit, gepaart mit einem unglaublichen Ideenreichtum und dazu das Talent, sich selbst immer wieder in die unmöglichsten Situationen zu bringen... Je länger er darüber nachdachte, desto weniger konnte er Mark verstehen, sie bei fremden Leuten auf einem Reiterhof zu lassen. Die Wahrscheinlichkeit war groß dass -- "
"Salva, kommst du?" Martina war schon an der Tür.
Mit einem letzten Blick auf Leontina eilte Salvatore seiner Frau hinterher.

***

"Brauchst du noch irgendwas?" Leontina hörte Patricia neben sich und blinzelte noch einmal ins Licht. Sie fühlte sich so unglaublich müde und konnte kaum noch die Augen offen halten.
"Danke, ich würd gern noch ein bisschen schlafen."
Das war wohl so oder so das Beste. Im Schlaf musste sie mit niemandem reden, keine Fragen beantworten und es würde auch niemand auf die Idee kommen, ihr wieder mit einem Instrument auf die Pelle zu rücken.
Und dann wären Salva und Martina hoffentlich bald wieder da und sie käme hier weg.
Eine kleine, leise Stimme in ihrem Inneren meinte zwar, es könnte vielleicht ganz lustig werden, diese Leute hier besser kennen zu lernen, aber sie schob diese überflüssige Idee in den hintersten Winkel ihres Bewusstseins und hängte ein dickes Schloss davor.

***

Barby fand ihren jüngeren Bruder im Musikzimmer. Gedankenverloren saß er auf dem Boden und zupfte mit finsterer Miene auf einer der Gitarren herum.
"Paddy, was ist denn mit dir los?"
"Nichts!" kam die brummige Antwort.
Barby ging langsam auf Paddy zu und hielt ihm die Hand hin.
"Komm schon. Die Zeit vergeht nicht schneller wenn du hier rumsitzt und vor dich hin grübelst. Lass uns rausgehen, Maite und Angelo sind auch draußen." Von seiner Grübelei musste man Paddy manchmal ein bisschen abhalten, dachte Barby bei sich.
Seufzend legte Paddy die Gitarre zur Seite und ließ sich von seiner Schwester aufhelfen. Er war ihr ja dankbar für die Ablenkung.
Und vielleicht würde Leo ja bald aufwachen.

Growing up oder: lost and foundWo Geschichten leben. Entdecke jetzt